Opherten - Übergangswohnheim wird Teil der Baugruppe „Marktplatz Rheinland“

Übergangswohnheim wird Teil der Baugruppe „Marktplatz Rheinland“

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
5060158.jpg
Der Abbau des Original-Asyl-Containers in Opherten beginnt. Foto: Jagodzinska
5050026.jpg
Sogar die Möbel des letzten Bewohners werden mit ins Freilichmuseum überführt. Foto: Jagodzinska

Opherten. „Ihr habt doch noch diese alten Container...!“ So begann ein Anruf des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) bei der Gemeinde Titz. Hintergrund der etwas seltsam anmutenden Anfrage ist der Umstand, dass der LVR im Freilichtmuseum Kommern die neue Baugruppe „Marktplatz Rheinland“ errichten wird.

Sie wird sich thematisch der Darstellung kleinstädtisch-ländlichen Lebens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmen und somit zeitlich an die Dauerausstellung „Wir Rheinländer“ anknüpfen.

Der als Übergangswohnheim gedachte Original-Container mit rund 100 Quadratmetern Raumfläche in der Titzer Straße in Opherten neben der Feuerwehr wird zurzeit abgebaut. Er soll in Kommern als Teil der jüngeren Migrationsgeschichte gewissermaßen einen Sonderstatus erhalten. Für den Landschaftsverband ist er ein so wichtiges Zeitdokument, dass der Kommunalverband sogar die Möbel des letzten Asylbewerbers kaufte, um die blecherne Übergangswohneinheit in unverfälschtem Zustand in Kommern auszustellen. Kooperationspartner des LVR-Freilichtmuseums ist die Abteilung Volkskunde im LVR-Institut für Landeskunde, die den Prozess filmisch begleitet.

Zur Geschichte: Drei Containeranlagen wurden 1992 in Titz aufgestellt, zunächst von der Jülicher Firma Wurzel Baugesellschaft gemietet und im Mai 2002 von der Gemeinde übernommen: Eine Anlage mit einer theoretischen Kapazität von 20 Plätzen ist in der Bungsstraße in Titz noch erhalten, aber nicht mehr bewohnt. Alle ehemaligen Titzer Asylbewerber sind im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit inzwischen in gemauerten Gebäuden im Linnicher Stadtgebiet untergebracht.

Warum wurde die ehemalige Flüchtlingsunterkunft in Opherten überhaupt nach 20 Jahren aufgegeben? Auf diese Frage des LVR hatte der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen eine nachvollziehbare Antwort: Weil sich der Zustand des Containers trotz immer aufwändigerer Instandhaltung zunehmend verschlechterte, war die „perspektivisch menschenwürdige Unterbringung nicht mehr gewährleistet“. Wissen wollte der Landschaftsverband auch, ob es Kommunikation, vielleicht sogar Integration zwischen den Asylbewerbern und den Menschen aus Opherten gegeben habe. „Ich glaube, es fand eher ein Nebeneinander als ein Miteinander statt“, mutmaßte Frantzen. Aber: „Ein politisch Verfolgter wird es hier bestimmt ganz gut gefunden haben“, führte er den Gedanken weiter aus.

Auf die Veränderung in den letzten Jahren angesprochen, stellte der Bürgermeister nach der Entspannung des Flüchtlingszustroms Ende der 1990-er Jahre nun wieder einen plötzlich stärkeren Flüchtlingsstrom fest, was Kommunen vor „große organisatorische, logistische und finanzielle Schwierigkeiten“ stelle. Nach Abbau des Containers werde die Fläche selbst nicht mehr bebaut, sondern naturnah belassen. Die Aufgabe, Flüchtlinge unterzubringen, bezeichnete Frantzen als eine „anspruchsvolle und sozial wichtige und verantwortungsvolle gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Interessant war auch ein Gespräch mit Philipp Renker vom benachbarten Capitelshof. Der 23-Jährige habe nie ein Problem mit den Asylbewerbern gehabt. Sie seien alle ganz nett gewesen, und zufrieden mit ihrer Unterbringung im Blechcontainer mit Außentoilette und -dusche. Der letzte Bewohner, ein Flüchtling mit Vornamen Abbas aus dem Irak, schätzte Renker sogar so ein, dass er gerne den Rest seines Lebens im Container an der Titzer Straße verbracht hätte.

Ein einprägsames Erlebnis war für den jungen Mann allerdings der Mord vor mehr als zehn Jahren: Ein Asylbewerber hatte einem anderen aus Eifersucht die Kehle durchgeschnitten.

Weitere Mitarbeiter der Gemeinde in Asylfragen, darunter der Beigeordnete Christian Canzler und die inzwischen im Ruhestand befindliche Annemie Hermanns, wurden vom Landschaftsverband ebenso zum Interview gebeten wie Anwohner und die Feuerwehr, die im Übrigen beim Abbau kräftig Hand anlegt.

Bisher ist die Gemeinde Titz in der Baugruppe Niederrhein des Freilichtmuseums Kommern mit der Bockwindmühle aus Spiel und einer Scheune aus Opherten vertreten. Zukünftig wird ein dritter, diesmal blecherner Zeitzeuge aus der Landgemeinde in Mechernich-Kommern Titzer Geschichte lebendig werden lassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert