Titz arbeitet an eigener Trinkwasserversorgung

Von: hfs.
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Der Fachausschuss besichtigte das Titzer Wasserwerk. Projektleiterin Ulrike Weber und Bürgermeister Frantzen erläuterten die Technik. Foto: hfs.

Titz. Rund 600.000 Euro steckt die Gemeinde Titz in die Ertüchtigung ihres eigenen Wasserwerks. Langfristiges Ziel ist es, ab 2025 in Eigenregie die gesamte Wasserversorgung der Flächengemeinde zu übernehmen. Technisch gesehen wäre das schon nach Abschluss der dritten Bauphase ab 2015 möglich, doch bestehende Lieferverträge sind bis 2025 bindend.

Die erste Bauphase wurde nun abgeschlossen, wie die Mitglieder des Betriebsausschusses bei einer Ortsbesichtigung zufrieden feststellten.

1972 nahm die Gemeinde Titz eine Wasserförderungs- und Aufbereitungsanlage in Betrieb, die nach nun 40 Jahren auf den neuesten Stand gebracht wird. Zum einen, wie Ulrike Weber als Projektleiterin des Architekturbüros Achten und Jansen erläuterte, weil eine Überholung von Pumpen und Druckspeicher nicht mehr rentabel sei, zum anderen auch, weil der TÜV als Prüfbehörde Bedenken über eine weitere Jahrzehnte lange Betriebsdauer angemeldet hatte.

So habe man sich zur Grundsanierung entschlossen, was vor zwei Jahren vom Gemeinderat abgesegnet worden ist. Nach dem ersten Bauabschnitt, der im Juni begann und 77.500 Euro kostete, sind zwei neue Netzeinspeisungspumpen in Betrieb, die die Wasserversorgung sicherstellen – mit je 105 Kubikmetern Förderleistung in der Stunde.

Eine dritte kleinere Pumpe, die ausschließlich die Grundversorgung vorwiegend nachts mit 20 Kubikmetern Leistung sichern soll, wird in den kommenden Tagen installiert. Die komplette Verrohrung für die beiden Großpumpen komplettiert den ersten Bauabschnitt.

„Sämtliche Arbeiten wurden bei vollem Betrieb durchgeführt, eine zweiwöchige Stilllegung wurde von der Bevölkerung überhaupt nicht wahrgenommen“, war die Projektleiterin stolz und lobte die Mitarbeiter um Betriebsleiter Michael Dahlem. Dass die Abschaltung nicht zum Versiegen der privaten Wasserversorgung führte, hat laut Bürgermeister Jürgen Frantzen einen einfachen Grund: Die Gemeinde verfügt über zwei eigene Tiefbrunnen.

Aus einer Tiefe von 140 Metern wird das Wasser nach einer einfachen Aufbereitung in einen Erdbehälter gepumpt. Von dort gelangt es als einwandfreies Trinkwasser ins Leitungsnetz und versorgte allerdings nur die Ortsteile Titz, Opherten, Mündt, Meerhöfe, Ameln, Kalrath, Spiel, Sevenich sowie die Außenhöfe Betgenhausen und Gut Isenkroidt.

Doch in der Umbauphase wurde fast das komplette Gemeindegebiet beliefert – also auch die Dörfer Hompesch, Müntz, Hasselsweiler, Gevelsdorf, Ralshoven und umliegende Gehöfte, die sonst von der Gelsenwasser AG versorgt werden. „Von der beziehen wir jährlich rund 90.000 Kubikmeter“, erklärte Michael Dahlem. Hinzu kommen 175.000 Kubikmeter von RWE Power, die nach Jackerath gepumpt werden.

Nun kamen aber fast alle in den Genuss des Titzer Wassers. Ausgenommen sind die Orte Rödingen, Höllen und Bettenhoven im Süden und ausschließlich von den Stadtwerken Jülich mit rund 90.000 Kubikmetern Frischwasser versorgt werden. Diese bestehenden Lieferverträge sorgen dafür, dass die Gemeinde auch nach der kompletten Umbauphase des Wasserwerkes bei der Frischwasserversorgung nicht autark ist.

Von Januar bis April 2014 ist der zweite Bauabschnitt geplant, der die Sanierung des 500 Kubikmeter fassenden Erdbehälters vorsieht, was rund 100 000 Euro kosten wird. Im Herbst/Winter 2014 erfolgt die Ertüchtigung der Wasseraufbereitung. Ob und wie sich der Wasserpreis künftig ändert, steht noch nicht fest.

Ausschussmitglied Hartmut Wasserberg fragte, warum nicht schon eine Entkalkungsanlage für das harte Titzer Wasser im Zuge der Sanierung eingebaut wird? Projektleiterin Ulrike Weber: „Das ist nicht so einfach, kostet aber sehr viel Geld.“ Bürgermeister Jürgen Frantzen: „Dann müssten wir unser Wasser ja mit dem Fremdbezug mischen, was keinen Sinn macht.“

Hat das Titzer Wasser Härtegrad 20, kommt das Jülicher Wasser auf 9, Gelsenwasser auf 10,5, RWE Power auf 17,7. Die Folgen einer Enthärtung für Gebührenzahler stünden fest. Eine Entkalkungsanlage würde den Preis um 60 Cent pro Kubikmeter anheben.

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