Titzer Brandstifter erhält Jugendstrafe

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
Der 18-jährige Brandstifter u
Der 18-jährige Brandstifter und ehemalige Wehrmann aus Titz wurde vom Jugendschöffengericht Düren verurteilt. Foto: imago

Titz/Düren. Zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren wegen Sachbeschädigung und fünffacher Brandstiftung wurde am Montag vor dem Jugendschöffengericht in Düren ein 18-jähriger ehemaliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Titz verurteilt.

Wenn er in den kommenden sechs Monaten unbescholten bleibt, wird diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

„Es ist für Sie eine faire Strafe, nutzen Sie diese, um in ihrem Leben noch die Kehrtwende zu bekommen”, richtete der Vorsitzende Richter Sebastian Herweg deutliche und mahnende Worte an den Angeklagten. Der folgte mit Tränen in den Augen neben Rechtsanwalt Ramon Jumpertz der Urteilsbegründung in einem Prozess, in dem er zu allen Anklagepunkten ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte.

Waren es Frust, Geltungsbedürfnis oder aber einfach der Ärger über die Lebenssituation, die den Jugendlichen dazu veranlassten, zwischen November 2000 und ­April 2011 insgesamt sechs strafbare Handlungen zu begehen? Fragen, die auch vor Gericht unbeantwortet blieben.

„Ich weiß es auch nicht, was mich dazu getrieben hat. Wenn ich es könnte, würde ich alles wieder rückgängig machen”, so der Angeklagte mit tränenerstickter Stimme, als er versuchte, die entsprechende Richterfrage nach dem Warum zu erklären.

Zuvor hatte Ferdinand Hoffmann als Vertreter der Staatsanwaltschaft detailliert die Ereignisse geschildert, die sich zwischen dem 5. November 2000 - dem Anzünden einer Mülltonne in Linnich - und dem 25. April dieses Jahres mit der Brandlegung in einer Lagerhalle, bei der zwei Pferde getötet wurden, ereignet hatten.

Lagen zwischen der ersten Tat - sie wurde vom Gericht als Sachbeschädigung gewertet - und der zweiten Brandstiftung, dem Anzünden eines Baumstumpfes mit Benzin, fast zwölf Monate, nahm danach die Intensität der Zündelversuche zu und wurden die Abstände der Taten immer kürzer.

Erklärungen dafür fand der Angeklagte nicht, auch in Vorgesprächen mit seinem Anwalt und der Jugendgerichtshilfe war offenbar nicht zu klären, warum er sich als Mitglied der Jugendfeuerwehr und dann mit Eintritt in die Stammwehr zu den Straftaten hatte hinreißen lassen.

Einig waren sich Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe, dass der Angeklagte vor eine Jugendstrafkammer gehört. „Das Bild, das er hier vor Gericht abgibt, macht deutlich, dass das Jugendstrafrecht angewandt werden kann”, meinte die Staatsanwaltschaft, die auch keine „schädlichen Neigungen” feststellen wollte.

Bei der Strafbewertung ein wesentliches Merkmal. Da der 18-Jährige voll geständig war, forderte Hoffmann ein Jahr und zehn Monate Jugendstrafe ohne Bewährung. Wäre er als Erwachsener verurteilt worden - die ihm zur Last gelegten vier Brandstiftungen erfolgen alle nach Vollendung des 18. Lebensjahres -, „dann, so der Richter, stünden Sie jetzt vor dem Landgericht, müssten mit mindestens vier Jahren Haft plus X rechnen.”

Dass die Taten, insbesondere das Anzünden einer Strohmiete und der Halle, weitaus größere Folgen hätten haben können, dies machte Richter Herweg deutlich. Denn schließlich hätte darin ja jemand Unterschlupf finden wollen.

„Dies haben Sie in Kauf genommen”, so der Vorsitzende Richter, der deshalb bei seiner Urteilsbegründung auch die Schwere der Schuld berücksichtigte und deshalb über dem Antrag der Staatsanwaltschaft blieb.

Da aber nach Auffassung aller Prozessbeteiligter die Sozialprognose gut ist - der Verurteilte hat auf eigenem Wunsch bereits eine Therapie in die Wege geleitet und hat ein soziales Jahr angetreten - wird die Haftstrafe für sechs Monate ausgesetzt.

„Lassen Sie sich nichts mehr zu Schulden kommen. Es ist eine faire Chance, damit Sie noch etwas aus ihrem Leben machen können”, appellierte der Richter. Da sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung auf eine Berufung verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert