Radarfallen Blitzen Freisteller

Verständnisvolle Temposünder beim Blitzmarathon

Von: Antonius Wolters
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Temposünder an der Ecke Alte
Temposünder an der Ecke Alte Reichsstraße/Patterner Gasse in Mersch im Visier: Wie hier brachten Beamte der Kreispolizeibehörde an insgesamt 40 Stellen Radarpistolen in Anschlag. Foto: Wolters

Mersch. Ein Temposünder wirkte am Dienstagvormittag beinahe vergnügt, nachdem ihn ein Ordnungshüter herausgewunken hatte: „Zu Hause wäre es erheblich teurer geworden”, sagte der Niederländer, der mit seinem SUV auf der Alten Reichsstraße in Mersch zu flott durch die Tempo 30-Zone gebraust war und darob zur Kasse gebeten wurde.

„Wir haben bislang nur verständnisvolle Reaktionen erhalten”, bestätigt Polizeioberrat Norbert Latuske, dass sich die Verkehrsteilnehmer durchaus auf den zweiten Teil des landesweiten Blitzmarathons eingestellt haben. Entsprechend moderat waren in der Regel die Geschwindigkeiten, die gefahren wurden und eher selten Verstöße, die geahndet werden mussten.

Wem trotzdem der Gasfuß ausgerutscht war, entschuldigte das mit Aussagen wie „ich habe geträumt” oder „Schild nicht gesehen”, was auch besagtem SUV-Fahrer zum Verhängnis wurde.

„Das Ziel ist es, die Bürger für das Thema Geschwindigkeit zu sensibilisieren, nicht in Raubrittermanier höhere Einnahmen zu generieren”, hofft Landrat Wolfgang Spelthahn als Leiter der Kreispolizeibehörde, dass der Blitzmarathon II dazu beiträgt, die Verkehrteilnehmer zu einer langsamereren und insgesamt sichereren Fahrweise zu animieren - und zwar nicht nur an solch einem speziellen Tag, an dem die Tempomessungen quasi mit Vorwarnung erfolgen. Spelthahn: „Eingebremstes Tempo kann Leben retten.”

Die Ordnungshüter überschreiben ihre Aktion mit einem griffigen Satz: „Weniger Opfer sind unser Erfolg - nicht mehr Knöllchen!” Das beim Marathon eingenommene Geld fließt übrigens direkt in die klamme Landeskasse.

Die Kreispolizeibehörde hatte in jeder Schicht 30 bis 40 Leute mit Radaranlagen und -pistolen ausgerüstert, die von Dienstag 6 bis Mittwoch 6 Uhr zwischen insgesamt 40 Geschwindigkeitsmessstellen pendelten, die über das gesamte Kreisgebiet verteilt sind.

Um die Bürgerschaft bei der Auswahl der Messstellen einzubinden, war diese aufgerufen worden, die Polizei auf so genannte „Wutpunkte” aufmerksam zu machen. Einer davon ist die Alte Reichsstraße in Mersch, die eine Anwohnerin der langgezogenen Ortsdurchfahrt vorgeschlagen hatte.

Polizeipräsenz gefordert

Die Verkehrssituation auf der Alten Reichsstraße erhitzt nämlich schon länger die Gemüter. So ist bei Versammlungen und an Runden Tischen wiederholt die Einführung einer Tempo 30-Zone für die gesamte Ortsdurchfahrt gefordert worden nebst regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen der Polizei, die diesem Wunsch zum Erstaunen manches Merscher Bürgers am Dienstag nachgekommen ist.

Die „Messpatin” ist eine von 190 Bewohnern aus dem Kreisgebiet, die sich per Telefon oder E-Mail bei der Behörde gemeldet hatten. 14 vorgeschlagene Kontrollpunkte wurden wie der in Mersch in den Blitzmarathon II aufgenommen, weitere sollen noch in das bestehende Konzept zur Verkehrsüberwachung und Unfallbekämpfung eingearbeitet werden. Sie werden zudem einfließen in die späteren Messkampagnen im Rahmen der Aktion „Bremse Dich - rette Leben”.

Polizei-Pressesprecher Willi Jörres übermittelte am Nachmittag eine erste Zwischenbilanz zum Blitzmarathon II: Bis 14 Uhr wurden 1550 Fahrzeuge gemessen. Dabei wurden 47 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.

Traurige Rekorde waren bis dahin innerhalb geschlossener Ortschaften 77 km/h, wo Tempo 50 erlaubt war, und 48 km/h in der Tempo 30-Zone.

Außerhalb geschlossener Ortschaften ermittelte die Polizei als höchste Geschwindigkeiten 92 kim/h in einer Tempo 70-Zone und 75 km/h, wo nur 50 erlaubt waren.

Auf der Alten Reichsstraße packten die Polizeibeamten nach gut einer Stunde ihre Gerätschaften wieder ein, kehrten aber am Abend für eine weitere Tempomessung zurück.
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