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So will Jülich seiner schwärzesten Stunde vor 70 Jahren gedenken

Von: jan
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Hinter den Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestags der Zerstörung Jülichs stecken viele Gesichter. Foto: Jansen

Jülich. Der 16. November 1944 ist der dunkelste Tag in der Geschichte Jülichs. Am Sonntag in einer Woche jährt sich der Luftangriff britischer Kampfflugzeuge, der die Stadt innerhalb einer halben Stunde völlig zerstört hat, zum 70. Mal.

„Es ist wichtig, dass wir diesen Tag entsprechend begehen“, sagte Jülichs Bürgermeister Heinrich Stommel, als die Initiatoren das Programm am Jahrestag des Bombardements vorgestellt haben. Drei zentrale Schlagworte gibt es: Gedenken, Erinnerung, Mahnung.

„70 Jahre nach dieser Katastrophe gibt es immer weniger Menschen, die einen direkten Bezug zu den Ereignissen haben“, sagte Guido von Büren zu den Überlegungen der Planer. „Wir wollten eine Form finden, die anschlussfähig ist auch für jüngere Menschen oder für Menschen, die als Migranten zu uns gekommen sind“, sagte von Büren. Zudem sei wichtig, nicht am 16. November 1944 stehen zu bleiben, sondern das gesamte Panorama samt Vorgeschichte zu beleuchten.

Den Auftakt macht eine Ansprache von Bürgermeister Stommel am Gedenkstein auf dem Schlossplatz, die dann beginnt, als 70 Jahre zuvor die ersten Bomben fielen, um 15.28 Uhr. Ab 16.15 Uhr folgt im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums Zitadelle ein Vortrag des Abiturjahrgangs der Schule. Die Schüler haben Zeitzeugen interviewt. Eine Stunde später beginnt am Mahnmal am Propst-Bechte-Platz eine Lichterkette.

Musikalischer Schlusspunkt

Den Abschluss des 70. Jahrestages bildet ab 19 Uhr ein musikalischen Schlusspunkt mit einem Konzert, zu dem der Overbacher Kammerchor sowie das Orchester und Mitglieder des Collegium Musicum Jülich in die Propsteikirche einladen.

Neben der Stadt beteiligen sich das Museum, das Gymnasium Zitadelle, die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz, der Sachausschuss Ökumene, die Overbacher Chöre und das Collegium Musicum.

Bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal soll laut von Büren klar werden, dass der Angriff kein Gewitter aus heiterem Himmel gewesen sei, sondern eine dunkle Vorgeschichte habe, mit Schuld auf deutscher Seite.

Die Schüler des Gymnasiums Zitadelle haben sich mit dem Begriff der Erinnerung beschäftigt. Ihre Arbeit dreht sich laut Lehrer Dirk Neumann um die drei Schwerpunkte Zerstörung, Einnahme und Befreiung sowie den Wiederaufbau. Zum Abschluss des zweiten Punktes singt der Kammerchor der Schule.

Mahnung ist das Schlagwort der Lichterkette. „Es geht um die Erinnerung an eine schlimme Zeit“, sagte Heinz Spelthan von der Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz. Diese erstrecke sich auf die gesamte nationalsozialistische Herrschaft von 1933 bis 1945. Jülich dunkelster Stunde seien viele schlimme Momente vorausgegangen, wie die Reichspogromnacht am 9. November 1938.

Mozarts Requiem

Der künstlerische Leiter der Overbacher Chöre, Kerry Jago, sprach von einem lang gehegten Wunsch. Seine Sänger und hätten schon lange mit dem Gedanken gespielt, Mozarts Requiem zu singen. „In diesem Zusammenhang ist es natürlich falsch, davon zu sprechen, dass wir uns freuen. Aber wir sind stolz, dass wir etwas zu diesem Gedenktag beitragen können“, sagte Jago. Zudem intonieren die insgesamt 65 Sänger die Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger, die er nach der Zerstörung Dresdens komponierte.

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