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Spektakuläre archäologische Funde in Tagebauen des Jülicher Landes

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Dr. Udo Geilenbrügge zeigt etwa 2500 Jahre alten Schmuck aus der Eisenzeit, der bei Pier gefunden wurde und am „Tag der Archäologie“ in Titz-Höllen gezeigt wird. Foto: Uerlings
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Ingrid Thissen schält eine weitere Urne aus der Eisenzeit frei, die mit Erdumgebung aus dem Tagebau Inden geliefert wurde. Foto: Uerlings
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Eine Silberdose, deren Gravur sie als Privatbesitz des Geschlechts Palant von 1583 ausweist (Borschemich/aus dem Tagebau Garzweiler). Foto: Uerlings
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Handwerkskunst als römische Grabbeigabe. Diese Gläser wurden vor etwa 1800 Jahren in Hambach produziert oder bearbeitet. Foto: Uerlings
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Seltener Fund in einem Grab im Tagebau Hambach: der Stempel eines römischen Augenarztes mit Rezepten an den Außenseiten. Foto: Uerlings

Titz/Kreis Düren. Die Vorstellungen vom Leben in unseren Breiten, als sie noch zum Imperium Romanum gehörten, werden durch neueste archäologische Funde in den Tagebauen konkreter. Viele der rheinischen Römer konnten lesen und schreiben und konsultierten Fachmediziner. Das belegen die Beigaben eines Grabes, das im Tagebau Hambach bei Elsdorf gefunden wurde.

Dort war ein römischer Augenarzt bestattet, der nachweislich Rezepte ausstellte. Die Archäologen fanden den Stempel von Dr. Quintus Cosmus. Er ist nur eines der Ausstellungs-Highlights beim „Tag des Archäologie“ am Samstag, 24. Juni, von 10 bis 18 Uhr in der Außenstelle Titz-Höllen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege.

„Ein wirklich äußerst seltenes Objekt im ländlichen Rheinland“, sagt Dr. Udo Geilenbrügge, Leiter der Außenstelle, über den Stempel. Weltweit sind fünf dieser Funde bekannt, bislang nur aus Städten. An den vier Außenseiten der quadratischen Holzplatte befinden sich Verordnungen, auf denen Dr. Cosmus anwies: „mit wohlriechendem Safran eine leichte bakterielle Augenentzündung“ zu behandeln; oder „mit Fasern und Schwämmchen“ gegen eine Bindehautentzündung vorzugehen.

In einem römischen Brunnen fanden die Archäologen vor eineinhalb Jahren eine Jupiter-Statue, die 2016 präsentiert wurde. Später stießen sie hier auch auf antikes, wiederverwertbares Schreibzeug, das nun nach der Restaurierung zu sehen sein wird. Die Nachrichten wurden auf einer mit Wachs überzogenen Holzplatte eingeritzt und übermittelt. Mit einem Schaber ließ sich alles wieder glätten und erneut benutzen. Das belegt die antike Alphabetisierung auch im ländlichen Raum. Wenn die wissenschaftliche Auswertung beendet ist, glaubt Dr. Geilenbrügge an eine neue Sicht der Siedlungen, die da lauten könnte: „Man hat hier die Landhäuser der reichen Römer aus Köln.“

Im Mittelpunkt beim „Tag der Archäologie“ steht aber eine mittlerweile abgeschlossene Ausgrabung bei Inden-Pier. Die Vergangenheits-Forscher stießen auf das mit fast 600 Gräbern größte zusammenhängende Gräberfeld der frühen Eisenzeit im Rheinland (8. bis 6. Jahrhundert v. Chr.). Einige Gräber fallen durch die Beigabe von reichem Bronzeschmuck auf, der neben dem Leichenbrand entnommen und untersucht wurde. Das sind ein Armring, eine auf Bronzedraht aufgezogene Glasperle oder verzierte Halsringe. Weiter im Süden Deutschlands sind diese Opferbeigaben bekannt, „so hoch im Norden nicht“, erklärte Geilenbrügge.

In den Tagebau Inden führt auch die Fahrt beim Aktionstag am 24. Juni. Traditionell werden Besucher zwischen 10 und 16 Uhr mit dem Bus zu einer Ausgrabung gefahren, die sonst nicht zu erreichen ist. Ziel ist erneut die Grabung an den Überresten der St. Helena-Kapelle Vilvenich, die in den vergangenen zwölf Monaten weitere Erkenntnisse geliefert habe, wie Projektleiter Dr. Timo Bremer informierte.

Tiefer im Erdreich fand sein Team deutliche Hinweise darauf, dass die Kapelle wesentlich älter war als angenommen (16. Jahrhundert) beziehungsweise Vorgängerbauten hatte. Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert scheinen wahrscheinlich, vielleicht lasse sich auch eine Existenz schon zu karolingischer Zeit belegen. Allerdings drängt die Zeit, denn schon in den nächsten zwei Wochen dürften die Braunkohlebagger die Grabungsstelle erreicht haben. Der Tag der Archäologie ist sicher die letzte Gelegenheit, diesen Flecken Heimaterde noch einmal zu sehen.

Spektakuläre Funde gab es auch bei den Grabungen im Tagebau Garzweiler. Die Geschichte von Haus Palant (Borschemich/Herzogtum Jülich) konnte konkretisiert und nachgewiesen werden: so die (Teil-)Zerstörung 1586. Im Schutt kam eine Silberdose (Pyxis) aus dem Privatbesitz derer von Palant zum Vorschein. Sie trägt das Wappen, den Wahlspruch („Ruhe nicht, suche hier“) und das Prägedatum 1583.

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