Spritziger Theaterspaß auf hohem Niveau

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Die Streitgespräche des Quintetts in der Komödie „Der Vorname“ entwickeln mit der Zeit eine gewisse Eigendynamik. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Mit großer Spielfreude hat das Ensemble des Grenzlandtheaters Aachen im Rahmen der Jülicher Theater-Aboreihe die Komödie „Der Vorname“ präsentiert. Das geschickt konzipierte Bühnenbild entführte das Publikum in der vollbesetzten Stadthalle in die Wohnung des Ehepaares Elisabeth und Pierre Garaud, das sich auf einen gemütlichen Abend mit Familie und Freund freut.

Zu Gast sind der Bruder der Gastgeberin Vincent Larchet und seine schwangere Frau Anna sowie Claude, der Freund seit Jugendtagen. Alle freuen sich auf einen entspannten Abend bei gutem Essen und Wein. Aber durch eine Diskussion über den Vornamen des ungeborenen Kindes, das sein Vater angeblich Adolphe nennen will, entspannen sich Streitgespräche, bei denen es nicht nur um die geschichtliche Belastung des Namens Adolf geht.

Im Rahmen der Auseinandersetzung heizt sich die Atmosphäre immer mehr auf. „Liebenswürdigkeiten“ werden ausgetauscht, die Masken fallen. Wahrheiten, die lebenslang verschwiegen worden sind, werden endlich ausgesprochen.

Mit spritzigen Dialogen werden im verbalen Schlagabtausch die Klingen gekreuzt. Die Fassaden bröckeln, unterdrückte Gefühle, Kränkungen und Betrügereien werden aufgedeckt. Alte Feindschaften und Rivalitäten aus der Kindheit werden sichtbar. Die Schauspieler arbeiteten unter der Regie von Wolfgang Hagemann mit Akribie die unterschiedlichen Charaktere heraus.

Die frustrierte Hausfrau und Mutter Elisabeth, die ihre wissenschaftliche Karriere der Familie und der Karriere ihres Mannes opferte, wurde von Isabella Bartdorff gespielt. Ihr Ehemann Pierre, verkörpert von Volker Weidlich, wird mit der Jugendsünde seines Pudelmordes und seines Betruges bei seiner wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert.

Tino Lindenberg als charmanter und witziger Vincent, der eigentlich nur ein wenig foppen und provozieren wollte, löste dadurch die Enthüllungsorgie aus. Auch er teilt nun kräftig aus, moniert die für ihn lächerlichen Namen aus der griechischen Mythologie, mit der seine Nichte und sein Neffe bedacht sind.

Schließlich wird der gemeinsame Jugendfreund Claude (Wolfgang Mondon) verdächtigt homosexuell zu sein. Daraufhin geht die Stimmungsbombe jedoch geht erst richtig hoch, als Claude daraufhin seine Beziehung zur Mutter des Geschwisterpaares offenbart.

Das Entsetzen von allen Seiten ist programmiert. Die Situation eskaliert. Auch Anna (Jennifer Lorenz) gelingen die Vermittlungsversuche nicht. Auch sie wird in die Streitsituation hineingezogen. Beruhigend, dass Vincent im Epilog berichtet, dass mit der Geburt der kleinen Francoise die Familie in der Freude über den Familienzuwachs wieder zur Einigkeit fand.

Das Publikum amüsierte sich köstlich über diesen Theaterspaß, der von einem intelligenten Stück mit geschliffenen Dialogen und einem prächtigen Schauspielerensemble lebte, das die Personen wirklich verkörperte und mit Mimik, gekonnter Komik und gezielten Pointen darstellte. Riesenapplaus für einen exzellenten Theaterabend.

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