Inden/Altdorf - Sportschütze: Mit innerem Gleichgewicht ins Schwarze treffen

Sportschütze: Mit innerem Gleichgewicht ins Schwarze treffen

Von: Daniela Martinak
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Thermounterwäsche, darüber Schießhose, Schießjacke, Schießschuhe, Handschuhe, Stirnband, Ohrenstöpsel.... all das trägt Lara am Körper. Und auch noch schwere Luftgewehr. Foto: Daniela Martinak
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Das Putzen und Umschrauben des Gewehrs gehört dazu. Foto: Daniela Martinak

Inden/Altdorf. Lara Celina Heiden atmet tief ein und wieder aus. Dann wieder tief ein und noch einmal tief aus. Und das zehn Minuten lang. So lange braucht die 14-Jährige, um „das innere Gleichgewicht zu erlangen“. Dabei vergisst sie, wie sie sagt, die Welt um sich herum. Einzig und allein konzentriert sich das Mädchen auf die Zielscheibe zehn Meter vor ihr. Und dann drückt sie ab: Schuss.

Nur, wer ganz genau hinschaut und ein geschultes Auge hat, erkennt den klitzekleinen schwarzen Kreis in der Mitte der Scheibe, gerade einmal ein bisschen größer als ein Stecknadelkopf. Den muss Lara treffen. „Wenn ich ihn mit meinem Schuss berühre, reicht mir das schon. Dann habe ich trotzdem zehn Punkte. Wenn nicht, bin ich meist so enttäuscht, dass ich meine Atemübungen von vorne beginnen oder kurz rausgehen muss“, erklärt die ehrgeizige Sportschützin.

Vor drei Jahren hat alles angefangen – ihre Sportkarriere. Opa Dieter Heiden hat seine Enkelin, die damals elf Jahre alt war, das erste Mal mit nach Pier genommen. Dort, bei den Sportschützen, schießt der 69-Jährige auch heute noch. Und Lara? Die übertraf alle Erwartungen: „Mein Opa staunte nicht schlecht, und auch die anderen Mitglieder des Vereins waren total begeistert, als ich ein paar Probeschüsse abgegeben habe. Dabei war es doch das erste Mal, dass ich ein Luftgewehr in der Hand hatte“, erinnert sich die Schülerin. Das war die Geburtsstunde ihres neuen Hobbys. Bis dahin spielte sie „nur“ Klavier und hin und wieder Fußball.

Ab dann begleitete sie ihren Opa regelmäßig. „Irgendwann, so nach dem vierten Training“, sagt Lara, „führte ein Trainer des rheinischen Schützenbundes einen Lehrgang in Pier durch und entdeckte mich.“ Mitten im Jahr – eher unüblich für eine Vereinsaufnahme – wechselte Lara den Schützenbund und ging zum PSS Inden/Altdorf. Im selben Jahr trat sie zum ersten Mal bei der Deutschen Meisterschaft in München an und wurde Beste in ihrer Klasse.

Seitdem steigert sich ihre Leistung von Jahr zu Jahr. So ist sie jetzt sogar Landesmeisterin geworden, aber nicht nur das: „Sie wird immer ehrgeiziger. Zwar auf gesunde und kontinuierliche Weise, aber es ist schon beachtlich, wie sehr sie sich dafür begeistert“, betont Laras Mutter.

Es sei aber ein Hobby, das sich ihrer Meinung nach insbesondere für ungeduldige und „wibbelige“ Kinder eignet, so wie Lara eins war. Konzentration und Disziplin, die hier gefragt sind, seien auch für den Alltag sehr wichtig.

Auch in diesem Jahr hat sie sich wieder qualifizieren können und schießt in München bei „der Deutschen“ mit. Da Lara eine der jüngsten Teilnehmer ist und die Disziplinen, in denen sie antritt, „ziemlich schwer“ sind – Luftgewehr und Kleinkaliber im Einzel und in der Mannschaft mit David Schumacher und Nikolas Heider, ebenfalls Pankratius-Sportschützen –, ist ihr Ziel, ins untere Drittel zu kommen.

Sorgen machen sich die Eltern nicht. Es sei eben auch eine Sportart. Und wenn „Lara nicht tanzen möchte, wie andere Mädchen, dann soll sie eben schießen“. Mindestens drei Mal in der Woche steht die 14-Jährige am Schießstand und trainiert.

Aber hat sie überhaupt noch Freizeit bei so hartem Training? Lara: „An den Wochenenden bin ich meistens unterwegs. Die Schießanlagen in Deutschland kenne ich alle, zumindest die, die wichtig sind.“ Und einen Freund hat die 14-Jährige auch noch. Der ist übrigens ebenso sportlich wie sie. „Tobias spielt Handball und ist jetzt nach Gummersbach gezogen, um dort am Ball zu bleiben. Wir besuchen uns gegenseitig und haben beide Verständnis, wenn der andere mal keine Zeit hat. Wir sehen es eben sportlich“, fügt die Schützin mit einem Augenzwinkern hinzu.

In den Herbstferien bleibt leider wieder nicht viel Zeit für die Liebe. Dann nämlich ist das Mädchen wieder auf Tour. Es geht nach Shanghai in ein Trainingslager.

Auch dafür hat sie gespart. Denn so viel Spaß das Hobby auch macht, kostspielig ist es schon. Die Ausrüstung, die Lara am Körper trägt, hat einen Wert von über 4000 Euro, inklusive Luftgewehr. Hinzu kommt das Kleinkaliber, das 2500 Euro kostet, und natürlich braucht Lara auch massig Munition. Die gibt‘s etwa im 5000er Pack für 150 Euro, das wird jährlich verschossen.

Ihr großer Traum ist, „einmal an den olympischen Spielen teilzunehmen, und zu wissen, dass andere mich im Fernsehen sehen, so, wie ich den Olympia-Teilnehmern sonst zusehe.“ Ihr Berufswunsch? Sportsoldatin! Am liebsten in Bayern, denn „die Bayern schießen eben am Besten“.

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