Sozialarbeiterin mit glücklichem Händchen

Von: gep
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Im Gespräch mit Schülerinne
Im Gespräch mit Schülerinnen des MGJ: Sozialarbeiterin Sabine Jacobi (Mitte). Foto: gep

Jülich. Einen Spitznamen hat sie schon am Mädchengymnasium Jülich (MGJ): „Zwegat”. Denn der RTL-Zahlen-Mann Peter Zwegat aus der Real-Life-Doku „Raus aus den Schulden” arbeitet wie die Schulsozialarbeiterin Sabine Jacobi mit Flip-Charts.

Am Tafelschreibblock hatte sie einer kleinen Gruppe von Schülerinnen, die aneinander geraten waren, mit einem dicken Filzstift illustriert, wie sie ihre Konflikte künftig einvernehmlich lösen können.

Genau das erinnerte eine der Kontrahentinnen an Zwegat, den Bildungsfernsehmacher beim Kölner Boulevard-Sender, der laut eigener Aussage „Hilfe zur Selbsthilfe” anbietet - allerdings vor laufender Kamera.

Für Sabine Jacobi (46) ist dagegen Schweigepflicht oberstes Gebot, denn sie versteht sich als „Anwältin der Schülerschaft”.

Sie gewinne schnell Vertrauen, sagt Maria Bardenheuer, Schulleiterin des MGJ. Nicht nur weil „die Kinder wissen, dass sie unter Schweigepflicht steht”, sondern weil sie auch „ein glückliches Händchen” im Umgang mit Sorgenkindern habe. „Die ganzen Lehrer sind glücklich”, dass Jacobi am MGJ arbeite.

Seit September steht sie im Dienst der Privatschule - teils auf Rechnung des Schulträgers, teils (seit Januar) finanziert durch das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung.

Das Paket soll bedürftigen Kindern aus Geringverdienerfamilien mehr Zukunftschancen ermöglichen - nicht nur bei der Beschaffung von Schulmaterial, der Teilnahme an Klassenfahrten, dem Mittagessen an der Schule oder Nachhilfeunterricht, bezuschusst wird auch eine Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Unterricht an Musikschulen.

Die Stadt Jülich hat, ebenfalls finanziert durch dieses Bildungspaket, im Januar dreieinhalb Schulsozialarbeiter-Stellen eingerichtet. Sabine Jacobi ist seither Ansprechpartnerin auch am Gymnasium Zitadelle und am Gymnasium Haus Overbach. Sie soll u. a. sicherstellen, dass die Leistungen aus dem Bildungspaket beantragt werden.

Ausreichend bemessen

„Eine Schule ohne Sozialarbeiter dürfte es nicht geben.” Dieser Überzeugung ist Maria Bardenheuer schon längst. Aber „mit einem angemessenen Stundenkontingent”, fügt Jacobi hinzu.

Gleichwohl, so Bardenheuer, sei das MGJ im Vergleich noch „eine Schule ohne Probleme”, so gebe es etwa keine gewalttätigen Auseinandersetzungen. Aber „guter Unterricht reicht nicht”, sagt Studienrat Thomas Floßdorf.

Die Schülerinnen brächten heute ihre Probleme mit in die Schule, legt die MGJ-Leiterin dar. Dann seien sie nicht mehr richtig leistungsfähig. „Unsere Kinder müssen den Kopf frei haben, um lernen zu können.” Und auch die Eltern seien froh, „wenn Frau Jacobi hilft”.

Sabine Jacobi ist vor allem auf vier Feldern gefordert, schildert sie: Familienkonflikte, Essstörungen, Versagensängste und mangelnde Konfliktfähigkeit. Finanzielle Probleme wie etwa ausufernde Handy-Kosten, ein klassisches Zwegat-Thema, sind dagegen ein „Randthema” an der Privatschule.

Sie biete „Hilfe zur Selbsthilfe”. Und „die Lösungen sind eigentlich schon vorgegeben”, und es sind „nicht meine Lösungen”, betont sie. Im Umgang mit den Schülerinnen trete dabei „freundlich, aber klar und eindeutig” auf.

Jacobi habe „ein glückliches Händchen, sie gewinnt schnell Vertrauen”, sagt Bardenheuer. „Die ganzen Lehrer sind glücklich”, dass jetzt eine „supergute Sozialarbeiterin” an der Schule arbeite, „weil sie auch entlastet werden” von Aufgaben, für die sie nicht ausgebildet seien. Jacobi selbst fühlt sich „positiv aufgenommen” an der Weyer-Straße.

Was sie bekommt, ist ein eigenes Büro, die Möbel darf sie selbst aussuchen. Die Schulsozialarbeiterin will ihr Büro „in freundlichen Farben” gestalten - vielleicht in Apfelgrün.

Damit unterscheidet sie sich eindeutig von TV-Privatsanierer Peter Zwegat. Der ebenfalls gelernte Sozialarbeiter wollte für seine erste Wohnung Fototapete in Wohnzimmer und Schlafzimmer. 630 Mark kosteten die sieben Bahnen, „damals „ein Schweinegeld”.

Er nahm einen Kredit auf und stotterte ihn mit hohen Raten ab. Zwegats Urteil über seine Finanzierung ohne Flip-Charts: „Das kann nicht funktionieren”.

Ein Faible für Krimis, Theater, Oper und Musicals

Sabine Jacobi (46) hat Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule Aachen bis zum Diplom studiert.

Vor ihrem Jülicher Job war sie Projektleiterin bei der Arbeiterwohlfahrt Aachener Land. Sie half dort Alleinerziehenden, die Hartz IV beziehen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das war ein „supertolles Projekt”, sagt sie. Doch dann wurden die Mittel zusammengestrichen. Zuvor war sie beim Jugendamt der Stadt Alsdorf in der sozialpädagogischen Familienhilfe tätig.

Die Baesweilerin ist verheiratet und Mutter zweier Mädchen im Alter von 12 und 14. Mindestens einmal in der Woche joggt sie und geht neuerdings mit der ganzen Familie auch in die „Muckibude”. Sie liest gerne Krimis, ihre Favoriten sind die Autoren Jussi Adler-Olson und Sebastian Fitzek.

„Total gerne” geht sie ins Theater. Sie liebt die klassische Oper, neuerdings auch Musicals.

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