Schulstreit: „Eine Kriegserklärung an Eltern und Kinder“

Von: Otto Jonel
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Im Schulterschluss stehen Wolfgang Witkopp, SPD-Landtagsabgeordneter Peter Münstermann und Lothar Tertel (v.l.) hinter der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich. Zu der können ab heute die Eltern von Grundschul-Viertklässlern ihre Kinder anmelden. Foto: Jonel

Aldenhoven. Eigentlich wollte der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Münstermann den beiden Kommunen Aldenhoven und Linnich schlicht zur Gesamtschulgenehmigung gratulieren. Doch mit der vorgestern von der Stadt Jülich bekannt gegebenen Absicht, Klage gegen den Bescheid der Bezirksregierung einzureichen, bekam der Besuch im Aldenhovener Rathaus einen aktuellen Hintergrund.

„Ich habe Verständnis dafür, dass sich Kommunalpolitiker positionieren“, meinte Münstermann mit Blick auf die Jülicher Genossen im Besonderen und die übrigen Stadtverordneten im Allgemeinen. Die seien schließlich dem Druck der eigenen Bevölkerung ausgesetzt. „Aber“, betont Münstermann, „maßgeblich ist der Elternwille, und der ist in Aldenhoven und Linnich klar bekundet.“ Das müssten die Nachbarkommunen respektieren. „Dass jetzt Angst unter den Eltern geschürt wird, halte ich für verwerflich.“ Klage führen sei eine Sache, aber die bewusste Verunsicherung von Eltern mit dem Verweis auf eine Gerichtsentscheidung irgendwann im Sommer, „ist nicht richtig“.

Noch sehr viel deutlich wurde Linnichs Bürgermeister Wolfgang Witkopp. „Was sich in Jülich abspielt, ist eine Kriegserklärung an unsere Eltern und unsere Kinder“, formulierte er sichtlich aufgewühlt und entsetzt von der Klage und der Erläuterung dazu (wir berichteten), aber auch von den Äußerungen des Jülicher CDU-Stadtverordneten Marco Johnen. Das Jülicher Verhalten „beschädigt jede Bereitschaft bei mir nachhaltig, mit Jülich interkommunal zusammenzuarbeiten“. Und er ging noch einen Schritt weiter. Als „so, wie sie sich präsentiert hat, nicht wählbar“ bezeichnete er die Jülicher CDU.

Auch Peter Münstermann befürchtet nachhaltigen Flurschaden ind er Schullandschaft. Durch die Anfeindungen der Gesamtschule würde eine Kooperation von Schulen in der gymnasialen Oberstufe „schwierig, wenn nicht unmöglich gemacht“.

Lothar Tertel konnte in der gegenwärtigen Situation keinen neuen Aspekt erkennen. „Ich finde alle Behauptungen wieder in der Genehmigung der Bezirksregierung.“ Auf 29 Seiten habe die Kölner Behörde alles verneint, was der Gesamtschule an Gefährdungspotenzial für den Bestand anderer Schulen und Schulstandorten vorgehalten worden sei. Lothar Tertel setzt der Verunsicherung Mut zur Offensive entgegen. „Ich rate den Eltern, schnell ihre Kinder anzumelden.“ Sobald die erforderlichen 125 Kinder angemeldet seien, „geht die Schule an den Start.“

Kein Gericht der Welt werde einer genehmigten Schule mit der erforderlichen Zahl an Kindern den Boden entziehen. Außerdem vertraue er wie auch Kollege Witkopp und der Landtagsabgeordnete Münstermann darauf, dass die Bezirksregierung die Entscheidung nach penibelster Prüfung gefällt habe, zumal Regierungsdirektorin Marianne Moors, Zeichnerin des Genehmigungsbescheids, Juristin sei. Zaudernden Eltern machte Witkopp Mut: „Wir machen alles völlig verantwortungsbewusst.“ Nun sei es an ihnen, die Schule zu beleben.

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