Jülich - Stadtgespräch: Spannende 90 Minuten plus Verlängerung

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Stadtgespräch: Spannende 90 Minuten plus Verlängerung

Von: ptj
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Zahlreiche Vereinsvertreter und Jülicher Persönlichkeiten nahmen Stellung zu den Fragen von Wolfgang Hommel (l.) und Volker Uerlings (r.). Foto: Jago
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Volker Uerlings (rechts) hielt die Besucher des Stadtgesprächs an, sich an den Diskussionen zu beteiligen. Stimmen aus dem Publikum waren erwünscht und wurden angehört.

Jülich. Nach „dicken 90 Minuten plus Verlängerung“ gab es in der elften Auflage des Jülicher Stadtgespräches zum Thema „Wohin steuert die Sportstadt Jülich?“ erste Ergebnisse. Die gut besuchte Veranstaltung im KuBa, moderiert von Wolfgang Hommel, Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing und Volker Uerlings, Redakteur unserer Zeitung, war in drei Themenfelder aufgeteilt.

Die Bädersituation vor Ort nach Scheitern des ehrgeizigen Projektes Schwimmleistungszentrum:

Zur Bädersituation nahmen Stellung: Kai Faber vom Jülicher Wassersportverein, Kurt Kelzenberg von der DRLG, Jochen Borell vom Förderverein Freibad Jülich und der „Herr der Bäder“ Ulf Kamburg, Leiter der Stadtwerke Jülich. Faber zeigte sich „grundsätzlich froh darüber, ein Hallen- und Freibad zu haben. Borell, der als Sportlehrer selbst im Hallenbad Schwimmunterricht gibt, wollte nach dem „geplatzten Luftschloss kein neues aufbauen“.

Zum Thema Freibad befragt, das er aufgrund der fehlenden Heizung bei kalter Wassertemperatur mit einem „Ferrari ohne Sprit“ verglich, legte er Wert darauf, dass „alle was tun müssen“. Kosten von 250.000 Euro könne man „als Aktivierungspotenzial ansehen“. Für 50 Prozent dieser Summe werde der Förderverein bis Jahresende kämpfen. Borell betonte die „soziale Verantwortung als Alternative zu teuren Urlauben, die sich viele sowieso nicht mehr leisten können“. Kelzenberg, der das „Bewahren vor dem nassen Tod“ als Hauptziel der DLRG nannte, resümierte: „Für uns reicht das Hallenbad aus. Etwas Moderneres wäre wünschenswert“.

Im Verlauf des Gesprächs verwies er zudem auf die DLRG-Nutzung der beiden schulischen Lehrschwimmbecken in Welldorf und Koslar. Nach dem aktuellen Stand seien die Bäder weitere drei bis fünf Jahre zu halten. Ein Strategiekonzept solle im Anschluss dazu dienen, den Bäderbetrieb an einer Stelle zusammenzuführen, an welcher Stelle auch immer. „Man wird nicht alle Beteiligten jeder Gruppe zu hundert Prozent zufriedenstellen können“, betonte er mit Nachdruck.

Die Baseballmannschaft Jülich Dukes auf der Suche nach neuen Plätzen mit Weiterentwicklungspotenzial:

Für die Jülich Dukes sprach Michael Felder, unterstützend saßen überproportional viele Dukes im Publikum. In Eigenleistung haben Vereinsmitglieder, deren aktuelle Zahl 82 beträgt, in den letzten 20 Jahren einen Platz am Barmener See bespielbar gemacht. Durch Wurzelwerkbildung und Bäume fällende Biber bleibt er allerdings nur schwer bespielbar. Die Herzöge suchten fortan Unterstützung in der Herzogstadt, deren „Aushängeschild“ sie gerne bleiben wollen, und fanden sie letztendlich auch. Das Problem stellte Sportdezernentin Katarina Esser, die wie folgt dar: „Die Stadt hat keine eigenen Grundstücke, die das gewünschte Gelände von drei Hektar aufnehmen könnten“. Bei genannter Fläche handelt es sich um ein geplantes Softballfeld für die Jugendmannschaft.

Auf Wunsch der Dukes soll es sich nahe des 120 x 120 Meter großen Baseballplatzes befinden. Das Gesamtareal soll zudem möglichst unweit des entstehenden Jugendgästehauses angesiedelt sein, um Gastmannschaften des in ganz NRW erfolgreich spielenden Vereins zu beherbergen. Als worst case schloss Felder nicht aus, dass „man im äußersten Notfall Jülich verlassen“ müsse.

Die Kombinationsmöglichkeiten in Bezug auf das zentral gelegene Karl-Knipprath Stadion – in der anhaltenden Finanznot Jülichs.

Auf der Suche nach geeigneten Plätzen kam das Karl-Knipprath-Stadion mit seinen je zwei Rasen- und Tennenplätzen ins Spiel und „Zehner“-Chef Michael Lingnau ins Podium. Unter seiner Federführung befindet sich der in die Kreisliga B aufgestiegene Verein „Jülich 10/97“ nach finanziellem Ruin in seriöser Konsolidierung. Lingnau betonte die völlige Auslastung des Zentralstadions, auch durch Gäste aus Jülicher Vororten, und die soziale Verantwortung. Sollte es aber eine.

Ihm lag am Herzen, dass die Stadtväter sich um dieses Stadion kümmern, mit Beteiligung der Vereine. Fazit der geladenen Spitzen der Jülicher Ratsfraktionen: „Wir müssen in die qualitative Sportförderung, in den offenen Dialog mit den Vereinen hineingehen“, betonte Harald Garding (SPD). „Sportförderung spart uns später Kosten.

Die Bürger müssen stärker mittragen, sonst können wir den Standard nicht halten“, so Heinz Frey (JÜL). „Wo können wir Kräfte bündeln, zentralisieren?“, diese rhetorische Frage stellte der Bündnis90/Grüne Jürgen Lauffs und plädierte wie seine Vorredner für das Dreieck „Wirtschaft, Vereine und Stadt“ an einem Tisch. „Es ist nicht zwingend sinnvoll, bestehende Sportstätten wegzunehmen, um andere zu errichten“, hob Peter Capellmann (CDU) hervor.

Winfried Cremerius (FDP) nannte die Jülicher Dukes als Vorbild für eigenverantwortliches Engagement. Hinzuzufügen ist, wie Katarina Esser es auf den Punkt brachte: „Wir werden weniger, bunter, älter, damit verändern sich die Bedürfnisse an Raum“. Stadtsportverbandsvorsitzender David Wirtz, die „Stimme für den Jülicher Vereinssport“, fasste zusammen: „Wir fördern, wir wollen keine Vereine kaputt machen“.

Er bestätigte einen Trend zu modernen Sportarten wie etwa Pilates, wofür kleinere Räume geschaffen werden müssten.

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