Viele Flüchtlinge in Jülich, aber wenig Platz

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Der Wohncontainer in Güsten: Das Dach ist undicht, ein Raum ist unbewohnbar. Die Unterkunft kann nicht mehr repariert werden, es sei ein wirtschaftlicher Totalschaden, sagt Sozialamtsleiterin Doris Vogel. Derzeit leben hier 38 Menschen. Foto: Mengel-Driefert
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Einblick in den Wohnraum: Ein Asylbewerber teilt sich das enge Zimmer mit einer zweiten Person. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Misshandlungen in NRW-Flüchtlingsheimen haben Entsetzen ausgelöst. Unabhängig von den aktuellen Meldungen, jedoch zeitlich passend legte die Amtsleiterin des Jülicher Sozialamtes, Doris Vogel, in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Familie und Integration einen Situationsbericht über die Aufnahme und Unterbringung in Jülich vor.

Bis zum 10. September betreute das Sozialamt 203 Flüchtlinge. Allerdings sei diese Zahl schon wieder überholt, berichtet Doris Vogel. Fünf neue Flüchtlinge seien dazugekommen, drei weitere werden erwartet. Genügend Wohnraum müsse immer vorgehalten werden, denn die Ankunft erfolge in der Regel mit nur vier bis sechs Tagen Vorlauf.

Das sei eine schwierige Situation, findet Vogel und verdeutlicht: „Wir wissen nicht, wann und wie viele kommen.“ Die Zuteilung erfolge nach einer gesetzlich geregelten Formel. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Serbien/Kosovo und Syrien. Auch Serbien sei nicht sicher und schon gar nicht für Roma, informierte Vogel.

Das größte Problem bei der Aufnahme in Jülich sei die Wohnsituation. Derzeit befinden sich die Flüchtlinge in den Asylbewerberheimen Güsten und Selgersdorf sowie in angemieteten Wohnungen. Nach den rückläufigen Zahlen zwischen 2008 bis 2011 baute die Stadt Unterkünfte ab, heute fehlt der Wohnraum. „Wir haben meist zwei Familien in einer Wohnung untergebracht“, sagt Vogel. „Doch kann ich nicht jeden zu jedem legen.“

Berührungspunkte

Die Familien nutzen gemeinsam eine Küche und ein Bad, sind jedoch unterschiedlicher Herkunft, Religion und Sprache. Da können schnell Konflikte entstehen.

Im Asylbewerberheim Güsten sind einzelne Männer untergebracht, ein Zimmer ist unbewohnbar, das Dach ist undicht. Aufgrund von Traumatisierungen können einige nicht mit einer anderen Person zusammenwohnen. Auch die Unterkunft in Selgersdorf befindet sich in einem desolaten Zustand. Das komplette Obergeschoss ist aus Brandschutzgründen geschlossen.

Zum Ausgleich werden Wohnungen beim städtischen Immobilienmanagement und der Firma Rheinbau angemietet. Der freie Wohnungsmarkt sei dicht. Nun werde mit Nachdruck nach weiteren Möglichkeiten gesucht.

In Betracht gezogen wird eine Containerlösung am Sportplatz in Mersch. Marco Johnen (CDU) stellte die Frage, ob in der Flüchtlingsbetreuung ein privater Anbieter involviert sei und bezog sich auf die schrecklichen Meldungen der letzten Tage. Das verneinte Doris Vogel und sagte: „Wir machen alles selber.“

Eine städtische Sozialbetreuerin, Ersatz für einen kürzlich verstorbenen Mitarbeiter, soll in Kürze eingestellt werden.

Viele wollen arbeiten...

Marco Maria Emunds (SPD) interessierte, ob es eine Möglichkeit gebe, die Männer geregelt zu beschäftigen, obwohl sie keine Arbeitserlaubnis erhalten. „Einige Männer arbeiten bei Bauern“, antwortete Vogel, „den ganzen Tag für 400 Euro. Das wird ihnen anschließend von den Leistungen abgezogen“.

Die Amtsleiterin betonte, dass viele Flüchtlinge etwas tun wollen und im Brückenkopf-Park oder der Tafel mitarbeiteten für 1,05 Euro die Stunde.

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