Titz - Sensationsfund: Wassermühle aus dem Indetal 2000 Jahre alt

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Sensationsfund: Wassermühle aus dem Indetal 2000 Jahre alt

Von: Elke Silberer, dpa
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Tag der Archäologie in Titz
Archäologe Udo Geilenbrügge, Leiter der LVR-Außenstelle Titz, schaut im Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Titz bei Jülich durch das Loch einer historischen Mahlscheibe. Die Mahlscheibe ist Teil der Ausgrabung einer Wassermühle, die auf die Zeit um Christi Geburt datiert wird. Insofern sich diese Annahme bestätigt, wäre dies die älteste Mühle nördlich der Alpen. Foto: dpa

Titz. Eine Kleinigkeit wollten die Archäologen nur noch herausfinden - und landeten einen sensationellen Volltreffer: Im Rheinland fanden sie die bisher älteste Wassermühle nördlich der Alpen.

Sie stammt aus der Zeit um Christi Geburt, teilte Ausgrabungsleiter Udo Geilenbrügge vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege am Dienstag in Titz mit. Der Fund besteht aus zwei großen hölzernen Achslagern, schaufelähnlichen Gegenständen und aus Mahlsteinen. In der Mühle an einem Altarm des kleinen Flüsschen Inde wurde aus Getreide Öl und Mehl gewonnen. „Man kann von einer Sensation sprechen”, kommentierte Geilenbrügge den Fund.

Für die Experten ist das Alter der Mühle eine Überraschung. „Dass die Römer, wo sie doch gerade mal mit Cäsar in den 50er Jahren vor Christus hierhergekommen waren, so schnell ihre Technologie importiert haben, das war so nicht zu erwarten gewesen”, sagte Geilenbrügge. Dass die Archäologen die Mühle überhaupt fanden, war ein Glücksfall. Mühlen liegen immer außerhalb von Siedlungen.

Archäologen graben aber im Zentrum von Siedlungsanlagen. So auch im Indetal, wo die Experten an einer Siedlung aus dem 1. Jahrhundert vor Christus arbeiten. „Wir wollten nur noch einen Grabenverlauf und dessen Position zum Altarm der Inde klären”, erklärte der Archäologe. Dabei stießen sie ganz unerwartet auf das Juwel.

Die Reste der Mühle lagen über Jahrhunderte an dem Altarm der Inde in einer feuchten Mulde, sicher eingeschlossen von Lehm- und Kiesschichten. Für eine naturwissenschaftliche Datierung müssten die Funde zerstört werden. „Das wollen wir erst einmal vermeiden”, sagte Geilenbrügge. Stattdessen datierten die Experten sogenannte Beifunde - uralte Sicherheitsnadeln „Fibeln”, mit denen die Menschen damals ihre Kleidung zusammensteckten. Die Betreiber der Mühle hatten sie wohl bei der Arbeit verloren. „Die Fibeln waren starken modischen Schwankungen unterworfen, und erlauben uns eine genaue zeitliche Analyse. So dass man sagen kann: Die sind aus der Zeit letzte Jahrzehnte vor Christi Geburt.”

Zu der Zeit stand das Gebiet unter dem Einfluss der Römer. Aus Tonscherben schlossen die Archäologen aber auf Einheimische. „Insofern werden es Einheimische gewesen sein, die sich auf schlaue Weise direkt die römische Technologie angeeignet haben.” Diese und andere Fundstücke werden am Tag der Archäologie am 29. August gezeigt.
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