Aldenhoven - SPD stellt einen Unabhängigen als Bürgermeisterkandidat auf

SPD stellt einen Unabhängigen als Bürgermeisterkandidat auf

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
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Fairer Beifall vom unterlegenen Bewerber Udo Wassenhoven (l.), der Stephan Spaltner als erster gratulierte. Der 49-Jährige wird im Bürgermeisterwahlkampf für die Aldenhovener SPD antreten. Foto: Wolters
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Ortsvereinsvorsitzender Raoul Pöhler ließ Blumen sprechen, als er „seinem Kandidaten“ gratulierte. Foto: Wolters

Aldenhoven. Mit einer Überraschung endete Freitag Abend bei der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Aldenhoven in der Cafeteria von Gut Köttenich die Aufstellung des Bürgermeisterkandidaten. Mit Stephan Spaltner setzte sich ein parteiloser Bewerber mit 35:21-Stimmen deutlich gegen SPD-Urgestein Udo Wassenhoven durch, der seit zehn Jahren die SPD-Fraktion im Aldenhovener Gemeinderat führt.

Das Votum ist gleichzeitig ein Erfolg für den Ortsvereinsvorsitzenden Raoul Pöhler, der mit Spaltner einen erfahrenen Verwaltungsfachmann favorisiert hatte.

Pöhler hatte schon bei der Begrüßung von einem denkwürdigen Abend gesprochen, der die Vorbereitung auf ein besonderes Ereignis sei: Die Bürgermeisterwahl am 28. August. „Udo, Du hast Stehvermögen, Du kannst das“, zeigte der SPD-Vormann noch keine Präferenz auf, auch wenn er bei der Vorstellung des unabhängigen Kandidaten einflocht: „Wir suchen den Fachmann, nicht den Parteisoldaten.“ Pöhler machte keinen Hehl daraus, dass er den amtierenden Bürgermeister für unzureichend hält. Durch das Kommunalwahlergebnis habe die SPD Aldenhoven einen Vertrauensvorschuss erhalten, „jetzt müssen wir liefern“. Schon auf den Wahlplakaten habe gestanden: „Wir sind bereit“, nun müsse bewiesen werden, dass der Ortsverein fähig sei, „einen Kandidaten zu bestellen, der mit uns bereit ist“.

„Es gibt nicht viele Ortsvereine, die zwischen zwei Kandidaten wählen können“, sagte Hartmut Simmelink-Weinstein, Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Düren, der zum Versammlungsleiter gewählt wurde und das weitere Prozedere bei der Kandidatenaufstellung auf Richtigkeit und Vollständigkeit hin überwachte und die diversen Regularien auf den Weg brachte, die sich von „normalen“ Wahlen innerhalb des Ortsvereins leicht unterscheiden.

Die Vorstellungsrunde der beiden Kandidaten erfolgte in alphabetischer Reihenfolge. Stephan Willy Spaltner, gebürtig aus Merkstein und dort noch immer wohnend, zog zunächst den Hut vor dem Ortsverein Aldenhoven für den Mut, einen unabhängigen Kandidaten in die engere Wahl zu ziehen. Er skizzierte kurz seinen schulischen und beruflichen Werdegang, wobei seine letzten Tätigkeiten als persönlicher Referent des Alsdorfer Bürgermeisters und als Dezernent für Soziales, Jugend, Schulen und Sport der Stadt Alsdorf mit rund 150 Mitarbeitern den Schwerpunkt bildeten. Programmatisch betonte der 49-jährige Familienvater die weitere Bevölkerungsentwicklung und Demografie. So sei es wichtig, den Zuzug junger Familien zu fördern und möglichst neue Baugebiete mit einer Anbindung zur Euregiobahn zu schaffen. Dies sei auch in Alsdorf sehr erfolgreich angelaufen.

