Wallgraben: Öko-Paradies, Hundeklo und wachsame Bienen

Von: -vpu-
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Imker Riebe kennt den Wallgraben: Seine Völker stehen im zentralen Refugium. Foto: Uerlings

Jülich. Als die Herrscher dieser Stadt noch ausgeprägte Angst vor feindlichen Angriffen hatten, war der Graben um die Zitadelle eine Art Lebensversicherung. Der konnte binnen 48 Stunden mit Hilfe von Schleusenwerken bis zur „militärischen Tiefe von zwei Metern” unter Wasser gesetzt werden. Das stellte Lehrer Dr. Felix Sauer Ende der 60er Jahre einer thematisch ganz anderen Arbeit voran - über die Botanik des Grabens.

Da es die im Mittelalter gefürchteten Angriffe zum Glück nicht mehr geben wird, ist die Flora und Fauna am und im Wallgraben bis heute sich selbst überlassen. Ein ökologisches Refugium am Fuß der Festung und die Grenze zwischen City und Nordviertel.

„Eine solch unberührte Natur erwartet doch hier niemand”, sagt Helmut Riebe, der sich „da unten” bestens auskennt. Der Jülicher Imker wohnt gleich um die Ecke am Propst-Bechte-Platz und hat seine Bienenvölker seit sieben Jahren im Graben angesiedelt.

„Anfangs mussten einige Ämter eingeschaltet werden, bis die Genehmigung vorlag, aber dann hat es geklappt. Die Völker leben hier sehr gut, das Pollenspektrum ist reichhaltig”, erklärt Riebe, der den Jülicher Honig hat untersuchen lassen.

Durch seine Streifzüge sieht Riebe regelmäßig weitere Bewohner: „Waldkäuze, jede Menge Spechte und viele Fledermäuse.” In einem inzwischen trockengelegten Teich gab es „sogar Molche und Feuerlurche”. Aber das Wasser ist weitgehend Vergangenheit. Die Quelle, die einst einen Bach speiste, tröpfelt nur noch vor sich hin, da ihr durch eine Bebauung im Zuflussbereich der Nachschub fehlt.

drei Metern Breite und 0,40 Metern Tiefe”, das „in hellen Nächten wie ein Silberband leuchtet, das sich um die mächtige Festung” legt. Diese Romantik verschwand stets, wenn der Bach nicht abfließen konnte. Da war das „übelriechende Grabenwasser” laut Sauer eine „Brutstelle zahlreicher Stechmücken und Krankheitsträger”.

Die wilde Natur sieht Imker Helmut Riebe nicht mehr überall. Seit der Freilegung beim Bau des Parkhauses sei dieser Bereich nicht mehr so wild. Er avanciere abends zu „Jülichs größtem Hundeklo”. Alles andere ist aber abgeschottet, was auch seine Bienen schützt. 15 Völker hat er dort. Gelegentlich lassen sich mal Vandalen an ihnen aus.

Inzwischen hat der Naturfreund eine Strategie: Die „verteidigungsbereiten Völker” schieben Wache. Ganz ohne „Militär” gehts im Graben nicht ...
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