Radarfallen Blitzen Freisteller

Schüler altern im Zeitraffer

Letzte Aktualisierung:

Linnich. Mit schweren Gliedern, schlechtem Gehör und Sehvermögen bewegt sich die 16-Jährige Schülerin Michelle Mertens aus der Klasse zehn der Gemein-schaftshauptschule Linnich im Schulungsraum von Haus Berg in Brachelen.

Dass sie sich nicht mehr wie eine 16-Jährige, sondern eher wie eine 80-Jährige fühlt, liegt an dem Spezialanzug mit Gewichten, auch Altersanzug genannt, den dämpfenden Ohrschützern und einer unscharfen Spezialbrille, die sie angelegt hat.

Den praktischen Versuch, einmal zu erfahren, was es überhaupt bedeutet alt zu sein, haben Nicole Stein und Mario Schaefer, Auszubildende zum Altenpfleger im zweiten Ausbildungsjahr der St. Gereon Seniorendienste, für insgesamt zehn Schüler der Klassen 9 und 10 der Gemeinschaftshauptschule Linnich vorbereitet.

Wenig später darf Michelle noch testen, wie man mit zittrigen Händen ein Glas Wasser zum Mund führt. Das Zittern wird mit Hilfe eines Tremors, eingestellt auf die niedrigste Stufe, simuliert. Neben Fakten zur gesunden Ernährung und Mangelernährung gibt es noch weitere praktische Übungen für die Schüler wie das Anreichen von püriertem Essen.

Die Auszubildenden wollten den Schülern auf diese Weise einen Einblick in die Altenpflege geben und zeigen, wie vielseitig, interessant und sinnvoll der Beruf ist. Außerdem wollten sie natürlich vermitteln, dass der Beruf auch Spaß machen kann.

Bereits seit vier Jahren kooperieren die St. Gereon Seniorendienste mit der Gemeinschaftshauptschule bei dem Projekt „Jung und Alt begegnen sich”.

Daher stieß die Idee der St. Gereon Seniorendienste, im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts das Projekt „Care for future” zusammen mit dem Linnicher Krankenhaus umzusetzen, auf offene Ohren. Die Zusammenarbeit bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, im Rahmen der Schule Kontakt zum Arbeitsfeld der Pflegeberufe zu erhalten.

Der Wahlpflichtunterricht begann bereits nach den Sommerferien und findet abwechselnd bei den Kooperationspartnern statt. Bei den St. Gereon Seniorendiensten übernehmen die Unterrichtseinheiten immer wieder andere Auszubildende. So lernen nicht nur die Schüler der Gemeinschaftshauptschule viel Neues dazu.

Für die Auszubildenden stellt die Methode ebenso ein Training dar. Durch die Arbeit mit den Schülern üben sie selbst, das Erlernte weiterzugeben.

Darüber hinaus können sie auf diese Weise effektiv Werbung für ihren Beruf zu machen. „Unsere Azubis vermitteln, was wichtig an dem Beruf ist und was Spaß macht und nehmen Berührungsängste”, betont Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste.

Zudem werde ein erster Kontakt zu jungen Menschen hergestellt, die bei Interesse bei den St. Gereon Seniorendiensten eine ehrenamtliche Tätigkeit wie zum Beispiel das Anreichen von Essen übernehmen könnten. Diese Tätigkeit werde mit fünf Euro vergütet. Damit würden die Schüler eine weitere Möglichkeit erhalten, sich gezielt für den Beruf der Altenpflege zu entscheiden.

„Wir brauchen Menschen, die mit Begeisterung dabei sind”, sagt Bernd Bogert. Pflegeberufe hätten eine große Zukunftsperspektive, unterstrich Schulleiterin Renate Schäfer. Kräfte für Pflegeberufe würden dringend gesucht. Das versuche man den Schülern im Rahmen des Projekts zu vermitteln.

Dass die Schulleiterin mit ihrer Einschätzung richtig liegt, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Wie das Statistische Bundesamt in diesem Jahr mitteilte, sei damit zu rechnen, dass die Zahl der 65-Jährigen und Älteren bis 2030 um ungefähr ein Drittel von 16,7 Millionen im Jahr 2008 auf 22,3 Millionen Personen im Jahr 2030 ansteigen werde.

So ist damit zu rechnen, dass aufgrund des demografischen Wandels in den nächsten Jahren immer mehr pflegebedürftige Senioren auf einen Platz im Altenpflegeheim oder auf mobile Pflegedienste angewiesen sein werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert