Rödingen - Von den Phasen im religiösen Leben

Von den Phasen im religiösen Leben

Von: ptj
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Interessante Einblicke in das religiöse jüdische Leben gewürzt mit einer Prise Humor: Die gibt Dr. Yizhak Ahren in seinem Vortrag. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Einen höchst interessanten Vortrag über Stationen im jüdischen Lebenszyklus hielt Professor Dr. Yizhak Ahren im LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen. Der Psychologe arbeitet an der Anna-Freud-Schule des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) und lehrt an der Uni Köln.

Ahren wies auf die für alle Juden verbindlichen Vorschriften der Tora hin und klärte über untergegangenes und lebendiges Brauchtum auf, dessen Gestaltung sich in jüdischen Kulturen verschieden entwickelt hat.

Die jüdische Phasenlehre im Talmud, dessen Kernstück die mündliche Lehre „Mischna” ist, gibt dem Juden religiöse Verhaltensweisen als Richtschnur an die Hand: „Mit fünf Jahren zur Mikra” bedeutet, das fünfjährige Kind soll sich mit der Bibel vertraut machen. Ab zehn Jahren ist die „Mischna” an der Reihe. Mit 13 Jahren, wenn zur religiösen Mündigkeit die Bar-Mizwa (bei Jungen) und die Bat-Mizwa (bei Mädchen) gefeiert wird, steht die „Mizwot” an, das Halten der (613!) Gebote.

„Mädchen dürfen schon ein Jahr früher die Gebote halten”, sagte Ahren. Der 15-Jährige soll sich mit dem Talmud beschäftigen, mit 18 Jahren kann er heiraten, mit 20 Jahren soll er im Beruf stehen. Eine reife Arbeitskraft ist er mit 30, mit 40 kommt er zur Einsicht. Erst als 50-Jähriger soll er aus einer gewissen Lebenserfahrung heraus Ratschläge erteilen, mit 60 ist er alt, mit 70 Greis, mit 80 hat er ein hohes Alter erreicht. „Mit 90 zum Niedergang, mit 100 wie gestorben und gegangen aus dieser Welt”, fuhr Ahren fort.

Die jüdischen Feierlichkeiten beginnen mit der Geburt und der Beschneidung der Jungen (Brit Mila), verbunden mit der Namensgebung am achten Tag, was gebührend gefeiert wird. Bei Mädchen ist die Beschneidung strengstens verboten, erfuhren die Zuhörer.

Zur Sprache kam die Ehre der Patenwahl und die Tradition, aus der bei der Beschneidung benutzten Windel einen kunstvollen Tora-Wimpel zu fertigen. Auf eine Nachfrage aus dem Publikum: „Warum Beschneidung?” betonte Ahren: „Weil es in der Tora steht als Zeichen des Bundes. Nichtbeschnittene Juden wie Nichtjuden nehmen am Pessach-Opfer nicht teil.”

Der jüdische Name bezeichnet die Herkunft, so bekennt sich der Vater bei der Namensgebung zum ersten Mal zu seinem Kind, erklärte Ahren. Mädchen und Jungen erhalten gewöhnlich mit vier Wochen einen bürgerlichen Zweitnamen.

Ausführlicher thematisierte Ahren Hochzeit und Trauer beim Tod eines Angehörigen, beide Anlässe werden jeweils sieben Tage lang begangen. Ein interessantes Detail: der einklagbare Hochzeitsvertrag „Ketubba”, der die finanziellen Rechte der Frau auflistet.

„Das Geld, das die Frau mit einbringt, kriegt sie später (bei Tod des Ehemannes oder Scheidung) wieder”, sagte Ahren. Beide Ehepartner müssen heute mit der Scheidung einverstanden sein, damit komplizierte Scheidungspapiere ausgestellt werden können, die eine Wiederverheiratung ermöglichen. Nur der „Kohen”, ein Priester durch Geburt als männlicher Nachkomme der Familie Aarons, darf keine geschiedene Frau heiraten - im Unterschied zum Rabbiner, der Gelehrter und ordinierter Tora-Lehrer ist.

Zudem existiert die Tradition, einen männlichen Erstgeborenen (finanziell) beim Kohen auszulösen, um ihn symbolisch vom Tempeldienst zu befreien.
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