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Schlafende Ehefrau erstochen: 37-Jähriger muss in Psychiatrie

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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In diesem Haus im Heckfeld ereignete sich die Bluttat, für die Alexej F. vor dem Aachener Schwurgericht angeklagt war. Foto: Horrig

Aachen/Jülich. „Schicksalhaft“ nannte der Vorsitzende Richter des Aachener Schwurgerichts, Arno Bormann, die Tat des Alexej F. aus Jülich. Der 37-Jährige hatte in der Nacht auf den 4. Dezember vergangenen Jahres seine schlafende Ehefrau im Bett erstochen. Am Donnerstag entschied die Kammer nun: F. war wegen Wahnvorstellungen schuldunfähig. Er wird dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen.

Schicksal beschreibe üblicherweise einen Vorgang, so der Richter in der Urteilsbegründung, der „über einen kommt“, für den am Ende „keiner etwas kann“. Die 32-jährige Ehefrau von F. und Mutter zweier Kinder sei durch die grausame Tat ohne jedes eigene Zutun aus dem jungen Leben gerissen worden. Die zwei Kinder im Alter von acht und 15 Jahren hätten so auf einen Schlag die Mutter und – als Täter – auch den Vater verloren.

Doch F. selbst treffe deswegen keine Schuld. Der Kraftfahrer aus Jülich habe sich in einem krankhaften „Wahnsystem“ befunden, einem psychotischen Zustand, in dem er sich von allen möglichen Menschen verfolgt, heimlich beobachtet und gemobbt gefühlt habe. Deshalb handelte Alexej F. „im Zustand der Schuldunfähigkeit“, wie die Schwurgerichtskammer am Donnerstag entschied.

Die Richter kamen des weiteren zu der Überzeugung, dass der Beschuldigte, anders als sein Verteidiger Björn Hühne es in seinem Plädoyer gefordert hatte, zur weiteren Behandlung in der Psychiatrie verbleiben müsse. „Ihn trifft keine Schuld, weil er krank ist. Er ist aber nach Auffassung dieses Gerichts weiterhin für die Allgemeinheit gefährlich“, entschieden die Richter und schlossen sich damit der Meinung der psychiatrischen Sachverständigen Konstanze Jankowski in ihrem Gutachten vom Vortag an.

Kollegen verdächtigt

Wichtig für die Diagnose der weiteren Unterbringung in einem Krankenhaus sei die Erkenntnis, dass es sich um ein Wahnsystem gehandelt habe, „in das viele Personen eingebunden waren“. Da seien die Kolleginnen und Kollegen an der Arbeitsstelle gewesen, denen er unterstellte, dass sie ihn in die Homosexualität drängen wollten. Da sei ein angebliche Netz von Nachbarn gewesen, die ihn mit Kameras beobachtet hätten oder ihn von anderen Mächten beobachten ließen.

Selbst einen Auftragskiller hatte F. am Nachmittag des Tattages im Treppenhaus vermutet. Der Zusammenhang zwischen Wahn und Straftat sei hier unzweifelhaft, so dass „ähnliche Taten“ durchaus möglich seien, falls man Alexej J. in seinem jetzigen Zustand freilasse.

Nicht nur die „Allgemeinheit“ in der Gesellschaft sei gefährdet, sondern insbesondere das enge Lebensumfeld der Familie. Konflikte um die Kinder und weitere Bedrohungen seien nicht auszuschließen, argumentierte das Gericht. Bei der Tat habe F. das Mordmerkmal der „Heimtücke“ erfüllt, als er sich gegen Mitternacht auf die schlafende Ehefrau stürzte. Sie hatte er als „Rädelsführerin“ der vermeintlichen Verschwörung gesehen.

Etwas in ihm habe ihn letztlich glücklicherweise davon abgehalten, auch die Kinder zu töten, merkte der Richter an und sagte: „Sie waren in größter Gefahr“. Das ergebe sich auch aus den wiederholten Suizidversuchen des 37-Jährigen, der sich direkt nach der Tat und auch später in der Klinik ernsthaft selbst verletzt hatte, aber gerettet werden konnte.

In seinem letzten Wort vor dem Urteil hatte F. die Familie seiner Frau um Entschuldigung gebeten und beteuert, er bereue alles zutiefst.

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