Titzer „Schnäppchen-Umzug” entpuppt sich als Alptraum

Von: hfs.
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Umzugshelfer
Ein Umzug ist immer nervenaufreibend, wenn das gesamte Hab und Gut auf die Reise geht. Die Erlebnisse einer Familie aus Titz aber gehen über die übliche Aufregung weit hinaus. Foto: imago/HRSchulz

Titz. Diesen Umzug werden die Eheleute Huppertz aus Titz ihr Leben lang nicht vergessen. Der Schnäppchen-Preis für den Möbeltransport entwickelte sich zum Alptraum. Ehe die Möbel in den neuen Räumen standen, war Stress pur angesagt und sogar von Erpressung und Nötigung die Rede.

Am Ende ist man immer schlauer. Diese Aussage kam Beate Huppertz in den Sinn, als sie das Geschehene einigermaßen verarbeitet hatte. „Aber ich möchte, dass die Geschichte publik wird, sozusagen als Warnung für andere, aber besonders für ältere Leute. Gerade die dürften am Ende ganz schlechte Karten haben”, sagt die Titzerin, für die der „Schnäppchen”-Umzug so vielversprechend anfing. „In einer Annonce stießen wir auf ein Umzugsunternehmen mit Sitz in Mülheim und Zweigstelle in Eschweiler.” Die Konditionen für die Eheleute - man zog innerhalb der Gemeinde Titz um - waren verlockend. „Für 299 Euro und mit vier Leuten wurde die Dienstleistung angepriesen.”

Vertrag in der Tasche...

Im Nachhinein sind die Huppertz der Meinung, „dass man das direkt unter die Rubrik Nepper, Schlepper, Bauernfänger einordnen muss”. Doch man war blauäugig, erst recht, als ein Vertreter des Unternehmens erschien, um die Örtlichkeiten zu besichtigen. „Da hat er nur gesagt, dass alles in Ordnung geht, der Umzug je 30 Minuten um 44 Euro teurer würde, wenn man über die Sechs-Stunden-Frist kommt.” Aber das dürfe wohl nicht der Fall sein, meinte der Umzugshelfer beim Herausgehen. Da hatte er den unterschriebenen Vertrag in der Tasche.

Froh, dass nun alles geregelt sei, warteten die Eheleute Huppertz auf den Tag des Umzugs. Pünktlich war das Unternehmen an Ort und Stelle, man half mit beim Einpacken, die Möbel waren schnell verstaut. Der Lastwagen steuerte das neue Zuhause an. Dort begann auch gleich die Schlepperei. „Aber man trug nur zwei kleine Möbelstücke in die Wohnung, dann stand plötzlich der Chef auf der Matte”, erinnert sich Beate Huppertz an den Moment, als der Auftrag aus ihrer Sicht groteske Züge annahm und sich ein finanzielles Fiasko anbahnte. „Zuerst müssen Sie jetzt bezahlen”, habe der Unternehmer gesagt, dann „tragen wir erst die Möbel in die Wohnung”.

Kein Problem, erinnert sich die Frau an ihre Worte, der jedoch das blanke Entsetzen folgte. „Ich bekomme von Ihnen 1200 Euro - in bar.” Die Eheleute verstanden die Welt nicht mehr, pochten auf ihren Vertrag, der sich jedoch schnell als „Falle” entpuppt habe. „Wir hatten das Kleingedruckte einfach nicht gelesen”, gestehen sie im Nachhinein den großen Fehler ein.

Da war dann plötzlich vom fünften Mann die Rede, für den dann 200 Euro zu zahlen seien, plus Anfahrtskosten von Mülheim aus. Auch wurde dem Unterzeichner mitgeteilt, dass pro laufendem Meter Möbel 50 Euro zu zahlen sind. „Macht bei einem Doppelbett schon einmal 200 Euro”, verdeutlicht Beate Huppertz und zählt dann noch die Längen von Vitrinen und Wohnzimmerschrank auf.

Als die Familie es ablehnte, die Summe zu zahlen, sei der Speditionschef nach Aussage der Titzer „ruppig, frech, unverschämt” geworden und habe gedroht. Er bestand auf die geforderte Summe. „Er war sehr wortgewandt und versuchte uns plattzureden”, berichten die Eheleute. Er sei erst moderater geworden, als er erfuhr, dass sich die Huppertz Hilfe holen - in Gestalt eines bekannten Polizeibeamten. „Als mein Mann dann weg war, begann er, mit mir zu verhandeln. Plötzlich stand eine Summe von nur noch 799 Euro im Raum”, erinnert sich Beate Huppertz.

Auf Anraten des Bekannten wurde diese Summe bezahlt.

Grundsätzlich, so rät Ralf Meurer von der Pressestelle der Polizei im Kreis Düren, sollte man bei solchen Unstimmigkeiten die Ordnungshüter rufen. „Wir können uns zwar nicht in Vertragsmodalitäten einmischen, aber wir können den Schutz privater Rechte zur Sprache bringen.” Soll heißen, die Huppertz hätten mit Hilfe Bekannter ihre Möbel ausladen können. „Der mögliche Rechtsanspruch des Unternehmens hätte dann vor einem Zivilgericht geklärt werden müssen.” Meurer sagt auch, dass solche Inserate als Lockvogelangebote betrachtet werden müssen, „wobei man das Kleingedruckte ausführlich lesen sollte”.

Im Zweifel ist eine rechtliche Prüfung empfehlenswert, gegen die „seriöse Anbieter nichts einwenden werden”.
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