Stuntteam weckt Lust auf das Piratenfest im Brückenkopf-Park

Von: ptj
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Ohne Sicherung macht Jungstuntman Igor Tjumenzev einen Salto rückwärts vom Gerüst der entstehenden Piraten-Kulisse am Brückenkopf. Foto: Jagodzinska
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Stuntkoordinator Matthias Schendel (l.) und Stuntwoman Natalie Horn stellen einen handfesten Disput nach.

Jülich. Jungstuntman Igor Tjumenzev springt im „High Fall“ aus etwa sechs Metern Höhe vom Brückenkopf der Nordbastion auf ein dickes Schaumstoffpolster, während hinter ihm eine Ladung Lycopodium (Blütenstaub) explodiert. Diese hat Pyrotechniker Sven Kühn („Alarm für Cobra 11“) effektvoll mit „Staub und ein paar Funken“ gestreckt.

Zuvor hatten Captain Joshua Flint und sein Steuermann in der Bastion einen Disput. Flint hob die Waffe und schien auf den Steuermann zu zielen, aber nein, in Wirklichkeit hatte er einen Soldaten auf der Mauer im Visier und rettete so dem Steuermann das Leben.

Das alles ist Teil der Generalprobe zur Premiere des dreitägigen Themenspektakels „Pirates, eine abenteuerliche Zeitreise“ vom 20. bis 22. September im Brückenkopf-Park. Im Einsatz ist das Team der Firma VIP-Stunts um Gründer Matthias Schendel. Der verspricht viele Kämpfe und probt mit seinen Leuten Sprünge und Stürze, teilweise von Explosionen begleitet, Boden- und Feuerstunts. Dazu zählt der „High Fall“, ein alltäglicher Stunt in Film, Theater und Live-Shows. Normalerweise wird er aus mindestens acht Metern Höhe ausgeführt. „Ab zwei Metern Höhe ist es wichtig, flach auf den Rücken zu fallen“, erklärt der 36-Jährige, der seit 19 Jahren als Stuntman arbeitet und sich in dieser Zeit nur zwei berufsbedingte Verletzungen zugezogen hat.

Was macht einen Stuntman, eine Stuntwoman aus? Man sollte jung, sportlich und mutig sein, ein bisschen Abenteuergeist mitbringen, jedoch ein gesundes Körpergefühl und eine gute Selbsteinschätzung haben. „Eine Prise Leichtsinn ist ganz, ganz falsch“, betont der Experte. Eine klassische Stuntman-Ausbildung gibt‘s nicht.

Igor Tjumenzev etwa ist seit zweieinhalb Jahren dabei. „Wenn er fünf Jahre im Team alle Arbeiten mitgemacht hat, darf er sich Stuntman nennen“, erklärte Schendel. Die einzige Dame im Stunt-Team ist die 29-jährige Natalie Horn mit langen blonden Dreadlocks. Genau wie ihr Kollege Sigi Polap mischt sie unter anderem kräftig beim Disput mit dem Captain mit. Das Stunt-Team, bekannt durch den Film „Operation Walküre“ mit Tom Cruise, „arbeitet sich durch dieses Stück, um zu sehen, wie und wo was passiert“.

Spielleiter ist Ralf Winterhoff, der „die Geschichte geschrieben hat“. Dabei handelt es sich um eine frei erfundene Handlung, die im Vorfeld der beliebten „Schatzinsel“ spielt. Während der berüchtigte Captains Flint im Roman fiktiv ist, tritt er bei der Piratengeschichte im Brückenkopf-Park leibhaftig in Erscheinung, Winterhoff verkörpert ihn.

Erwähnenswert ist die Erstehungsgeschichte der Kooperation: Winterhoffs Nachbar in Horrem hieß Sven Kühn. Mit ihm unterhielt sich der Autor über sein Stück und Kühn „hatte total Bock drauf“. Und nicht nur das: Er hatte sogleich das richtige Team an der Hand. „Wir wollen mitmachen und alle Klischees bedienen“, lautete seine verheißungsvolle Zusage. Der Spielleiter und seine Schauspieler fungieren nicht als Stuntmen, aber „decken die Fechtgeschichte mit ab“.

Pech hatte die Gruppe bei der Generalprobe: Es regnete. Die Probe zögerte sich hinaus und Schendel verzichtete aus Sicherheitsgründen unter anderem auf klassische Abseilproben von der Mauer. Dafür glänzte Tjumenzev mit einem Salto rückwärts vom Holzgerüst der entstehenden Kulisse für den Piraten-Entertainment-Markt – ohne die sichernde Schaumstoffmatraze. Er und Lee Huang rollten sich ferner über das schräge Dach des Gerüstes ab, einige Mal zeigte Schendel selbst sein Können und schien im Fallen förmlich zu fliegen.

Neben dem „High Fall“ gibt es etliche andere Sprungarten: Effektvolle Salti, das „Face off“ mit seitlicher Drehung oder den Rückwärtssprung, „ohne auf die Matten schauen zu können“. In jedem Fall machte die Generalprobe Lust aufs Piratenfest im September.

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