Siersdorf - Vor 20 Jahren war endgültig Schicht im Schacht

Vor 20 Jahren war endgültig Schicht im Schacht

Von: Adi Zantis
Letzte Aktualisierung:
4657002.jpg
Die Männer der letzten Schicht: Am 18. Dezember 1992 war für sie Ende im Schacht.
4635998.jpg
4635931.jpg
4635944.jpg
4635929.jpg
4635914.jpg
4656817.jpg
Die Männer der letzten Schicht
4657038.jpg
Bernhard Junker, hier mit seiner ehemaligen Stempelkarte, hat auf Emil Mayrisch den letzten Kohlewagen ausgesteuert.
4657014.jpg
Die letzte Lore: In glänzendem Silber rollte sie bis ans Rednerpult, auf dem Landesvater Johannes Rau den Bergleuten eine gute Zukunft verhieß.
4657078.jpg
Groß war der Andrang zur Schicht, die das Ende des Steinkohleberbaus auf Emil Mayrisch besiegelte. Für viele Gäste war es ein Moment der Trauer.

Siersdorf. 18. Dezember 1992: Der Tag, an dem nach 40 Jahren Betriebszeit die Kohleförderung auf der Siersdorfer Zeche Emil Mayrisch mit dem endgültigen Aus für immer besiegelt wurde. „Dieses Datum“, so erinnert sich der Siersdorfer Bergmann Bernhard Junker, „hat sich nachhaltig in meinem Gedächtnis festgeschrieben.“ „Meine Aufgabe als Anschläger“, so der heute 73-Jährige, „stand an diesem denkwürdigen Morgen zusammen mit dem Maschinisten besonders im Blickpunkt.“

Es war gegen 10.30 Uhr, als tief unten im Schacht auf der 860-Meter-Sohle der legendäre letzte Kohlenwagen zur Förderung aufgeschoben wurde. Aus den beiden Anschlagstellen wurde dem Maschinisten mit „Fertigsignal“ von unten und von oben die Förderfreigabe erteilt, so dass der blank geputzte und silbern glänzende Wagen mit dem Förderkorb in seiner letzten Seilfahrt zur Förderhalle fahren konnte.

Jetzt kam für Anschläger Bernhard Junker der mit Spannung erwartete Moment: Nach dem Öffnen der Schachttore ließ er auf der sechsten Etage den „legendären letzten Kohlenwagen“ durch sanfte Steuerung von der Bühne ablaufen und brachte ihn dann – entgegen der bisher üblichen Handhabung – unmittelbar vor dem Schachtausgang zum Stehen. In der proppenvollen Schachthalle herrschte unter den versammelten Kumpels mit den Ehrengästen zunächst eine beklemmende Stille, bis dann das Bergmanns-Orchester den Glück-auf-Marsch anstimmte.

Später konnten auch wohlgemeinte Ansprachen und Beteuerungen für sozialverträgliche Lösungen, neue Arbeitsplätze, Ankündigungen von Umstrukturierungen über eines nicht hinweghelfen: Der 18. Dezember 1992 festigte den unumstößlichen Niedergang der Kohleförderung im ehemals hoch gepriesenen Aachener Kohlerevier. Mit Emil Mayrisch in Siersdorf ging eine Ära zu Ende, die als Motor in allen Bereichen für Wohlstand und Wachstum entscheidende Impulse gegeben hatte.

Im Rückblick auf seine Tätigkeit als Anschläger spricht Bernhard Junker von einer Beschäftigung, die in vielerlei Hinsicht von „einer verantwortungsvollen Aufgabe geprägt war“. „Da durfte man keinen Fehler machen, denn das konnte schlimme Folgen haben“, so erzählt er. Heute, so empfindet es der ehemalige Anschläger Junker, sind die vielseitigen Berufsbilder in Verbindung mit der Bergbauindustrie mehr oder weniger Geschichte. Wer kennt denn noch einen Hauer, einen Fördermaschinisten, einen Steiger, Markscheider als Vermessungsingenieur oder einen Wetterfachmann?

Deshalb ist es nach seiner Meinung lobenswert, wenn sich im ehemaligen Revier die Traditionsvereine mit der bergbaugeschichtlichen Vergangenheit beschäftigen und somit das Berufsbild „Bergmann“ in lebendiger Erinnerung halten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert