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Warnstreiks legen Nahverkehr in der Region lahm

Von: dpa/red
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Aachener Verdi-Mitglieder auf dem Weg zur zentralen Kundgebung. Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen haben die Warnstreiks im öffentlichen Dienst für erhebliche Behinderungen in Nordrhein-Westfalen gesorgt. Erneut trafen die Arbeitsniederlegungen vor allem den öffentlichen Nahverkehr. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Weil der Öffentliche Dienst am Mittwoch in Aachen streikt, fällt Einiges ins Wasser - nicht nur der Schwimmunterricht der Aachener Schulen. 72 Einheiten a 30 Minuten (das entspricht 24 Doppelstunden) fallen nach städtischen Angaben kurzfristig aus, weil Bademeister fehlen.

Die Schulen können erst morgens informiert werden. „Wir wussten auch erst mit Dienstbeginn, wie es in den Schwimmhallen aussieht”, erklärt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt trocken. Bis auf die Elisabethhalle sind alle städtischen Badeanstalten dicht. Und weil mittwochs in der Elisabethhalle Reinigungstag ist, öffnet man dort erst um 12 Uhr. Trotzdem zeigen Hobby-Schwimmer wie Peter Wohlt an der Ulla-Klinger-Halle Verständnis: „Das ist ein tolles Team in Aachen; die haben es verdient, vernünftig bezahlt zu werden”, sagt er. Für mindestens 200 Euro monatlich mehr und ein Plus von 6,5 Prozent kämpfen die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes. Um ihre Forderung zu unterstreichen, machen sich rund 700 Streikende schon am frühen Morgen zur zentralen Verdi-Kundgebung nach Köln auf. 14 Busse rollen in die Rhein-Metropole.

Sonderschicht am Samstag

In Aachen und der Städteregion fährt dafür umso weniger. Erstmals legt die Müllabfuhr bei diesem Tarifstreit die Arbeit nieder. Tausende Tonnen in Laurensberg, Richterich und Teilen der Innenstadt bleiben ungeleert am Straßenrand stehen. Für den Rest der Woche verschieben sich dafür die Abholtermine jeweils um einen Tag - inklusive Sonderschicht am Samstag.

Über 400 Busfahrer des Aseag lassen die rote Flotte im Depot, die sonst an einem Werktag bis zu 220.000 Menschen befördert. Trotzdem kommt es nicht zu Staus - auch nicht zu einem weiteren Boom im Taxi-Geschäft wie beim jüngsten Warnstreik am 7. März. „Die meisten Leute haben sich wohl darauf eingestellt. Morgens hatten wir rund 20 Prozent mehr Fahrten”, sagt Heinz-Josef Engels von der Taxi-Funkzentrale Alfa. „Aber die Straßen waren viel leerer als sonst.” Die Sonne scheint; viele fahren Rad oder gehen zu Fuß.

Auch zur Schule: An der David-Hansemann-Schule war beispielsweise am ersten Streiktag nur jeder 20. Schüler anwesend, diesmal immerhin jeder zehnte. An der Alkuinschule werden - wie angekündigt - Klassenarbeiten geschrieben. Schulleiter Günter Maaßen hatte seinen Schülern klar gemacht, dass der Streik kein Entschuldigungsgrund sei. Hier wie an der David-Hansemann-Schule heißt es: Es läuft alles unaufgeregter und harmloser ab, als vor Wochen. Schon damals mussten auch die Eltern von rund 3500 Kindergartenkindern alternative Betreuungsmöglichkeiten finden. Wie a Mittwoch: Nur drei von 57 Kindergärten sind regulär geöffnet, in fünf Einrichtungen gibt es einen eingeschränkten Betrieb in einzelnen Gruppen. Mehr war offenbar nicht nötig. „Großes Lob an die Aachener Eltern, die Alternativen gefunden haben”, erklärt Björn Gürtler. Auf Dauer funktioniert das jedoch nicht. So fordert der Aachener Senol Asik vom Landeselternbeirat der Kindertagesstätten in NRW am Mittwoch eindringlich eine rasche Einigung der Tarifpartner. „Wir sind sehr besorgt über die Art und Weise, mit der der Tarifstreit auch in den Kindertagesstätten und damit auf dem Rücken der Schwächsten in unserer Gesellschaft geführt wird”, heißt es in einer Stellungnahme. Ein Tag sei zu verkraften. Länger geschlossene Kitas hätten dagegen fatale Auswirkungen. An der Not-Hotline der Stadtverwaltung kommen am Mittwochmorgen gerade mal drei Anrufe an. Zweimal wird den Eltern geholfen; der dritte Anrufer hat sich schlichtweg verirrt. Er will zur Aseag. Größere Probleme tauchen nachmittags in den Offenen Ganztagsschulen auf, bei denen städtische Mitarbeiter zum Team zählen. Hier müssen Lehrer die Lücken der Streikenden füllen - und das gefällt nicht allen.

Und sonst? 20 von 100 Politessen streiken, der Rest schreibt eifrig Knöllchen. Die Museen sind geöffnet, das Theater bringt Vorstellungen ohne die fehlenden Techniker über die Bühne. Die Bibliotheken vermissen etwa die Hälfte des Personals. Deswegen bleibt das Haupthaus an der Couvenstraße zu. Die Stadtteilbibliotheken haben mittwochs ohnehin geschlossen. Da der Stadtbetrieb streikt, auf dessen Gelände der Bücherbus „Fabian” parkt, fällt die geplante Tour durch die Viertel aus.

Einen „großen Erfolg” nennt das alles Verdi-Sprecherin Corinna Groß. „Wir haben Eindruck hinterlassen, der sich in den Verhandlungen auswirken wird”, sagt sie. „Das war mehr als geplant.” Notfalls sei man zu längeren Streikperioden bereit - dann würde zweifellos noch mehr baden gehen.
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