Seit 20 Jahren: Linnicher hilft Indiens Armen

Von: Pia Wilbrand
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Linnich. Schon als Kind fühlte sich Bernhard Meuffels magisch vom indischen Subkontinent angezogen. Nach seinem Studium Ende der 1980er machte er seinen Traum wahr und bereiste das Land. „Ich stand damals in Kontakt zu einem indischen Priester und wie das in Indien dann so ist, habe ich auch schnell die Leute in seinem Umfeld kennengelernt.”

Die Gastfreundschaft und die Offenheit der Menschen hätten ihn sehr beeindruckt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat versuchte er deshalb, den Kontakt zu seinen indischen Bekannten zu halten. „Dann hörte ich, dass eine der Frauen an Tuberkulose erkrankt sei und dringend Geld für ihre medikamentöse Versorgung gebraucht wird.”

Für Bernhard Meuffels, der heute in Linnich wohnt, stand schnell fest, dass er helfen wollte. Bekannte und Freunde bat er um finanzielle Unterstützung „und am Ende hatte ich viel zu viel Geld”, erzählt er heute. Deshalb habe er das restliche Geld einem Krankenhaus in Mumbai in Indien gespendet. „So konnte man Slum-Kliniken mit Medikamenten versorgen.”

Aus dieser Aktion hat sich seine Privatinitiative gegründet, für die er auch 20 Jahre nach diesem Erlebnis noch ehrenamtlich einsetzt. Meuffels Initiative gehört zum Heinsberger Dachverband „HS - Ein Kreis hilft”. Mittlerweile unterstützen er und eine Spendergruppe von etwa 100 Leuten mit der Initiative hauptsächlich zwei Projekte in Südindien.

In Kallukurichi wird das Hilfsprojekt Sadhana mit Bildungs- und Gesundheitsprogrammen sowie dem Aufbau von Unterricht unterstützt. In Vettavalam werden Kurse zur beruflichen Qualifizierung und Weiterbildung angeboten und auch Bildungsprojekte für Arme, Brunnenbau sowie medizinische Versorgung ermöglicht. In Vettavalam ist die Gesellschaft für soziale Entwicklung, eine lokale Hilfsorganisation, die leitende Organisation des Projektes.

„Und das ist es auch, was ich möchte. Ich möchte nicht als besserwisserischer Westler auftreten, der den Menschen erklärt, was angeblich das Beste für sie ist.” Das könnten die Leute vor Ort viel besser beurteilen als er. Die Organisationen vor Ort sind gemeinnützige anerkannte Vereine, wie es sie auch in Deutschland gibt. Sie unterstehen der Kontrolle von Buchhaltern und der Regierung. „Ich stehe in engem und oft freundschaftlichen Kontakt zu den Verantwortlichen”, sagt Meuffels. Sie berichten ihm regelmäßig darüber, wofür seine gesammelten Spendengelder ausgegeben werden, doch die Entscheidung darüber läge ganz bei ihnen.

Projekte, die mit der finanziellen Hilfe aus Deutschland verwirklicht wurden, waren zum Beispiel der Bau der St. Mary´s Schule in Kallakurichi, eines Ausbildungszentrums und die Anschaffung eines kleinen Spielplatzes. Auch die „Free Eye Camps” stellen eine wichtige Errungenschaft dar. „Da können Menschen, die sich eine medizinische Untersuchung ihrer Augen nicht leisten können kostenlos behandeln lassen.”

Bernhard Meuffels bittet nicht nur um Spendengelder, sondern auch um Haushaltswaren und Schmuck, den er für den guten Zweck versteigern kann. „Für ein Set von Villeroy und Boch habe ich zum Beispiel 400 Euro ersteigern können.” Da Meuffels selbst ehrenamtlich arbeitet und kleinere Ausgaben, wie für Rundbriefe an seinen Spenderkreis, aus eigener Tasche bezahlt, kommt das Geld eins zu eins in Indien an. Als Konkurrent zu anderen Hilfsorganisationen in Deutschland möchte er sich nicht sehen. „das finde ich albern. Überall wird Geld gebraucht, da sollte man als Initiative mit andern zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten.”

Meuffels vermittelt auch gerne kostenlos Praktikanten an die indischen Organisationen. „Manche Praktikanten haben danach begonnen, eigene Initiativen zu gründen, das finde ich hervorragend.” So wie Maino Tscharn, die im Alter von etwa 50 Jaren für sechs Wochen in Vetallam hospitiert hat und demnächst erneut nach Indien fliegen wird. Die Gruppe der bisherigen Praktikanten sei sehr heterogen.

„Vom Studenten aus Nürnberg bis zu einer 50-jährigen Dame hatten wir eigentlich alle möglichen Personen dabei”, erinnert sich Meuffels. „Allerdings fragen mich Interessenten immer wieder, ob unsere Organisation oder diejenigen vor Ort die Kosten für ihren Aufenthalt übernehmen.” Das sei nicht möglich, werde das Geld doch gebraucht, um Materialien, Unterhaltskosten und Personal zu bezahlen.

„Vor Ort gibt es genug freiwillige Helfer. Die Hilfe von Ausländern wird gar nicht mal sehr dringend benötigt. Viel wichtiger ist das Prinzip des interkulturellen Austauschs und des Über-den-Tellerrand-Schauens.” Praktikanten müssten sich auch darüber bewusst sein, dass sie nicht nach Indien fahren und dann gleich anpacken und alles verändern können. „Pädagogische Praxen Arbeitsweisen und Werte müssen akzeptiert werden. Manchmal ergeben sich Aufgaben für Praktikanten auch erst allmählich.”

Die nächste Idee, die Meuffels gerne umsetzen würde, ist eine Art Patenschaft zwischen einer Schule in der Umgebung und der indischen St. Marys Schule. „Die Kinder könnten anfangen, sich kleine Briefchen über ihren Alltag zu schreiben, sich Fotos schicken oder über das Internet in Kontakt stehen. Ich denke, dass ist ein Ansatz, um Toleranz und Verständnis für andere Kulturen zu entwickeln.”

Meuffels selbst war im Jahr 2000 das letzte Mal in Indien, bevor seine beiden Töchter auf die Welt kamen. „Ich würde gerne wieder hin, denn mit den Begegnungen aus meiner ersten Reise hat ja eigentlich alles angefangen.” Die Hilfe für das Krankenhaus von damals habe er irgendwann eingestellt, da es mittlerweile ein erfolgreiches Krankenzentrum ist, das sich selbst finanzieren kann. „Aber genau so soll es ja auch sein.”

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