Vom Dasein einer Dichterin

Von: ul
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Passender Rahmen für ein bewegtes Dasein: Die Germanistin Magret Hanuschkin stellt in der Sonntags-Matinee in der Stadtbücherei Jülich das Leben und Werk der bedeutenden russischen Dichterin Anna Achmatowa vor. Foto: Lottner

Jülich. Der erste Frühjahrssturm hat einen passenden Rahmen zur Sonntags-Matinee in der Stadtbücherei abgegeben, wo das bewegte Leben und Werk der russischen Dichterin Anna Achmatowa vorgestellt wurde.

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe rund um den Frauentag am 8. März hatte die Stadtbücherei Jülich in Kooperation mit der VHS und der Gleichstellungsstelle der Stadt Jülich zu der Matinee geladen, die die Germanistin Margret Hanuschkin anschaulich und spannend gestaltet.

Bis vor zwölf Jahren unbekannt

„Bis vor zwölf Jahren war Anna Achmatowa nur einem kleinen Kreis von Lesern in Deutschland bekannt”, gab Hanuschkin zu bedenken. Mittlerweile hat sich dieser Umstand ins Gegenteil verkehrt und auch einigen Zuhörern der Matinee war die bedeutendste Frau der russischen Literatur mehr als ein Begriff.

Geboren wurde Anna Andrejewna Gorenko im Juni 1889 in der heutigen Ukraine und wuchs in privilegierter Umgebung in der Nähe von St. Petersburg auf. „Ich aber wuchs in buntbestickter Stille / Im kühlen Kinderzimmer des Jahrhunderts”, dichtete sie Jahrzehnte später in dem Gedicht „Die Weide” über ihre Kindheit.

In Kiew studierte die junge Frau von 1907 bis 1910 Jura. Gegen den Willen ihres autoritären Vaters wurde sie Schriftstellerin und veröffentlichte 1912 ihren ersten Gedichtband „Abend” unter dem Pseudonym Achmatowa, der sie über Nacht zur gefeierten Dichterin Russlands machte. Doch schon kurz vor der russischen Revolution waren ihre Werke nicht mehr gefragt und wurden bis 1940 nicht veröffentlicht.

Schwere Schicksalsschläge trafen die Dichterin während der Stalinzeit: Ihr erster Mann, der Dichter Nikolai Gumiljow, dem sie seit ihrer Scheidung in Freundschaft verbunden war, wurde 1921 zum Tode verurteilt. Der gemeinsame Sohn Lew sowie ihr dritter Ehemann Punin wurden in den 30er Jahren mehrfach verhaftet.

Unter dem wachsenden Druck und der Angst um ihre Angehörigen schrieb Achmatowa Stalingedichte, was ihr später zum Vorwurf gemacht wurde. Erst nach Stalins Tod wurde die Dichterin rehabilitiert und fand auch über ihren Tod (1966) hinaus internationale Anerkennung.

Zeit ihres Lebens wurde Achmatowa zum Mythos verklärt, der sie unnahbar erscheinen und als Person nur schwer fassen lässt. Eine weitere Schwierigkeit stellen die Übersetzungen ihrer bildreichen Werke dar, die sich inhaltlich verändern, je nachdem, ob die Symbolik oder die Form als Schwerpunkt gesetzt wird.
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