Aldenhoven - Spielhalle im Industriegebiet: Bürger fühlen sich „verschaukelt”

CHIO-Header

Spielhalle im Industriegebiet: Bürger fühlen sich „verschaukelt”

Von: gep
Letzte Aktualisierung:
Vor der schwarzen sieben Meter
Vor der schwarzen sieben Meter hohen Seitenwand der Spielhalle: Anwohner des Ostrings. Foto: Peters

Aldenhoven. Groß war die Aufregung in Aldenhoven, als in der Industriestraße die Bagger anrollten. Die Anwohner des Ostrings fielen im März aus allen Wolken, als das Gerücht die Runde machte, dort im Industriegebiet entstünde eine Spielhalle.

Die Kritik richtete sich vor allem gegen Bürgermeister Lothar Tertel. Dieser habe es „total versäumt, uns zu informieren”. Dieser widersprach. Er habe seit 2009 die politischen Gremien kontinuierlich über den Bau einer weiteren Spielhalle im Kernort informiert.Mittlerweile hat die ortsansässige Thelen-Gruppe ihr „Mega Fun Casino” eröffnet.

Viele der damaligen Befürchtungen sind nicht eingetreten, heißt es am Ostring. „Wir bekommen recht wenig mit”, sagt Willi Dickmeis. Es sei kaum kaum Autolärm zu hören, bestätigt Michael Matyschek. Die angrenzende Schießanlage sei lauter. Auch Dieter Oberhaus „hört im Haus nichts”. Die Belastung „hält sich im Rahmen”. Jetzt, so Dickmeis, müsse man sich „damit abfinden”.

Man habe sich zwischenzeitlich mit dem Inhaber Willi Thelen an einen Tisch gesetzt und „die Bedenken erörtert”. Das Unternehmen versuche, „mit allen klarzukommen”, betont Geschäftsführerin Heike Cranen-Beckers. So würden etwa auf Wunsch der Nachbarn die Lüftungsgeräte am Gebäude „entsprechend isoliert”, so dass die „Lärmkulisse fast auf Null” heruntergefahren werde. „Ich will mich mit allem auseinandersetzen, ob es machbar ist oder nicht”, betont die Geschäftsführerin.

Mit der Anlage eines fünf Meter breiten Grünstreifens aus Bäumen und Sträuchern, der die Spielhalle zu den Gärten am Ostring abschirmen soll, werde „im Laufe der nächsten Monate” begonnen.

Dies schreibt der seit etlichen Jahren geltende Bebauungsplan Nr. A 6/2. Änderung für das Areal „Am Käßwinkel” vor. Danach müssen alle zwei Meter ein Strauch und alle sieben Meter ein Hochstamm gepflanzt werden. Nach Angaben von Cranen-Beckers bleiben zwischen der Bepflanzung und den Gärten rund 1,5 Meter, so dass diese zugänglich bleiben.

Auch habe die Thelen-Gruppe an dieser Seite auf Lichtwerbung und auf den Notausgang verzichtet. Ferner seien die Außenlautsprecher an den drei Eingängen so abgeregelt worden, dass die Musik nur dort hörbar sei. Und von einer Außengastronomie „war nie die Rede”. Zudem sei das Gebäude rundum mit Kameras und Bewegungsmeldern abgesichert. „Hier lungert keiner herum.”

Mit der Spielhallen-Kundschaft sei sie „sehr zufrieden”. Es handele sich um „sehr nette und anspruchsvolle Gäste”. Selbst zu abendlichen Stoßzeiten seien nur etwa 20 Kunden-Pkw auf den Parkplätzen zu finden „Unsere Hauptklientel arbeitet.” Auf dem Gelände jedes Supermarktes sei mehr los. Jeder Mensch habe einen normalen Spieltrieb, den er hier ausleben könne. Und fügt hinzu: „Zocker wollen wir nicht.” Die Video-Überwachung gewährleiste, dass „alles unter Kontrolle” bleibe und die Mitarbeiter „direkt reagieren” könnten”.

Das verhindere Beschaffungskriminalität. Die geschulten Mitarbeiter hätten auch „ein Auge dafür”, ob jemand Anzeichen von Spielsucht zeige. Dann werde der Präventionsbeauftragte des Unternehmens tätig, der den Betreffenden zu fachlicher Beratung verhelfen könne. Zudem gelte: „Kein Alkoholausschank.” Anfang September will die Thelen-Gruppe das Casino offiziell eröffnen. Dazu sind, so Cranen-Beckers, „die Nachbarn logischerweise eingeladen”.

Der Groll gegenüber der Gemeinde ist aber am Ostring noch groß. Dass das Projekt „klammheimlich” durchgezogen worden sei, „das hat uns am meisten enttäuscht”, sagt Dickmeis. Hier seien „Bürger verschaukelt” worden. Vieles von dem, was als Entgegenkommen des Investors bezeichnet worden sei, sei Bestandteil des Bebauungsplans und der Baugenehmigung. Auch habe die Gemeinde einen 24-Stunden-Betrieb genehmigt. Das Schutzinteresse eines Wohngebietes sei hier vernachlässigt worden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert