Viele Besucher beim 20. Tag der Archäologie in Höllen

Von: ptj
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Die Handwerksdemonstrationen in der eisenzeitlichen Anlage waren wieder sehr beliebt. Foto: Jagodzinska

Höllen. In die Geschichte ihrer Vorfahren tauchten rund 1700 Besucher aus Nah und Fern ein beim 20. „Tag der Archäologie“ in der Außenstelle Höllen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege. Die Kleinsten gruben dort nach vermeintlichen Schätzen in einem speziell für sie präparierten Feld und töpferten Behältnisse unter fachlicher Anleitung.

Sie ordneten am Stand des LVR-Kulturhauses Landsynagoge mit anschaulichen Plastiksymbolen koscherere Speisen einander zu oder spielten Memor, das jüdische Memory.

Erwachsene und einige Familien brachen mit den Pendelbussen auf zur aktuellen Grabung einer römischen Siedlung mit gut erhaltenen römischen Kammergräbern und Tonfunden an der Abbaukante im Tagebau Inden. Mit dabei war As-trid Oettgen aus Aachen, die die Grabungsstätte zunächst nicht so spektakulär fand. Aber „durch die Ausführungen der Fachleute wurde das richtig spannend“, betonte sie.

In der Außenstelle lockte besonders die Ausstellung archäologischer Funde: Hubert Rütten war mit insgesamt 60 Leuten vom „Heimatverein Erkelenzer Lande“ angereist, „weil hier Funde aus (dem Herrenhaus) Pesch gezeigt werden“. Das umfangreiche Spektrum der Funde von Keramik, Glas, Metall sowie Knochen, Holz und Leder vervollständigen nunmehr das Bild der Jülicher Ritterschaft im 15. und 16. Jahrhundert. Auch soziale Abstufungen unter den Burgbewohnern zeichnen sich ab.

Viele interessierte Blicke zog die 14 000 bis 15 000 Jahre alte Magdalenién-Schiefertafel mit unterschiedlichen Linienmustern und -gruppen aus Schophoven auf sich, die vermutlich in direktem Zusammenhang mit der eiszeitlichen Rentierjagd stand. Zu den zahlreichen Präsentations- und Informationsständen zählten die „archäologische Fundgattung Holz“ oder das Handwerk auf der Burg Königshoven. Unter anderen wurden die Königshovener „Luxus-Schuhformen“ mit seitlichem Verschluss und Knöpfen thematisiert.

Um Mode ging es nach zweijähriger Pause auch wieder in der eisenzeitlichen Anlage. Angharad Beyer aus dem ehemaligen Aachener Interpretationsduo „rete amicorum“ befasste sich auf vielfachen Zuschauerwunsch erneut mit dem „textum historiae“, dem „Gewebe der Geschichte“. Sie ließ interessierte Zuschauer in die Kleider ihrer Vorfahren schlüpfen, von der ausgehenden Bronzezeit 1000 v. Chr. bis in die Römerzeit. Da die Ahnen sich „in den Stoffen bewegen und sich vor Kälte schützen mussten“, verstand man damals unter dem Begriff „figurfreundlich“ etwas anderes als heute. Ein „Beutelpo“ garantierte etwa das bequeme Sitzen auf dem Pferd oder das Beackern der Erde.

Vom Kelten bis zum Römer wurde die Kleidung durchweg aus viereckigen Stücken Stoff vom Webstuhl „kreiert“. Dabei galt das Motto „Leinen drunter, Wolle drüber“, was in ihrer Wirkung etwa der Funktionswäsche von heute entspricht. Erst nach Beyers „Sprung um die Zeitenwende nach Mainz“ änderte sich die Mode grundsätzlich. Als Vorbild nannte die Historikerin den reichen keltischen Schiffer „Blussus“ und seine Frau „Menimane“, abgebildet auf einem Grabdenkmal. Er trug die gallo-römische Tunika mit Wadenstulpen, Schal und Kukulle, dem „Vorbild für die Mönchskapuze“.

Sie legte den weißen Leinenrock und die passende Bluse an und wurde statt des antiken Peplos in kostbares Tuch gehüllt, das mit Fibeln kreuzweise über dem Körper befestigt wurde. Letztes Präsentationsbeispiel war ein Römerpaar. Er legte die gegürtete Senatoren-Tunika mit Purpurstreifen an. Sie wurde aufwändig als reiche (verheiratete) Matrone mit der römischen Stola und der Palla bekleidet, von der man bis auf das Gesicht nichts mehr sieht, wenn sie auf die Straße geht“. Denn „Spinnen, Weben und Söhne gebären war das einzige, was ein reicher Römer von seiner Frau erwarten konnte“. Dazu passte die in der „Taberna“ angebotene römische Mahlzeit aus Brot, Gewürzwein und „Bvbvlam con porris, pirvm, cepis“ – Rindfleisch mit Lauch, Birnen und Zwiebeln.

Bild von Arbeit der Archäologen

Zu den Alternativangeboten zählte einmal mehr die Pizza aus dem Lehmkuppelofen. Handwerksdemonstrationen am Kohlenfeuer und in der antiken Schmiede rundeten das breitflächige Bild von der Lebensweise der Vorfahren und der Arbeit der Archäologen ab. Erstmals waren Vertreter des „Lanu-Projektes“ des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Uni Köln in Höllen vertreten, die ein für Archäologen höchst profitables Geomagnetikgerät präsentierten. Es befasst sich mit dem natürlichen Erdmagnetfeld oder der Wirkung technisch produzierter Magnetfelder auf der Erdkruste.

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