„Störzonen sind nie messerscharf abzugrenzen”

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
Peter Immekus vom Netzwerk Ber
Peter Immekus vom Netzwerk Bergbaugeschädigter und Grünen-Politiker Oliver Krischer zeigen einen für Bergschäden typischen Setzungsriss an einer Mauer an der Realschule Wernersstraße. Foto: Abels

Düren. Bergschäden in Düren? Die Tagebaue Inden und Hambach liegen doch kilometerweit entfernt, könnten Laien vermuten, so dass keine Beeinträchtigungen zu erwarten sein sollten. Weit gefehlt, weiß Peter Immekus vom Netzwerk Bergbaugeschädigter des rheinischen Braunkohlereviers.

„Wir gehen davon aus, dass Bergschäden noch in einer Entfernung von bis zu 40 Kilometer auftreten”, verweist Immekus auf bekannte Fälle aus Vettweiß und sogar Swisttal bei Euskirchen.

Das Netzwerk hat auf der Basis vorhandener Daten und Behördenangaben eine Karte tektonischer Störzonen erstellt, die sich quer durch das ganze Revier ziehen, auch durch Düren, und an denen Bodenbewegungen infolge von Grundwasserentnahme registriert werden.

Immekus verweist beispielsweise auf den Bereich zwischen Wernersstraße über die Dechant-Vaßen- bis zur Van-der-Giese-Straße, in dem nicht nur bereits zahlreiche Setzungsrisse an den Gebäuden der Realschule festgestellt wurden, sondern sogar einzelne Häuser unbewohnbar von RWE Power aufgekauft und abgerissen wurden.

Immekus verweist auf das Aufeinandertreffen gleich zweier tektonischer Störungen in diesem Gebiet, des sogenannten Pierer und des Birkesdorfer Sprungs, die auch die Umgebung beeinträchtigen. „Die Auswirkungen der Störzonen sind längst nicht so messerscharf abzugrenzen, wie RWE Betroffenen immer vermittelt, um sich bei der Schadensregulierung aus der Verantwortung zu ziehen”, betont Immekus, der auch als Sachverständiger arbeitet, mit Blick auf die Vielzahl der Schäden in diesem Bereich. Auch Birkesdorf sei stark betroffen.

Detaillierte Angaben gefordert

Angaben, die den Grünen-Politiker Oliver Krischer (MdB) überraschen: „Ich bin seit 20 Jahren in der Kommunalpolitik tätig, aber von mannigfachen Bergschäden in Düren haben wir Grünen aus dem Rathaus nie etwas gehört.” Deshalb haben seine Partiefreunde nun einen Antrag formuliert, in dem sie detaillierte Informationen über bekannte Bergschäden und deren Regulierung einfordern. Informationen, auf die auch Immekus gespannt ist, geht er doch davon aus, dass bei Schäden an öffentlichen Einrichtungen in vielen Kommunen nicht immer die Auseinandersetzung mit dem Tagebaubetreiber gesucht werde, sondern stattdessen der Steuerzahler bluten muss. In diesem Zusammenhang spricht Immekus die Sanierungsarbeiten an der Realschule an, vermutet aber auch bergbaubedingte Schäden an so manchen Kanal, beispielsweise in der Oststraße, die zurzeit saniert wird.

Betroffene Haus- und Grundbesitzer ermutigt Immekus, nicht unkritisch eine Ablehnung der Schadensregulierung durch RWE Power hinzunehmen, mit Nachbarn über ähnliche Beobachtungen zu sprechen und wenn nötig, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Von der Politik fordern Immekus und Krischer eine Umkehr der Beweislast bei Bergschäden, die bisher beim Betroffenen liegt, die Freigabe aller bergschadensrelevanten Daten und die Veröffentlichung aller Karten und geologischen Daten.

Die Vorgehensweise und Ansprechpartner bei vermuteten Bergschäden

Wer einen Bergschaden an seinem Haus oder Grundstück vermutet, muss sich zunächst mit der Servicestelle Bergschäden des Tagebaubetreibers RWE Power (Telefon 0800/8822820, Fax: 0221/480-20777, bergschaden@rwe.com) in Verbindung setzen. Nach der Schadensmeldung führt RWE Power eine kostenlose Überprüfung durch und teilt das Ergebnis mit.

Wer nicht einverstanden mit dem Ergebnis, ist, kann kostenfrei die Anrufungsstelle Bergschaden Braunkohle NRW bei der Bezirksregierung Köln einschalten, die alle anfallenden organisatorischen Aufgaben, die im Zusammenhang mit dem Anrufungsverfahren stehen übernimmt. Ein Antragsformular finden sich auf der Internetseite der Bezirksregierung (http://www.brk.nrw.de).

Hilfestellung geben auch der Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG): Wiesenstr. 4, 52428 Jülich, Telefon 02461/ 8036, Fax: 02461/7010, info@vbhg.de und das Netzwerk Bergbaugeschädigter des rheinischen Braunkohlenreviers, Hauptstr. 102-104, 50126 Bergheim, Telefon 02271/ 569595, info@netzbege.de, http://www.netzbege.de.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert