Selbst die Räumfahrzeuge bleiben stecken

Von: ma.ho./ja/gep
Letzte Aktualisierung:
schnee bilder
Weiße Weihnacht im Jülicher Land: An Tankstellen ging der Kraftstoff aus. Da Einkaufen mit dem Auto recht mühsam war, spannten zwei Stetternicherinnen kurzerhand ein Pony vor die Schlitten. Foto: Horrig

Jülicher Land. So hoch lag der Schnee im Jülicher Land, dass selbst Räumfahrzeuge am Donnerstag und Freitag stecken blieben. Und auch ein Rettungswagen kam in Lich-Steinstraß nicht mehr vorwärts, bis er von der Jülicher Feuerwehr flott gemacht wurde - ebenso wie zwei festgefahrene Pkw. Bereits frühzeitig griffen auch Hausbewohner zu Schneeschaufel und Streusalz und nutzen die Gelegenheit auch zu einem nachbarschaftlichen Plausch.

Sah es in der Nacht zum Heiligabend so aus, als würde der Schneespuk endlich ein Ende nehmen, so schneite es nahezu unaufhörlich bis in den Vormittag hinein.

„Streuen nutzte nichts mehr”, berichtete der Leiter des Aldenhovener Baubetriebshofes, Leo Karduck, am Sonntag. Der Schnee war zu hoch, und es bildete sich sofort wieder eine Eisschicht.

An Heiligabend waren, zusammengetrommelt von Bürgermeister Lothar Tertel, Ordnungsamt, Feuerwehr, Bauhof und Landwirte aus allen Orten der Gemeinde im Einsatz. „Alle haben an einem Strang gezogen”, bilanzierte Karduck. Die Feuerwehrleute zogen mit ihren schweren Fahrzeugen zunächst Spurrillen, damit Autos wieder vorwärts kamen, der Bauhof räumte besonders an den Kreuzungen den Schnee weg, und die Landwirte machten mit dem Wegehobel die Straßen in den kleineren Dörfern frei.

Einsatz erforderte auch, dass Gebäude wie etwa Hallen aufgrund der Schneemassen auf dem Dach einsturzgefährdet waren. Auch am 1. und 2. Weihnachtstag wurde „gemacht und getan”, lobte Karduck das „Wir-Gefühl” in der Merzbach-Gemeinde.

In Jülich türmten sich angesichts der Mengen, die von den Bürgersteigen entfernt werden mussten, schnell hohe Schneehaufen auf den Gehwegen und neben den Hauseingängen. Manche Jülicher Bürger beschwerten sich, dass die Grundstückseinfahrten, die zuvor mühsam freigeschaufelt worden waren, von den Räumfahrzeugen, die die Straßen passierbar machten, wieder zugeschoben wurden.

Da Streusalzseit Tagen knapp ist, gab es an Mittwoch und Donnerstag in einigen Discountern noch Hamsterkäufe: Speisesalz wurde kiloweise eingekauft.

Aber nicht nur der Schnee sorgte für Chaos, sondern auch das Eis auf den Fahrbahnen und Bürgersteigen sowie Schneeschollen und Eiszapfen, die sich an Hausdächern und Straßenlaternen gebildet hatten. Die Jülicher Wehrleute rückten daher mit der Drehleiter aus. Am Sonntagmorgen entfernten sie in Güsten einen Baum, der halb auf der Straße lag.

Unerfreulich für Stammkunden manch einer Tankstelle in Jülich war die Tatsache, dass Benzin und Diesel knapp wurden oder ganz ausverkauft waren.

Als Ursache hierfür nannte die Mitarbeiterin einer Tankstelle, dass aufgrund des Lkw-Fahrverbotes auf den Autobahnen kein Treibstoff mehr vor den Feiertagen angeliefert werden konnte.

Die Rurtalbahn versuchte am 1. Feiertag mit 40 Mann, Bahnübergänge und Weichen freizuschaufeln, erklärte Geschäftsführer Hans-Peter Nießen. Nach Kontrollfahrten mit einer schweren Güterzug-Lok konnte am Samstag die Strecke Düren-Linnich wieder bedient werden, am Sonntag erreichten auf dem Südast die ersten Regiosprinter auch wieder das tief verschneite Heimbach.

Natürlich gab es aber auch welche, die sich riesig über den Schnee freuten. Kinder spielten draußen herum - eine richtige Schneeballschlacht fehlte dabei nicht - und bauten Schneemänner. Fröhlich saßen die Kleinen auf ihren Schlitten und ließen sich von den Eltern oder Großeltern durch den Schnee ziehen. Ganz komfortabel hatten es zwei Damen, die von Stetternich kommend mit Pony und Schlitten in Jülich einkaufen gingen.

Glücklicherweise zeigte sich dann der 1. Weihnachtsfeiertag von der freundlichen Seite. Die Sonne lockte zu einem Spaziergang durch die winterliche Stadt und die schneebedeckte Landschaft, obwohl es an manchen Stellen doch glatt war.

Nach rund 30 witterungsbedingten Unfällen am Donnerstag zählte die Polizei bis Sonntagnachmittag weitere 14 im Kreis. Beim Abbiegen im Gewerbegebiet „Im Großen Tal” wurde am Abend des 1. Weihnachtstages eine 28-jährige Niederziererin leicht verletzt. Sie war mit dem Wagen eines entgegenkommenden Pkw eines 19-jährigen Düreners zusammengestoßen, der den Unfall trotz Vollbremsung nicht verhindern konnte.

An einem Unfall gegen 10 Uhr auf der Landesstraße 33 zwischen Vettweiß und Nideggen war ein Räumfahrzeug beteiligt. Der Gesamtsachschaden betrug etwa 20.000 Euro. Vermutlich durch die Masse einer Schneewehe wurde das Räumfahrzeug nach links geschoben und kollidierte mit einem entgegenkommenden Pkw eines 25-jährigen Hürtgenwalders. Unfallflucht beging an Heiligabend in Kreuzau der Fahrer eines Geländewagens mit Anhänger.

Er fuhr davon und missachtete dabei das Rotlicht einer Ampel. Der Gespannfahrer war - vermutlich aufgrund der Spurrillen im Schnee - mit einem entgegenkommenden Pkw zusammengestoßen.

Nach wie vor müsse mit Behinderungen im Straßenverkehr gerechnet werden, warnte die Polizei am Sonntag. Aber auch Fußgängerverkehr seien nicht vor Gefahren gefeit. Nicht geräumte Gehwege sowie Schneeüberhänge und Eiszapfen an Hausdächern könnten tückisch sein. Deren Beseitigung sei grundsätzlich, so die Ordnungshüter, zunächst Aufgabe der Hauseigentümer.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert