„Tag der Neugier“: Wissenschaft zum Anfassen

Von: Sarah Plahm
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Forschungsplattform für die Elektronik von Übermorgen: Gestern wurde im FZJ das Helmholtz Nanoelectronic Facility von NRW-Forschungsministerin Svenha Schultze eröffnet. Foto: Steindl
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Auch Algen sind wichtig für die Forschung, zum Beispiel für die Herstellung von Kerosin. Foto: Plahm

Jülich. Sie sieht aus wie eine überdimensionierte, umgekippte Dose aus Glas und Metall, dabei verbirgt sich High-Tech hinter dem außergewöhnlichen Gebilde auf dem Gelände des Forschungszentrum Jülich (FZJ). Denn hier werden chemische Prozesse innerhalb der Atmosphäre simuliert. Aber was genau machen die Forscher dort eigentlich, und vor allem, wie machen Sie das?

Solch neugierige Fragen durften gestern Groß und Klein den Wissenschaftlern des FZJ stellen, das seine Pforten am „Tag der Neugier“ für jedermann geöffnet hatte. So hilft die riesige Atmosphärensimulationskammer Saphir den Wissenschaftlern zum Beispiel dabei, herauszufinden, auf welche Weise bestimmte Partikel in der Atmosphäre gebildet werden. Dafür können die Wissenschaftler unterschiedlichste Bedingungen simulieren.

Aber nicht nur im Zentrum erforschen die Wissenschaftler das Klima und die Atmosphäre. In ganz normalen Passagierflugzeugen, etwa der Lufthansa oder der Air France, bauen sie in Jülich entwickelte Messgeräte ein, um so zum Beispiel den Gehalt von Stickoxyden oder Treibhausgasen in der Atmosphäre weltweit ermitteln zu können. „Das ist immer noch teuer, aber im Vergleich zu Forschungsflugzeugen spottbillig,“ sagt Andreas Volz-Thomas vom Institut für Energie- und Klimaforschung.

„Projekt Aufwind“

Aber das Fliegen hilft den Jülicher Forschern nicht nur beim Forschen, die Flugzeuge selbst beschäftigen die Experten ebenfalls. Denn wie sollen Flugzeuge ohne den Rohstoff Erdöl, der zur Kerosinherstellung benötigt wird fliegen? Auch diese Frage stellten die Besucher. Die Antwort: vielleicht mithilfe von Algen. Da blubberte es mitten im Gewächshaus in Gläsern und Töpfchen – ein kleiner Einblick in die Experimente der Experten. Da Mobilität wohl auch künftig wichtig bleiben wird, testen hier Vertreter aus Wissenschaft und Industrie im Rahmen des Projekts „Aufwind“ gemeinsam, wie gut flüssige Kraftstoffe aus Algenöl in der Luftfahrt funktionieren könnten. Und der flüssige Kraftstoff liefert im Gegensatz zu anderen Antriebsarten viele Vorteile. „Wenn wir mit Batterien fliegen würden, wäre der Airbus A 380 ziemlich voll“, erklärt Ulrich Schurr, Leiter des Instituts für Pflanzenwissenschaften. Auch das Wachstum anderer Pflanzen interessiert die Jülicher Forscher. So begutachteten die Besucher zum Beispiel auch kleine fliegende Plattformen mit Minipropellern, die eingesetzt werden, um den Wassergehalt von Pflanzen zu ermitteln. Dabei geht es nicht nur ums Pflanzenwachstum in Deutschland, sondern auch um die Verbesserung der Landwirtschaft in anderen Ländern, beispielsweise in Brasilien.

Auch die Kleinsten durften am Sonntag im Forschungszentrum auf Entdeckungsreise gehen. Bei einem „Tastquiz“ waren Gemüse und Obst blind zu ertasten. Wer wollte, hatte die Möglichkeit an einer Forschungsrallye mit diversen Aufgaben teilzunehmen und so den Campus zu erkunden.

Dort gab es nämlich noch viel mehr zu entdecken als Klima- und Pflanzenforschung. Sämtliche Institute stellten ihre Arbeit vor. Im Bereich Gesundheit warteten beispielsweise eine von Jülicher Forschern entwickelte 3-D-Gehirnkarte oder Präparate zur Beobachtung unter dem Mikroskop auf die Besucher. Nicht zuletzt war auch für ein Unterhaltungsprogramm auf der Seebühne gesorgt.

Reinraum-Labor eingeweiht

Pressesprecher Erhard Zeiss rechnete am Morgen mit mehreren zehntausend Gästen. Darunter waren nicht nur viele Familien mit ihren Kindern, sondern auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Wissenschaft. Viele von ihnen waren auch gekommen, um die Eröffnung des neuen Helmholtz Nanoelectronic Facility-Gebäudes, kurz HNF, mitzuerleben. In dem hochkomplexen Reinraum, der so konstruiert wurde, dass weder minimale Schwingungen des Bodens noch geringste Veränderungen der Luft die Experimente stören könnten, haben die Forscher die Möglichkeit, Technologien von Übermorgen zu testen und weiterzuentwickeln, etwa neue Formen von winzigen elektronischen Schaltkreisen.

Zukunft und Nachhaltigkeit – also eine umweltschonende und zukunftsorientierte Ressourcennutzung – darum geht es den Jülicher Forschern bei ihren Projekten. Daher stand der „Tag der Neugier“ diesmal unter dem Motto „Zukunftscampus“. Denn nicht nur in den Projekten des FZJ spielt die Zukunft und damit auch die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Auch das Forschungszen-trum selbst wird im Zuge seiner Weiterentwicklung in den nächsten Jahrzenten auf Nachhaltigkeit achten. Das heißt im Einzelnen, dass viele Institute näher am Zentrum des Campus innerhalb einer verkehrsberuhigten Zone zu finden sein werden, dass möglichst recycelbare Baustoffe verwendet werden und es mehr Grünflächen geben soll. Dass in Jülich nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern auch nachhaltig geforscht wird, davon überzeugten sich die vielen Besucher selbst im FZJ.

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