Linnich - Webdesigner 2.0: Die Zeit der Autodidakten ist vorbei

Webdesigner 2.0: Die Zeit der Autodidakten ist vorbei

Von: Tobias Schormann, dpa
Letzte Aktualisierung:
Computer / Internet / Webdesign
HTML, Java oder Flash: Webdesigner müssen nicht nur kreativ sein, sondern auch technisches Verständnis haben. Foto: dpa

Linnich. Als Patrick Dohmen aus Linnich Anfang der 90er Jahre als Webdesigner anfing, waren viele Internetseiten noch Bleiwüsten. Für deren Gestaltung reichte es, ein paar HTML-Zeilen schreiben zu können.

Heute ist das anders: Online-Plattformen sind im Web 2.0 multimedialer und interaktiver geworden. Das hat auch die Arbeit der Webdesigner verändert. Sie müssen nicht nur „Web-Visitenkarten” für Firmen layouten, sondern ganze Shop-Konzepte entwickeln. Gerade für freiberufliche Einzelkämpfer ist das oft keine leichte Aufgabe.

Gesetzlich geregelt ist der Beruf des Webdesigners nicht: Im Prinzip darf sich jeder so nennen, der Internetseiten erstellt. Dennoch sei für Einsteiger heute eine Ausbildung Pflicht, um Erfolg in der Branche zu haben, sagt Hans-Joachim Burkhardt von der Arbeitsagentur in Hamburg. „Früher gab es in diesem Bereich viele Autodidakten - diese Zeit ist aber vorbei.”

Webdesigner brauchen zum einen technisches Verständnis. Das gilt heute mehr denn je, weil durch neue Progammiertechniken und Breitband-Anwendungen die Anforderungen gestiegen sind. „Da hat sich die Technologie wahnsinnig verändert”, sagt Götz Hannemann vom SAE Institut mit Sitz in München, das in mehreren deutschen Städten kostenpflichtige Webdesign-Studiengänge anbietet.

Zwar gebe es Editoren, die Designern das Programmieren abnehmen. Solche Programme stießen bei aufwendigen Gestaltungsideen aber an ihre Grenzen. „Als Webdesigner muss man daher verstehen, was hinter der Editoroberfläche passiert, um richtig damit arbeiten zu können”, sagt Hannemann. Einige schrieben den Quellcode immer noch eigenhändig im Texteditor. „Das machen aber nur die ganz Harten.”

Programmieren zu können ist beim Webdesign nur die eine Seite. Denn dabei geht es um mehr als technische Machbarkeit: Ein zeitraubendes Flash-Intro etwa ist für manchen Experten ein Gräuel. „Das sind Dinge, die die Welt nicht braucht”, sagt Patrick Dohmen, der dem Verband Deutscher Webdesigner und Webmaster in Jülich vorsteht. Statt derartiger Spielereien stehe heute die Nutzerfreundlichkeit einer Seite stärker im Vordergrund. „Viele Webseiten kranken immer noch daran, dass sie überladen sind. Dabei gilt für die Gestaltung oft: Weniger ist mehr.”

Das Web stellt zudem ganz eigene Ansprüche an ein Corporate Design: „Was im Printbereich gut ist, funktioniert im Web oft nicht”, sagt Dohmen. Webdesigner müssten dabei nicht nur etwas von Typographie und Layout verstehen - auch Farbpsychologie gehöre zu ihrem Metier, ergänzt Hannemann.

Viele Firmen wollen heute mehr als eine Web-Visitenkarte, sagt Dohmen. „Drin sein alleine reicht heute einfach nicht mehr.” Daher werde ein Webdesigner auch damit beauftragt, einen Newsletter oder ein Forum zu entwerfen. „Und auch Aufgaben wie das Web-Marketing und die Suchmaschinen-Optimierung gehören zur Arbeit”, sagt Dohmen.

In größeren Agenturen sind die Aufgaben oft auf mehrere Schultern verteilt. Ein Webdesigner arbeitet dann mit einem Grafiker und einem Programmierer zusammen. Viele in der Branche sind aber Freiberufler, die diese Arbeiten allein bewältigen müssen - und das neben der Kundenakquise. „Solche Einzelkämpfer müssen also nicht nur kreativ sein, sondern sich auch verkaufen können”, sagt Dohmen.

Auch beim Einkommen sei der Markt zweigeteilt, sagt Burkhardt von der Arbeitsagentur in Hamburg. „Es gibt die etablierten Profis, da steckt das Geld. Und es gibt immer noch die Amateure, die billig arbeiten und sich dadurch gegenseitig die Preise verderben.” Als Richtwert für den durchschnittlichen Bruttoverdienst gibt die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg knapp 3200 Euro an.

Auf dem Arbeitsmarkt ging es für Webdesigner in den vergangenen zehn Jahren auf und ab: Erst boomte die Branche, dann standen viele nach dem Platzen der New-Economy-Blase plötzlich auf der Straße. So hat die Zahl der Beschäftigten in diesem Berufsfeld laut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg von 2001 bis 2003 um knapp sechs Prozent abgenommen. „Inzwischen hat sich die Branche aber wieder konsolidiert”, sagt Burkhardt. So gab es 2007 rund zwölf Prozent mehr Beschäftigte in diesem Bereich als zwei Jahre zuvor.

Eine wichtige Voraussetzung sei Stressresistenz, um dem Termindruck im Job standhalten zu können, sagt Hannemann. „Das ist kein Nine-to-Five-Job, da arbeitet man nach Auftragslage.” Webdesigner müssten sich zudem ständig weiterbilden, um auf dem Stand der Technik zu bleiben. Neulinge in der Branche brauchen außerdem Durchhaltevermögen, um sich auf dem Markt zu etablieren. „Das ist ein Modejob. Man kann Einsteigern daher nur raten: Zieht euch warm an, die Konkurrenz ist groß”, sagt Burkhardt.

Um Webdesigner zu werden, gibt es viele Wege. „Die eine Ausbildung für den Beruf gibt es nicht”, sagt Hans-Joachim Burkhardt von der Arbeitsagentur in Hamburg. Eine Lehre als Mediengestalter eigne sich ebenso wie ein Studium. An staatlichen Hochschulen bieten sich dafür Fächer wie Kommunikationsdesign oder Medieninformatik an. Private Institute bieten spezielle Webdesign-Studiengänge an, die oft aber teuer sind. Daneben gibt es Weiterbildungen von den Industrie- und Handelskammern, die zum Teil nur wenige Monate dauern.
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