Warmes Essen mit Jülicher Technik

Von: nk
Letzte Aktualisierung:
solarglobalbol2bu
Wenn alles genau eingestellt ist, kann das große Kochen beginnen.

Jülich. In kalten Klassenräumen mit knurrendem Magen die Ausführungen des Lehrers aufmerksam zu verfolgen, ist nicht einfach. Zumal, wenn die Arbeit vom Vieh hüten oder das kilometerweite schwere Tragen von Lasten wie Holz oder Wasser noch in den Knochen steckt.

Derartige Geschichten entspringen hierzulande den Erinnerungen alter Menschen, oft aus einer Zeit vor mehr als 50 Jahren. In vielen Ländern der Erde ist dies aber heute noch Realität, so auch in Bolivien.

In der Provinz Gualberto Villarroel im bolivianischen Hochland hilft der Jülicher Verein „Solar Global” in Zusammenarbeit mit dem lokalen Projektträger Fundación Vertiente unter anderem mit solaren Groß- und Familienkochern, denn das bisschen Vegetation in der kargen Landschaft, hier und da ein paar Tula-Sträucher oder mal ein Quenoa- oder Yaretabaum, wird immer weiter dezimiert, um etwas Brennstoff für die Öfen zu bekommen. Gas ist viel zu teuer für das durchschnittliche 40-Euro-Monatsgehalt in der 19.000 Einwohner zählenden Provinz. Dafür besteht dort eine sehr gute Sonneneinstrahlung.

Zwölf Großkocher sind für vier Schulmensen geplant. Pro Kocher werden 40 bis 50 Personen verköstigt. Zusätzlich fertig ein Team unter Leitung von Diplom-Ingenieur Christoph Müller von Solar Global vor Ort zunächst 60 Familienkocher für jeweils 10 bis 12 Personen an.

„Die Kocher werden über einen Rotationsfond an Privatnutzer verkauft”, erklärt Prof. Dr. Klemens Schwarzer, Vorsitzender von Solar Global. Die Kosten für einen Kocher betragen ca. 150 Euro, 100 Euro zahlen die Familien in etwa 10 bis zwölf Monatsraten ab. Die anderen 50 Euro sollen über Kocherpatenschaften in Deutschland eingeworben werden. Dafür stellt Solar Global eine Spendenquittung aus.

Das Projekt ist nämlich in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. Um eine Identifikation mit dem Projekt und somit auch ein Verantwortungsbewusstsein aufzubauen, tragen die Gemeindeverwaltung zusammen mit Eltern und Lehrern der Schulkinder ihr Scherflein dazu bei, indem sie in Eigenleistung die Küchenräume für die Kocher errichten. Diese Eigenleistung beträgt ungefähr 8000 Euro des 160000 Euro teuren Projekts.

Bezahlt wird das Unternehmen aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie aus Spenden. So steuern jeweils 10000 Euro die Kirchengemeinde Eddigehausen bei Göttingen und der Verein Mensch und Tier (MUT) in Freiburg und Solar Global bei.

Technisches Know-how

Das Projekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren startet Anfang Mai. Dabei kommen die Erfahrungen aus einem ähnlichen, mittlerweile abgeschlossenen Projekt in Argentinien zugute. Wie dort exportiert Solar Global auch nach Bolivien ganz konkret technisches Know-How. Denn in La Paz, der Hauptstadt des Landes, werden Techniker ausgebildet, um Schablonen für die Produktion der Solarkocher herzustellen. „Die Werkstatt läuft bereits sehr gut”, erklärt Prof. Schwarzer. Nach zwei Jahren soll sie ähnlich wie in den Anden von Argentinien sich selbst tragen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert