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Soziale Anlaufstellen vor der Schließung?

Von: Daniela Martinak
Letzte Aktualisierung:
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Der Verein Frauen helfen Frauen und die Drogenberatungsstelle hoffen weiterhin auf Zuschüsse der Stadt. Ohne diese droht den beiden Einrichtungen das Aus. Foto: Martinak

Jülich. „Wir brauchen Unterstützung. Dieser Hilferuf ist wirklich notwendig“, betont Dagmar Ahrens vom Verein Frauen helfen Frauen in Jülich. Mir nichts, dir nichts soll der Beratungsstelle nämlich bald der Zuschuss der Stadt Jülich gestrichen werden. Und nicht nur dieser Einrichtung soll es so gehen.

Auch die Drogenberatunsstelle des Kreises Düren ist betroffen, insbesondere die Nebenstelle in der Jülicher Ellbachstraße leidet dann darunter. Vielmehr die Jülicher Klienten, die laut Wilfried Pallenberg, Leiter der Drogenberatungsstelle, „definitiv nicht alle nach Düren zu einem Beratunsgespräch kommen werden, wenn diese Stelle hier schließt“, blieben dann auf der Strecke. Ebenso wie die Frauen und Mädchen, die bei Frauen helfen Frauen in die Römerstraße Rat und Hilfe suchen.

Während die Frauenberatungsstelle dann auf 11 520 Euro (ein Drittel der Betriebskosten) Zuschuss verzichten müsste, handelt es sich bei der Drogenberatung um deutlich mehr: 24 500 Euro (die Hälfte der anfallenden Kosten).

Erfahren haben beide Institutionen nach eigenen Angaben erst kürzlich davon und hatten noch nicht einmal Gelegenheit, sich zur Wehr zu setzen. „Wir wissen, dass Ebbe in den Kassen der Stadt herrscht, aber wir finden es absolut unfair, dass gerade wichtige soziale Einrichtungen darunter leiden sollen“, beschwert sich Ahrens. Und auch Pallenberg hat seine Meinung: „Ich bin überzeugt davon, dass dieser Beschluss schon länger feststeht und man es einfach nicht für nötig hielt, mit uns zu sprechen. Jetzt werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen zusehen, wie wir damit zurecht kommen. Das ist doch eine Verhöhnung der Sitten.“

Es sei einfach nicht gerechtfertigt, dass kulturelle Einrichtungen und Stiftungen weiterhin unterstützt werden sollen und die sozialen Institutionen auf der Strecke bleiben.

Aus diesem Grund beteiligte sich auch Emily Willkomm-Laufs, Mitglieder der Grünen-Fraktion im Stadtrat, an dem Gespräch, das die beiden betroffenen Einrichtungen einberufen hatten, um die Öffentlichkeit über die Vorhaben der Stadtverwaltung zu informieren und um Unterstützung zu bitten. Auch die Stadtverordnete kann diesen Vorschlag im Haushaltsentwurf nicht nachvollziehen. Im gestrigen Ausschuss für Jugend-, Familie-, Schule und Sport stellte die Partei deshalb bereits einen Antrag, der die bisherigen Zuschüsse vorerst einfrieren soll: „Die Stadt möchte, dass der Kreis die Zuschüsse übernimmt und somit die beiden Einrichtungen mitfinanziert. Es ist aber noch nicht klar, ob der Kreis überhaupt dazu bereit ist. Und so lange soll die Stadt die Bürgschaft übernehmen, dass das Geld weiterhin zur Verfügung steht.“

Auch im nächsten Haupt- und Finanzausschuss soll noch einmal kräftig darüber diskuitiert werden, bis letztlich der Rat der Stadt darüber entscheidet.

Beide Beratungsstellen existieren schon Jahrzehnte in der Herzogstadt. Während die Drogenberatung seit 1981 abhängige und gefährdete Menschen unterstützt, ist die Frauenberatung bereits seit 1987 eine Anlaufstelle für misshandelte Frauen und Mädchen, die sich in Krisensituationen befinden und alleine nicht mehr herauskommen.

Fakt sei, sind sich Ahrens und Pallenberg einig, dass bei einer Streichung der städtischen Zuschüsse in beiden Einrichtungen das Licht ausgehe. Zumindest vorerst. Und zahlreiche Jülicher, die die Beratungsstellen aufgesucht und sich auf diese Unterstützung verlassen haben, landeten entweder auf der Straße oder in Heimen, wenn nicht im Gefängnis.

„Es hat uns so eiskalt erwischt, dass es weh tut. Wenn solch eine Struktur wegbricht – dann gute Nacht“, schlussfolgert Ahrens.

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