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Vor dem Bauen Steinkauz fragen

Von: hfs
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Alter Baumbestand, wie hier zu
Alter Baumbestand, wie hier zum Beispiel die knorrigen Kopfweiden, mit beweideten Wiesen - diesen Lebensraum braucht der Steinkauz. Foto: hfs.

Müntz. In Deutschland ist der Steinkauz stark gefährdet. Der Gesamtbestand dürfte, so Schätzungen, unter 5000 Brutpaare liegen. Nordrhein-Westfalen beherbergt etwa 80 Prozent des deutschen Bestandes. Große Populationen leben noch in den Kopfbaum-reichen Niederungsgebieten Westfalens und am unteren Niederrhein.

Aber rund 70 Prozent aller in NRW gezählten Steinkauzhabitate befinden sich in der westlichen Jülicher Börde, explizit in und um der zur Gemeinde Titz zählenden Ortschaft Müntz, wo es noch zahlreiche beweidete Obstwiesen gibt.

„Unser Ort bietet für den Steinkauz ein Vier-Sterne-Plus-Gebiet”, gab der Müntzer Ortsvorsteher Ulrich Goebbels ein Gespräch wider, als er sich jüngst im Düsseldorfer Landschaftsministerium über die Steinkauz-Population sachkundig machte. Dass die Müntzer Gegend sozusagen zum Paradebrutgebiet des unter strengem Artenschutz stehenden Vogel steht, dies ließ auch Lothar Gerhards von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Düren durchblicken, als er im jüngsten Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt letzte Details zum Landschaftsplan Titz/Jülich-Ost erläuterte.

Der wurde in der Sitzung des Kreistages am Dienstag zur Offenlegung beschlossen. In der Zeit vom 5. November bis 20. Dezember haben Bürger und öffentliche Bedenkenträger Gelegenheit, Anregungen und Wünsche zu äußern. Und in der Gemeinde Titz werden am 22. und 28. November (17 bis 20 Uhr im Bürgerbüro) Vertreter des Kreises Düren Fragen von Bürger beantworten.

Denn für betroffene Grundstückseigentümer und - wie bei der Titzer Ausschusssitzung festzustellen - auch unter Ratsvertretern hält der erarbeitete Entwurf des Landschaftsplanes noch viele Fragezeichen parat. „Der Landschaftsplan gilt nur außerhalb der Ortslagen und setzt als zentralen Inhalt Schutzgebiete, wie etwa Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und geschützte Landschaftsbestandteile fest”, hob Lothar Gerhards hervor.

Um den Schutz zu gewähren, werden auch Verbotsregelungen in den Schutzgebieten erlassen. „Darf der Steinkauz jetzt alles, wir als Eigentümer aber nichts mehr?”, lautete zum Beispiel eine der Fragen, die besonders den Ortsvorstehern auf den Nägel brennen. Gerhards klare Antwort: „Wenn bisher eine Nutzung rechtsmäßig und ordnungsgemäß ausgeübt wurde, darf der Besitzer des Grundstückes dies auch weiterhin.”

Anders sieht der Fall natürlich aus, wenn auf einem bisher als Weide- oder Ackerfläche benutzten Grund ein Bauvorhaben ansteht. „Dann muss zuerst geklärt werden, ob es sich um ein Brutgebiet des Steinkauzes handelt”, sagte der Vertreter der Unteren Landschaftsbehörde. Im Klartext heißt dies, dass das Vorhaben zuerst einmal gestoppt, wenn nicht gar gestorben ist.

Im Landschaftsplan spielen die vornehmlich an den Ortsrandlagen vorhandenen Gehölz-bestandenen Grünflächen als Lebensraum geschützter Arten eine besondere Rolle. „Deshalb haben wir den gesamten nördlichen Bereich der Ortschaft Müntz als künftiges Landschaftsschutzgebiet vorgesehen”, sagte Lothar Gerhards. Um dann hinzuzufügen, „dass es in diesem Bereich bisher 14 Steinkauzhabitate gibt, so viel wie nirgendwo.”

Dass der Landschaftsplan für die künftige Bebauung in einer Gemeinde keinen Einfluss hat, dies wurde herausgestellt. „Der Landschaftsplan hat keinen Einfluss auf die Bauleitplanung.” Einfluss hat nur der Artenschutz, vertreten durch die Untere Landschaftsbehörde. Und dieser Artenschutz ist bei der Behörde so hoch angesiedelt, dass er auch Pläne und Konzepte kippen kann.

Wer stellt fest, wo und in welcher Kopfzahl ein Steinkauz vorkommt? Auch diese Frage beschäftigte den Ausschuss in besonderem Maße. Mit der Steinkauz-Kartierung wurde vom Kreis Düren ein Fachbüro beauftragt. Wie viele dieser Klein-Eulen es tatsächlich gibt, darauf konnte keine Antwort gegeben werden. „Weil immer weniger Landwirte einen Viehbestand halten und Grünflächen verschwinden, geht auch der Bestand des Steinkauzes zurück”, nannte Lothar Gerhards den Hauptgrund des streng ausgelegten Artenschutzes.

In geschützten Landschaftsbestandteilen ist, so seine weiteren Ausführungen, bei beabsichtigten Veränderungen von Bebauungsplänen der Regierungspräsident bzw. die Bezirksregierung maßgebliche Anlaufstelle. Wenn aber ein Landschaftsplan erstellt ist, und der gilt ohne jegliche Befristung, dann ist die Untere Landschaftsbehörde bei allen angedachten Veränderungen zuständig. „Ja und dann”, befürchtete gar ein Ausschussmitglied, „wird es noch schlimmer als in Köln beim Regierungspräsidenten.”
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