Weiterhin möchte Spaltner unter dem Stichwort „soziale Kommune“ Fördermittel von Land und Bund aquirieren. Bei der interkommunalen Zusammenarbeit vertraut Spaltner auf sein Netzwerk zur benachbarten Städteregion und verspricht sich dadurch auch Ansiedlungen auf gemeinsamen Gewerbe- und Industriegebieten, etwa mit der Stadt Baesweiler. Spaltners Credo: „Wirtschaftsförderung ist für mich Chefsache.“ Ein weiterer Schwerpunkt sind für ihn die Investitionen in die Bildung als Zukunftsaufgabe. So soll die Gesamtschule in Aldenhoven eine zum Wohlfühlen, wo gleichwohl beste Abschlüsse vergeben werden. Im Finanzsektor möchte Spaltner die Handlungsfähigkeit der Gemeinde zurückgewinnen. Dazu sollen auch und vor allem die Kompetenzen des Diplom-Kaufmanns in der Finanz- und Kostenrechnung beitragen. Er will „künftig die beste Politik für Aldenhoven machen“ und gemeinsam die Gemeinde nach vorne bringen.

Udo Matthias Wassenhoven kündigte an, dass er sich für eine „Kultur des Miteinanders“ einsetzen wolle, die es im Gemeinderat aufzubauen gelte. Zudem gehe es für die Aldenhovener SPD darum, unabhängig vom Kandidaten die anstehende Bürgermeisterwahl zu gewinnen. Er traue sich das zu, wenn die SPD wie in der Kommunalwahl, die sensationell gewonnen wurde, geschlossen zusammenstehe. „Ich bin ein Kind unserer Dörfer“, bekannte der in Freialdenhoven geborene und lebende 58-Jährige, der im Gymnasium Haus Overbach sein Abitur ablegte, eine Zeit lang auf Lehramt studierte und seit 25 Jahren bei einem großen Versicherungsunternehmen im Bereich Organisation, Marketing und Finanzen tätig ist. Stolz ist Wassenhoven auch und vor allem auf das „SPD-Kind“ namens Gesamtschule, das gegen manigfaltige Widerstände aus der Taufe gehoben worden ist.

Doch alle Erfolge, auch bei der Wahl, seien kein Selbstzweck, sondern müssten auch dazu führen, dass die SPD den künftigen Aldenhovener Bürgermeister stellt. „Dabei haben die Bürger das letzte Wort.“ Feierbiest Wassenhoven, der den Karneval zu seinen Hobbys zählt, offenbarte der Mitgliederversammlung auch seine anderen Seiten: Er habe nicht die Absicht, „Jedermanns Liebling zu sein“, verspreche aber zu arbeiten und zu kämpfen, um bei der Bürgermeisterwahl zu gewinnen. „Wir können und wir werden es schaffen.“

Der letzte SPD-Bürgermeister

Nachdem Alt-Bürgermeister Ulf Vit, der letzter seiner Art aus Reihen der SPD, gefragt hatte, was im Wahlkampf geplant sei – Flyer, Plakate und die SPD-Zeitung, Udo Wassenhoven hat schon etwas vorbereitet – wurde es mit dem Verteilen der Stimmzettel mit anschließender Wahl langsam spanned. Von 56 stimmberechtigten Mitgliedern wählten 35 Stephan Spaltner und 21 Udo Wassenhoven. Spaltner, dem Wassenhoven als erster gratulierte, dankte den Mitgliedern für den überwältigenden Vertrauensbeweis und kündigte an, mit der gleichen Geschlossenheit im Wahlkampf ums Bürgermeisteramt zusammen nach vorne marschieren zu wollen.

Mit stolzgeschwelter Brust ließ Ortsvereinsvorsitzender Raoul Pöhler beim Glückwunsch an Spaltner Blumen sprechen und kündigte an: „Jetzt werden wir die Politik machen, die wir seit Jahren wollen.“ Stolz ist der SPD-Chef auch auf seinen Fraktionsvorsitzenden, der für einen Bürgermeisterwahlkampf aus einem Guss stehe und im Gemeinderat die nötigen Mehrheiten organisieren müsse. Pöhler zu Wassenhoven: „Wir brauchen Dich.“

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