Viele Karnevalsvereine fürchten Gebührenreform

Von: hfs.
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Ausblick auf die Session: „Di
Ausblick auf die Session: „Die Gitarre ist ohne Saiten, die Pauke nicht bespannt und ich treffe nie den richtigen Ton. Jetzt sagen Sie mal, wofür sie GEMA-Gebühren kassieren wollen.” Karikatur: Heinz Schwarze-Blanke

Jülich. Viele Vereine blicken mit Bangen auf ihre Veranstaltungspläne für das kommende Jahr. Grund: Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrecht (GEMA) will ihre Tarife ändern.

Das hat zur Folge, dass Veranstalter tiefer in die Tasche greifen müssen oder überlegen, komplett ihr Programm zu streichen, da die neuen Gebühren die Vereinsarbeit gefährden. Wie die der KG Maiblömche aus Lich-Steinstraß.

Für Geschäftsführer Jürgen Vent und seinen Stellvertreter Dirk Emunds ist klar: „Unsere bisherigen Aktivitäten können mit Umsetzung der neuen Gebührenstruktur nicht mehr durchgeführt werden.” Als ihnen die als „Tarifvereinfachung” angepriesene Mitteilung ins Haus flatterte, war das Entsetzen groß.

Der Taschenrechner zeigte an, was ab 2013 an die GEMA zu zahlen ist. „Für die Kindersitzung unserer Gesellschaft fielen bislang 578 Euro an. Nach den neuen Tarifen müssen wir ab 2013 825 Euro bezahlen. Das ist eine Steigerung von 42 Prozent”, ereifert sich Jürgen Vent.

Dem verschlug es die Sprache, als er die Gebühr für die Kostümsitzung ermittelte. Von bisher 841 würde der Satz auf sage und schreibe 4125 Euro (!) hochschnellen. „Das bedeutet eine Steigerung von 390 Prozent”, hatte Dirk Emunds schnell errechnet. Dabei soll die Tarifvereinfachung nach Angaben der GEMA eine Entlastung für kleinere Veranstaltungen bringen.

„Damit entsprechen wir dem Wunsch vieler unserer Kunden sowie der Politik und der Öffentlichkeit nach einfachen und transparenten Tarifstrukturen”, schreiben die Wächter der musikalischen Aufführungsrechte.

Perfektes Bespitzelungssystem

„Wir sind doch bisher nur abgezockt worden. Ich kenne keine Gesellschaft, die über so ein perfekt organisiertes Bespitzelungssystem verfügt wie die GEMA”, ereifert sich ein Vereinsvertreter, der namentlich nicht genannt sein möchte. Warum? „Übt man Kritik an der GEMA, wird künftig jede unserer Veranstaltungen, wird jedes unserer Plakate erfasst, akribisch überprüft und wir bekommen eine saftige Nachzahlung aufgebrummt, denn dann wird der Veranstaltungsraum auf den Quadratmeter genau ausgemessen.”

GEMA-Kontrolleure kommen unangemeldet in Unternehmen oder beispielsweise zu einer Hochzeitsgesellschaft, prüfen, ob Musik gespielt wird, für die Gebühren fällig sind. Ist das Abspielen nicht ordnungsgemäß angemeldet worden, wird die doppelte Gebühr fällig.

Dass das Abspielen von Musik gebührenpflichtig ist, darüber gibt es keine Diskussion. im Gegenteil: „Dafür haben wir Verständnis. Jeder Textdichter, Sänger oder Künstler hat das Recht an seinen Werken. Folglich muss dafür bezahlt werden”, sagt zum Beispiel Willi Sommer, Präsident der KG Fidele Brüder Tetz.

Selbstverständlich erhielten auch der Verein das Schreiben, das kommende Woche im Vorstand ausgiebig diskutiert wird. „Wenn künftig solche Gebühren bezahlt werden müssen, können wir unsere Veranstaltungen nicht mehr durchführen, dann ist es vorbei mit der Brauchtumspflege”, sagt Sommer. Der erinnert auch daran, dass zum Beispiel die Weihnachtsmärkte in der Region zuletzt nicht mehr beschallt wurden.

„Der Bund Deutscher Karneval wird alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um die Vereine zu schützen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Einzelheiten derzeit noch nicht veröffentlichungsreif sind”, reagierte Volker Wagner als Präsident des Dachverbandes von über 5000 Mitgliedsvereinen auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung. Doch auch der Verband ist alarmiert.

„Brauchtum steht auf dem Spiel”

So kann nachvollzogen werden, was die Geschäftsführer der KG Maiblömche äußern: „Die Pflege des fastnachtlichen Brauchtums in unserem Dorf und in unserer Region steht auf dem Spiel.” Mit der neuen Tarifstruktur würden, so Jürgen Vent, die eventuell erwirtschafteten Gewinne, die bisher den Vereinszwecken zugeführt werden, in die Kassen der GEMA gespült.

Vent: „Die GEMA wird zwar kurzfristig höhere Einnahmen erzielen, aber mittelfristig wird es einen Rückgang von Veranstaltungen und damit weniger Einnahmen geben, denn weniger Menschen werden sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren.”

So fordern die Maiblömche-Geschäftsführer die hiesigen Bundes- und Landtagsabgeordneten auf, sich dafür stark zu machen, dass die Tarifreform zurückgenommen wird. Sie verweisen auf ein einfaches, aber einleuchtendes Rechenbeispiel: Müssen die Lich-Steinstraßer Karnevalisten in diesem Jahr für alle Veranstaltungen noch etwa 5000 Euro Gebühren bezahlen, sind es ab 2013 über 11.000 Euro. Dazu fällt den Jecken nur noch der alte Karnevalsschlager von Jupp Schmitz ein: „Wer soll das bezahlen . . . ?”
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