Höllen - „Tag der Archäologie”: Kelten-Eintopf und alte Schreibtafel

„Tag der Archäologie”: Kelten-Eintopf und alte Schreibtafel

Von: ptj
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Wie in der Eisenzeit:  Kelten-
Wie in der Eisenzeit: Kelten-Eintopf mit Dinkel, Linsen, Erbsen und Speck für die Besucher. Foto: Jagodzinska

Höllen. „Für uns ist jede Scherbe spektakulär. Das hilft uns, mehr über den Gesamtzusammenhang zu erfahren”. Dies sagte LVR-Historikerin Claudia Holtschneider in der Außenstelle Höllen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege beim „Tag der Archäologie”.

Highlights für die rund 1700 Besucher waren Funde ehrenamtlicher Metallsondengänger: Ein schmaler spätantiker römischer Goldfingering mit dem eingravierten Amor, Sohn der Göttin Venus, und der später zur Göttin erhobenen Psyche.

Eine Analyse im Elektronenmikroskop machte bereits die getrennte Herstellung von Ring und Schmuckplatte sichtbar. Optisch unscheinbar erscheint hingegen das Papstsiegel von Martin IV (1281 bis 1285) zur Besiegelung wichtiger kirchlicher Unterlagen, von dem bisher niemand weiß, wie es an den Fundort gelangte. Auf Interesse stießen auch „neue Fragen an alte Funde”, wie Forschungen zum Spangenhelm aus dem Fürstengrab von Morken. Als Anschauungsmaterial diente eine Replik, das Original befindet sich in Restauration. Außenstellenleiter Dr. Udo Geilenbrügge empfahl besonders die Betrachtung der Altersbestimmung durch Veränderung des Erdmagnetfeldes oder die Keramikanalysen von Kollegen der RWTH Aachen.

Besucher scharten sich um „Schaurestaurateure”, die kleine Ausgrabungen unter Laborbedingungen auf dem Tisch veranschaulichten oder betrachteten Rekonstruktionen antiker Landschaften wie das spätmittelalterliche Fluchtgangsystem von Bedburg-Königshofen. Als sehenswert erwies sich auch eine jungsteinzeitliche Kochgrube aus dem Elsbachtal. In der rheinlandweit einzigen eisenzeitlichen Hofanlage mit eisenzeitlichem Pflanzengarten und frei laufenden Hühnern beobachteten Gäste etwa die Herstellung von „tabulae ceratae”. Hierbei handelt es sich um römische Wachstafeln, wiederverwendbare Schreibmedien der Antike, in die mit dem Schreibgriffel, dem „stilus”, Schriftzeichen eingeritzt und mit dem spachtelartig abgeflachten anderen Ende wieder „gelöscht” wurden. Angharad Beyer von „Textum Historiae” stellte mit Handspindel und Gewichtswebstuhl Textilien her. Körbe wurde geflochten, die historische Schmiede in Betrieb genommen, Krüge getöpfert, Fladenbrote und Pizza im Lehmkuppelofen gebacken.

Auf der offenen Feuerstelle kochte ein Kelten-Eintopf mit Dinkel, Linsen, Erbsen und Speck. In der römischen Taberna wurde ein apicianisches Ragout mit Erbsen und Schinken mit einem römischen Gewürzwein kredenzt. Eine Autorenlesung stand am Nachmittag auf dem Programm: Michael Kuhn las aus „Marcellus - der Merowinger”. Äußerst beliebt ist stets die Junior-Archäologie: Stolz präsentierten zwei Jugendliche je einen freigelegten Knochen. Zwei andere Jungen waren dabei, Bäume mit darauf sitzenden Tieren zu töpfern. Im Angebot war zudem die Brettchenwebtechnik. Nachweislich wurden in der Eisenzeit Borten und Bänder mit Brettchen aus Holz, Knochen oder Metall gewebt.

Am Archäologietag fertigten Kinder in dieser Technik musterreiche Armbändchen. Erstmals präsent waren die Judaisten Monika Grübel und Alexander Schmalz. Sie hatten für kindliche Besucher ihr überdimensional großes Synagogen-Memory ausgebreitet und stellen koschere wie „halal”-Varianten der beliebten Gummibärchen vor. Koscher sind erlaubte jüdische, „halal” islamische Nahrungsmittel. Gut frequentiert wurde auch der Verkaufsstand mit Erinnerungsreplika.

Nicht zuletzt war die Außenstelle Start- und Anlaufpunkt zahlreicher Pendelbusse, die kostenfrei Gäste in den Tagebau Garzweiler zu einer aktuellen Grabung im Ort Spenrath transportierten.
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