Umweg über die Landstraße lässt die Speditionskasse klingeln

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
landraser-bu
Ortsvorsteher Norbert Schiffer, Beigeordneter Jürgen Frantzen, und die Anwohnerinnen Ingeborg Skirde sowie Käthe Baumann (v.l.) beobachten mit Sorge den zunehmenden Schwerlastverkehr und die Raserei auf der Titzer „Landstraße”. Sie fordern neue Verkehrsregelungen. Foto: hfs.

Titz. Brummifahrer Nobby fährt für eine große Düsseldorfer Spedition. Jeden Morgen macht er sich auf den Weg nach Aachen. Seit Monaten aber nicht auf dem direkten Weg. „Anweisung vom Chef”, sagt Nobby, als er auf der Landstraße in Titz kurz anhält und an einem Kiosk Zigaretten holt. Dort fährt er täglich zweimal vorbei, wie viele andere Laster auch.

Zum Ärgernis von Käthe Baumann und Ingeborg Skirde sowie allen anderen Anwohnern der Landstraße.

Auf der Titzer Durchgangsstraße ist morgens um 6 die Welt nicht mehr in Ordnung. „Ab diesem Zweitpunkt kann man nicht mehr schlafen, denn dann setzt der Schwerlastverkehr ein. Hinzu kommt die Raserei der Autofahrer.”

Käthe Baumann ist genervt. Sie wohnt, wie Ingeborg Skirde, direkt an der Landstraße. Die ehemalige B1 diente in früheren Zeiten als direkte Linie zwischen den Städten Aachen und Düsseldorf. „Da hatte sie noch ihre Berechtigung. Aber mit der Inbetriebnahme der Autobahn 44 hat sie diese Berechtigung verloren.”

Der Titzer Beigeordnete Jürgen Frantzen steht am Ortseingangsschild von Jackerath kommend mit den beiden Frauen an der Landstraße. Innerhalb weniger Minuten rauschen fünf Lkw vorbei. Ein einziger davon trägt das Kennzeichen des Kreises Düren. NE, BM, K und AC lauten die anderen Beschilderungen.

„Es ist eindeutig, die fahren vor dem Jackerather Kreuz von der Autobahn, umgehen somit die Mautstelle, fahren dann auf der Anschlussstelle Titz wieder in Richtung Aachen auf”, sagt Frantzen.

Die Mautstelle ist es, die seit Monaten dafür sorgt, dass die Titzer Landstraße als Autobahn-Zubringer für die A44 genutzt wird. „Mein Chef spart viel Geld”, lacht Nobby, schwingt sich wieder in seinen 40 Tonner und rauscht Richtung Titzer Kreisverkehr, um dann nach Rechts abzubiegen. „Schließlich muss ich ja nach Aachen.”

Diese Umfahrung kostet ihn Zeit, dem Chef bringt sie bare Münze. Denn findige Spediteure haben errechnet, dass durch die Umfahrung der Maut-stelle jedes Jahr für ein einziges Fahrzeug Gebühren von rund 10.000 Euro eingespart werden. „Da lohnt sich doch der Schlenker über unsere Landstraße”, meint Frantzen, kann den Ärger der Anwohner verstehen.

Und will nun, zusammen mit Ortsvorsteher Norbert Schiffer, ebenfalls beim Ortstermin dabei, Abhilfe schaffen. „Wir versuchen, zum einen die Lastkraftwagen von dieser Straße zu verbannen”, sagt Schiffer. Durchfahrts-Verbote für den Schwerlastverkehr, ja dies wäre ideal. „Aber wir könnten uns auch vorstellen, dass einige künstliche Verkehrsinseln schon den Verkehrsfluss beeinträchtigen.”

Aber es ist nicht nur der stetig zunehmende Schwerlastverkehr, sondern auch die Raserei der Autofahrer, die die Anwohner nervt. „Die Straße lädt geradezu zum Schnellfahren ein”, bemerkt Ingeborg Skirde. Und schon rauscht ein Pkw von Jackerath kommend an der Gruppe vorbei, bremst erst oben auf der kleinen Bergkuppe kurz ab, die dem Fahrer freie Sicht in Richtung der Ortschaft gibt.

Schnurgerade führt die Landstraße durch Titz, auf einer Strecke von rund 1,2 Kilometer wird Gas gegeben. Aber nicht die erlaubten 50 Stundenkilometer. Von zehn Autos fahren neun viel zu schnell wie Messungen ergeben haben. Über 100 Unterschriften der Anwohner haben Baumann und Skirde gesammelt, in der Titzer Verwaltung abgegeben.

„Wir haben uns sofort der Angelegenheit angenommen”, sagt Frantzen, berichtet von Gesprächen, die mit der Polizei, dem Straßenbetrieb NRW und dem Straßenverkehrsamt Düren geführt wurden. Erste Maßnahmen laufen jetzt an. Obwohl Ferien sind, sich der Verkehr, auch nach Aussagen der Anwohner, dadurch verringert, werden von der Polizei Messungen vorgenommen.

„Es wird zuerst eine Bestandsaufnahme gemacht”, umschreibt Jürgen Frantzen das Vorgehen. Danach sollen Änderungen - zum Beispiel mehrere großflächig auf die Fahrbahn gemalte 50. Beschriftungen - vorgenommen werden. Inwieweit man die Lastwagen von der Landstraße bekommt, darüber müssen noch Gespräche geführt werden.

„Aber es muss jetzt etwas passieren, bevor es zu schlimmeren Unfällen kommt”, sagt Ingeborg Skirde. Denn Schrecksekunden, zum Beispiel beim Ausfahren aus den Hauseinfahrten, haben sie und viele andere schon genug gehabt. Da sind dreimal abgefahrene Außenspiegel an ihrem geparkten Auto vor der Haustür - Verursacher immer unbekannt - ein hinnehmbares kleines Ärgernis.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert