Ultraleichtflieger in Boslar liegen im Verborgenen

Von: tm
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Nach „grenzenloser Freiheit“ ein Dach über dem Propeller: die Flugmaschinen in der Halle der Boslarer Ultraleicht-Clubs. Foto: Mauer

Boslar. Ein Hinweisschild wird der Besucher vergeblich suchen, den Weg muss man schon kennen oder bei Ortsansässigen erfragen. Erst oben, mitten auf dem Acker, liegt der Flughafen des Ultraleichtflug-Club Linnich – ein kleiner und feiner Verein.

Die Betriebserlaubnis erhielten seine Begründer Jakob Lingen und Heinz Hugo Pickarts im September 1994, der 20. Geburtstag steht nun an. Damals standen wenige Maschinen am Ende einer Startbahn, eingepackt bei Wind und Wetter. Kaum 200 Starts pro Jahr sorgten dafür, dass der Verein klein blieb.

Über die Jahre nahm der Flugverkehr noch weiter ab. Im Jahre 2000 führte ein Rechtsstreit beinahe zum Aus des Vereins. Doch der Politiker, der gerne jeglichen Flugverkehr in Boslar verhindert hätte, unterlag wegen gefälschter Bildbeweise. Danach konnte endlich mit dem Bau einer Halle begonnen werden, die ein Landwirt dann an den Verein vermietete. Die Einweihung 2003 bedeutete für die Flugzeuge ein festes Dach über dem Kopf und für den Verein eine Perspektive für seine Entwicklung.

Das gilt auch, obwohl Teile der Halle mit landwirtschaftlichem Gerät belegt sind.

Die provisorische Betriebserlaubnis wurde abgelöst durch eine Zulassung als Sonderlandeplatz. Der UL-Verein muss wegen seiner Nähe zum Militärstützpunkt Geilenkirchen jedoch zahlreiche Einschränkungen hinnehmen. Die Flughöhe ist begrenzt, und eigentlich muss jeder Start bei der NATO angemeldet werden. Die guten Beziehungen zwischen den Boslarern und den Militärs haben den bürokratischen Akt inzwischen jedoch überflüssig gemacht. Dennoch legen die UL-Flieger wenig Wert auf Publicity.

„Wir könnten durchaus noch mehr Anmeldungen haben“, bekräftigte der 2. Vorsitzende Axel Schneider. Der gelernte Pilot, der in Lichtenstein aufgewachsen ist, kam über berufliche Umwege nach Viersen und suchte einen Platz für seinen Fieseler Storch. In Boslar fand er eine fliegerische Heimat, seine Frau trägt als Geschäftsführerin zur weiteren Verbindung bei.

„Ich fliege seit 1961 und habe so ziemlich alles ausprobiert“, gesteht der fitte Rentner mit Selbstbewusstsein.

Als Mitglied im Vorstand regte er bei Auseinandersetzungen immer den Weg der Kompromissbereitschaft an. Als der geplante Bau eines Windparks für Zündstoff sorgte, waren die verantwortlichen Behörden auf Initiative der UL-Flieger zusammen gekommen. Überraschend herrschte bei allen eine so große Kompromissbereitschaft, dass das Experiment eines Windparks in der Nähe eines Flugplatzes Zustimmung fand.

In Boslar herrscht bei den Ultraleichtfliegern Gelassenheit. Wichtig sind hier eher die Windverhältnisse, die immer wieder mal drehen.

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