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„Veggieday“: Großes Angebot in Jülich

Von: ptj
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Kochen ohne Knochen: Eine raffinierte Zucchini-Röllchen-Kombination auf Reis. Foto: Jagodzinska
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Auch die Sekundarschule in Jülich bietet ein vegetarisches Auswahlmenü an, im vergangenen Schuljahr gab es etwa „Gemüsegulasch mit Kartoffeln“. Foto: Jagodzinska
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Sie genießt im „La Strada“ vegetarische Speisen. Foto: Jagodzinska

Jülicher Land. „Seit geraumer Zeit esse ich weder Wurst noch Fleisch. Ein Veggieday tut dem Körper gut, mehrere der Seele. Aber, es sollte auf freiwilliger Basis geschehen. Nichts Gutes lässt sich erzwingen“, sagt FH-Campussprecherin Professor Angelika Merschenz-Quack zu dem von den Grünen vorgeschlagenen „Veggieday“.

Was die Freiwilligkeit betrifft, ist sie einer Meinung mit den kaufmännischen Direktoren Jann Habbinga, St. Josef-Krankenhaus Linnich, und Dirk Offermann, St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich: „Wir werden keinen Veggie-Tag in den beiden Krankenhäusern einführen. Sowohl in Jülich als auch in Linnich gibt es jeden Tag ein vegetarisches Essen zur Auswahl. Wir sind der Ansicht, jeder sollte frei entscheiden, was er tut und konsumiert. Wir legen Wert auf Vielfalt und möchten die Patienten nicht bevormunden“, sind sie sich einig.

„Das Forschungszentrum hält in seinem Seecasino schon seit den 90er Jahren Angebote für die Vegetarierinnen und Vegetarier unter seinen Beschäftigten bereit. Mittlerweile gibt es jeden Tag zwei vegetarische Gerichte, viele vegetarische Komponenten, die man selbst kombinieren kann, und eine große Salatbar. In einem internen Online-Forum wird gegenwärtig unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diskutiert, ob und wie dieses Angebot ausgeweitet werden sollte. Ein Ergebnis gibt es da noch nicht, die Dinge sind, wie gesagt, in der Diskussion“, sagt Dr. Anne Rother, Leiterin Unternehmenskommunikation im FZJ.

Auch für Henry Ouma, Filialleiter des Burger King, ist der Veggieday „natürlich ein Begriff. Bei uns hat der Kunde jeden Tag die Wahl, sich aus dem Angebot den vegetarischen Country Burger oder den Veggie Whopper auszusuchen. Die Nachfrage danach ist in letzter Zeit ganz deutlich gestiegen“, beschreibt er die Tendenz.

Mit ihrer Forderung nach einem vollkommen fleischlosen Tag pro Woche in deutschen Kantinen zugunsten des Tier- und Klimaschutzes sind die Grünen heftig ins Mündungsfeuer geraten. Die einen reden von Bevormundung, von „grüner Umerziehung“ und spotten, für andere ist es ein Schritt in die richtige Richtung, wieder anderen geht es nicht schnell genug.

Im belgischen Gent gibt es bereits seit Oktober 2009 donnerstags einen fleischlosen Tag, der mit einer mobilen Suppenküche auf dem Marktplatz an den Start ging. Initiator war der stellvertretende Bürgermeister Tom Balthazar. Inzwischen gibt es in allen städtischen Kantinen und Schulen donnerstags ein vegetarisches Hauptgericht. Mit im Boot sitzt die Vegetarierorganisation „Ethisch Vegetarisch Alternativ“ (EVA). Sogar Gents Gourmet-Tempel unterstützen das Projekt, das sich wachsender Beliebtheit erfreut, weil die Speisen lecker und reichhaltig sind.

Nach Angaben von Sebastian Zösch, Geschäftsführer des Vegetarierbundes Deutschlands (Vebu) werden allein in Deutschland jährlich 1,1 Milliarden Tiere gegessen. Die Stadt Gent hatte berechnet, dass der Kohlendioxid-Gegenwert von 18.000 Autos vermieden werden kann, wenn alle 240.000 Einwohner an einem Tag der Woche auf Fleisch verzichten. Damit verringere sich das produzierte Treibhausgas um 32.130 Tonnen Kohlendioxid.

Ein Jahr später führte die Stadt Bremen nach dem Vorbild Gents den „Veggieday“ ein. Auch im Jülicher Land wäre ein Veggieday problemlos durchführbar, weil die meisten Kantinen und Restaurants ohnehin vegetarische Gerichte auf der Speisekarte haben. Sieben Millionen Vegetarier in Deutschland sind ein (verkaufs-)starkes Argument.

Eine Vorreiterrolle spielt allerdings die Fachhochschule, deren Mensa ab der nächsten Woche nach der Sommerpause wieder öffnet: Zunächst findet sich auf der wöchentlich wechselnden Speisekarte der FH täglich neben Fleisch- und Fischspeisen auch ein vegetarisches Gericht an Theke 1. Etwa der Chilibratling mit Barbecuesoße und Lyoner Kartoffeln oder Risi Bisi mit Prinzessbohnen oder Salat oder die vegetarische Frühlingsrolle mit süß-saurer Soße mit Pommes frites oder Reis, Blumenkohl oder Salat.

Seit dem Besuch von Björn Moschinski, Chef des veganen Berliner Restaurants „Kopps“, als ­Cooking Coach zählt ein bis zweimal die Woche zudem ein als vegan ausgezeichnetes Gericht dazu. Etwa Nudelsalat „mediterran“ mit Paprika, Tomaten, Gurken, schwarzen Oliven und Olivenöl, dazu Pommes frites oder Spätzle mit Paprikagemüse oder Salat. Das Konsumverhalten der Bürger verändert sich ganz offensichtlich, langsam aber stetig. Die Frage ist, sind Direktiven von staatlicher Seite hilfreich, oder wäre eine vorgeschriebene Bewusstseinsveränderung eher kontraproduktiv? Ist ein freiwilliger Veggieday zum Ausprobieren eine Alternative? Abgestimmt wird schließlich mit den Füßen.

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