Jülich - Wald weicht Gästehaus: Bald kreischen die Kettensägen

Wald weicht Gästehaus: Bald kreischen die Kettensägen

Von: Volker Uerlings
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Wilfried Moll vom Naturschutzb
Wilfried Moll vom Naturschutzbund hat den Jungwald am Park inspiziert und Bedenken gegen die Rodung der Aufforstungsfläche geäußert. Sie wird aber wohl nicht zu verhindern sein. Foto: Uerlings

Jülich. Der „Jungwald” am Brückenkopf-Park hat noch eine Gnadenfrist. Die Aufforstungsfläche mit etwa 17.000 Bäumen auf zwei rechteckigen Flächen, von denen zunächst etwa ein Viertel dem Bauprojekt Jugendgästehaus weichen muss, wird vorerst noch nicht gerodet. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. In einer weiteren Sondersitzung machte der Haupt- und Finanzausschuss dem Vorhaben erneut mit deutlicher Mehrheit den Weg frei.

Wenn das komplizierte Vertragswerk notariell beurkundet worden ist, dürften auch die Kettensägen angeworfen werden. Damit ist in knapp zwei Wochen zu rechnen, wie unsere Zeitung erfuhr.

„Es war eine sehr kurze Sitzung - mit einem ähnlichen Abstimmungsergebnis wie Anfang August”, berichtete Beigeordneter Martin Schulz auf Anfrage über die nichtöffentliche Zusammenkunft im Neuen Rathaus. Die Jülicher Politik billigte mit ihrer Zustimmung die zuletzt ausgehandelten rechtlichen und finanziellen Details.

Wie bereits berichtet, wird die JUFA Deutschland GmbH Träger und Bauherr des Jugendgästehauses. Der Standort Jülich wäre ihr vierter in Deutschland, während die österreichische Muttergesellschaft bereits 37 betreibt.

Das Bauvorhaben in Jülich umfasst aber nicht nur die Herberge mit 50 Zimmern und etwa 160 Betten, deren Hauptzielgruppe Familien sind, die Urlaub in einer ordentlichen Unterbringung zu bezahlbaren Konditionen machen wollen. Daneben entstehen zwei weitere Gebäude. Das eine ist der Energie-Pavillon mit zeitgemäßen Spiel- und Lernstationen. Damit würde der Brückenkopf-Park erstmals über eine Einrichtung verfügen, in der sich Besucher auch bei schlechtem Wetter vergnügen können. Dritter Bestandteil ist ein Bildungshaus, in dessen erster Etage sowohl die Park-Verwaltung als auch die Mitarbeiter der städtischen Kulturarbeit unterkommen.

Die Gesamtkosten werden auf 8,1 Millionen Euro taxiert, von denen der Kreis Düren eine Million Euro übernimmt und die Entwicklungsgesellschaft Indeland 500.000 Euro. Weitere 1,5 Millionen Euro steuert die Stadt Jülich bei, während JUFA selbst 2,7 Millionen Euro aufwenden soll. Bleibt eine Lücke von 2,4 Millionen Euro, die in der Jülicher Kommunalpolitik mindestens so viele Kritiker hat wie die Rodung des „Jungwaldes”. Von einer politischen Mehrheit sind die Gegner allerdings weit entfernt. Das so genannte „Finanzierungs-Delta” soll über Sponsoren ganz oder teilweise geschlossen werden. Gelingt das nicht oder eben nicht ganz, muss die Stadt in die Bresche springen.

Das Großprojekt wird nun mit aller Macht vorangetrieben, obwohl die vorgeschriebene Abwägung von im Verfahren vorgebrachten Einwänden noch nicht erfolgt ist. Das macht eine Sonderregel möglich, die im Paragraphen 33 des Baugesetzbuches verankert ist.

Zwischenzeitlich habe sich aber die Stadt mit den zahlreich vorliegenden Bedenken auseinandergesetzt und auch einen Gutachter bemüht, erklärte Beigeordneter Martin Schulz gegenüber unserer Zeitung. So wurde vorgebracht, dass der „Verlust des Waldes” am Park nicht durch die Anlage von Gehölzen im Umfeld aufgefangen werden könne. Die „Lebensraumfunktion” neuer Gehölze sei aufgrund des noch jungen Alters wesentlich geringer, haben Kritiker vorgebracht.

Dem entgegne die Stadt, so Schulz, dass auch der Jungwald bislang noch „keinen typischen Waldzustand herausgebildet” habe, ihm fehle zum Beispiel die „typische Krautschicht”. Die „Lebensraumfunktion im Sinne von Wald” sei noch nicht gegeben. Im Übrigen werde die Fläche „1:1 ausgeglichen”, also in gleicher Größe in der Ruraue wieder hergestellt.

Den Umweltschützern geht es auch um den Artenschutz. Die für das Gästehaus vorgesehene Fläche biete seltenen oder gefährdeten Arten eine potenzielle neue Heimat. Genannt werden explizit Haselmaus, Fledermäuse, Blindschleiche und Waldeidechse.

Schulz dazu: „Waldeidechse und Blindschleiche stehen in NRW auf der Vorwarnliste. Damit unterliegen sie nicht der artenschutzrechtlichen Prüfung.” Anfang Juli habe eine „vertiefende Suche nach Nestern und Fraßspuren” der Haselmaus stattgefunden. Schulz: „Ohne Hinweis auf die Art.”
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