Jülich - Schirmers barmherziger Samariter modern interpretiert

Schirmers barmherziger Samariter modern interpretiert

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Nach dem Gottesdienst erläuterte Museumsleiter Marcell Perse (2.v.l.) interessierten Besuchern die Bilder des „Tageszeitenzyklus – Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter“. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Die Christuskirche füllt sich. Das Orgelspiel setzt ein. Der evangelische Gottesdienst im Rahmen eines ökumenischen Projektes zum 150. Todestag Johann Wilhelm Schirmers beginnt. Es ist der letzte Termin einer Jülicher Veranstaltungstrilogie in der Propsteikirche, dem Museum Zitadelle und nun der Christuskirche Jülich. Die Katholische Gemeinde ist herzlich eingeladen mit zu feiern wie zuvor umgekehrt die evangelische Gemeinde in der Propsteikirche.

Farbige Bilder

„Ich freue mich über das Zusammenspiel der christlichen Gemeinden in Jülich“, so Museumsleiter Marcell Perse. Die Wände des schlicht gestalteten Innenraums der Christuskirche schmücken farbige Bilder aus dem Museum Zitadelle, vier Gemälde J.W. Schirmers und vier Bilder des britischen Malers Chris Billington. Es ist der „Tageszeitenzyklus“ – eine Darstellung oder Betrachtung des inneren Wegs des Lebens vor dem religiösen Hintergrund der Geschichte vom barmherzigen Samariter. „Wir wollen uns Gedanken machen, auf eine neue Art zu sehen“, sagt Pfarrer Horst Grothe und fragt: „Was lenkt unser Auge, was lenkt unsere Sicht der Dinge?“

Spannend sei die Kombination der Schirmer Gemälde mit den Bildern eines modernen Künstlers. Auf den ersten Blick vollkommen andere Bilder. Doch sei dies ein Irrtum, denn es sind Zwillingsbilder. Während Schirmers Liebe zum Detail, seine photographische Präzision und technische Perfektion ins Auge sticht, scheint Billington ausschließlich Farbfelder und Formen gemalt zu haben. Tatsächlich schuf Johann Wilhelm Schirmer Bühnenbilder, er malte künstliche Landschaften.

Billington, der von sich selber sagt ein intuitiver Mensch zu sein, übersetzte die Darstellungen Schirmers. Er gibt die exakte Komposition der Bilder wieder und macht die Grundzüge sichtbar. „Wer ist jetzt hier der Träumer und wer ist der exakte Darsteller?“, fragt Grothe rhetorisch und stellt fest: „Kunst hat die Aufgabe, unsere Wahrnehmung und Grenzen zu erweitern.“

Grausamer Einschnitt

Im Anschluss beschreibt er den „Tageszeitenzyklus“ und stellt die Schirmer-Gemälde den Bildern Billingtons gegenüber. Das erste Bild „Der Morgen“ stellt einen jungen Mann dar, einen Wanderer, der Abschied von einem älteren Paar nimmt. Der Tag liegt offen wie ein Feld. „Der Mittag“, das zweite Bild, zeigt den Überfall auf den Wanderer. Mit unglaublicher Härte schlagen zwei Männer auf ihn ein. Ein grausamer Einschnitt. Ein Bruch in der Erde, kahle Bäume und heißes, brennendes Mittagslicht sind zu sehen. Auf dem dritten Gemälde ist die Bergung des Verletzten durch den barmherzigen Samariter dargestellt. Und „Die Nacht“ zeigt schließlich die Ankunft des Samariters mit dem Verletzten in der Herberge.

Unglaubliche Härte

„Heute, am Morgen nach der Reichspogromnacht, bekommen wir diese Bilder zu sehen“, sagt Grothe. Mitmenschen wurden mit unglaublicher Härte aus der Volksgemeinschaft und ihrem Zuhause ausgeschlossen. Grothe fragt: „Wer ist mein Nächster? Und antwortet sogleich: „Es ist der, den du am meisten verachtest, in ihm findest du die Wahrheit, an der du nicht vorbei gehen darfst.“

Nach dem Gottesdienst stand Museumsleiter Marcell Perse für Fragen zu den Bildern des „Tageszeitenzyklus“ zur Verfügung.

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