Jülich - Unmoralische Story: „Macheath“ verführt auch das Publikum

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Unmoralische Story: „Macheath“ verführt auch das Publikum

Von: ptj
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Soll Macheath (Bühnenmitte) nun gehängt werden oder nicht? Lockit (Wolfgang Schulz) befragt das Publikum im Kulturbahnhof. Foto: Jagodzinska

Jülich. Einen höchst vergnüglichen Premierenabend erlebten die Zuschauer im voll besetzten Saal des Kulturbahnhof. Die Gesellschaft Frohsinn Stetternich brachte die Farce „Macheath – zwischen Pettycoat und Galgenstrick“ von Ingo Sax auf die Bühne, eine leicht überspitzte ­Adaption von „The Beggar‘s Opera“ von John Gay.

Das Stück war schon vor etwa fünf Jahren ein Vorhaben der Gesellschaft, scheiterte jedoch zunächst am Aufwand, vor allem an der Besetzung der Rollen mit il­lustren Charakteren aus vielen Altersgruppen. Regisseurin Angelika Ponten-Drzewiecki gelang schließlich die bunte und lebendige Umsetzung in sieben Szenen, in der überzeugende Akteure viel Spielfreude zeigten.

„Macheath“ passte bestens ins Kuba-Ambiente, das von Anfang an als Aufführungsort eingeplant war. Für das musikalische Sahnehäubchen sorgte der flotte vierstimmige Männergesang einer „reaktivierten“ Gruppe der früheren „Chapeaux Claques“ zuzüglich einiger eigens dafür gewonnener Gäste, am Klavier begleitet von Inge Duwe.

Interpretiert wurde unter anderem die zweiteilige „Morität von Mackie Messer“ aus der Dreigroschenoper. Diese Liedtexte informierten bereits vorab über Details der Handlung: „..und Macheath, der hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht“, hieß es unter anderem. Weitere Lieder wie das vom Fremdgehen oder vom Abschied wurden angestimmt.

Diebe, Hehler und korrupte Amtspersonen stehen im Mittelpunkt des komödiantischen und kraftvollen Stücks, das in London im 18. Jahrhundert spielt, einer Zeit der Unmoral und des Verbrechens. Richter Mr. Peachum (Bert Voiss) kontrolliert als Hehler und Kopfgeldjäger ganz London, vor allem die dunkle Seite der Stadt. „Der Henker muss auch leben, er wird pro Stück bezahlt“ ist seine Meinung, er weiß aber auch: „Am Tod einer Frau verdient man nichts, es sei denn, es ist die eigene.“

Er und seine Frau (Lilo Knabel-Biener) sind entsetzt, als sie erfahren, dass Tochter Polly (Hannah Biener), ihr größtes Kapital, den Straßenräuber und Frauenheld Macheath (Sascha Massmann) geheiratet hat. „Wir Menschen sind zur Ehe nicht geboren“, singt das Begleitensemble eindringlich, mit sichtlich viel Spaß. Besonders geschockt sind die Peachums, dass Polly ihren Angetrauten liebt und an ihn glaubt. Sie wollen Macheath am Galgen sehen.

Polly will ihn retten, ihr Mann lässt sich aber in der Kneipe bei den Dieben und Huren sehen, prompt verrät ihn eine von ihnen für 40 Pfund. Macheath landet bei Gefängnisdirektor Lockit (Wolfgang Schulz, der als Schauspieler und Sänger brilliert) im Knast. Augenscheinlich ist dessen Tochter Lucy (Seda Demirok) von ihm schwanger. Macheath steht nun zwischen seiner Angetrauten und seiner Verflossenen, doch wieder gelingt ihm die Verführungskunst, Lucy lässt ihn frei. Mit viel Tumult treffen alle schließlich in der Kneipe zusammen, hegen Mordgelüste und bedrohen sich gegenseitig mit Pistolen. Versehentlich wird der Falsche vergiftet und fällt tot zu Boden.

Bordellmutter Miss Diana (Petra Vallentin-Schwarz), die Macheath versteckt hatte und über jede Menge Macht verfügt, setzt sich für ihn ein. Macheath besteht aber darauf, gehängt zu werden, er will als tragischer Held in die Geschichte eingehen. Nun ist die gesamte Sippschaft auf einmal nicht mehr für das Todesurteil, sogar das Publikum wird befragt.

Macheath wird nicht gehängt, aber bleibt natürlich trotzdem unvergessen beim absolut begeisterten und wild ­applaudierenden Publikum.

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