Inden/Altdorf - Schiedspersonen: „Schlichten statt Richten“

Schiedspersonen: „Schlichten statt Richten“

Von: Antonius Wolters
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Hermann Josef Schmitz ist Vorsitzender der Bezirksvereinigung Aachen des Bundes Deutscher Schiedsmänner und -frauen. Foto: Wolters

Inden/Altdorf. Hermann Josef Schmitz aus Inden/Altdorf, der seit 2004 Schiedsmann ist, kann sich mit dem Begriff „Friedensrichter“ sehr gut anfreunden. Er stammt noch aus der so genannten „Franzosenzeit“, als der vielgeschmähte Nachbar hier kurze Zeit regierte und auch hierzulande den Code Civil einführte.

Später übernahm das Königreich Preußen, das 1827 das Institut des Schiedsmanns einrichtete. Die Schiedsleute organisieren sich inzwischen im Bund Deutscher Schiedsmänner und -frauen (BDS), dessen Vertretung für den Landgerichtsbezirk Aachen im November 60 Jahre bestand. Hermann Josef Schmitz löste bei der Jahreshauptversammlung Helmut Thyssen ab, der 30 Jahre lang als Vorsitzender die Geschicke der BDS-Bezirksvereinigung Aachen bestimmte.

„Der BDS dient dazu, Schiedspersonen auszubilden, denn Aus- und Fortbildung sind sehr wichtig“, sagt der 69-jährige Nachfolger. Um juristische Ein- und Überblicke zu erhalten, werden Leute aus der Praxis als Referenten zu den Lehrgängen eingeladen, berichtet Schmitz. „Schlichten statt Richten“, lautet das Motto der Schiedsleute, die darauf hinarbeiten, einen vollstreckbaren Vergleich zu schließen.

Seit einigen Jahren bietet der BDS auch die Möglichkeit, Schiedspersonen zu Schiedsamt-Mediatoren auszubilden. So waren Mitte März bundesweit bereits 472 Schiedspersonen zu Mediatoren ausgebildet worden.

Zum Landgerichtsbezirk Aachen gehören die Amtsgerichte Aachen, Düren, Geilenkirchen, Heinsberg, Jülich, Eschweiler, Monschau und schleiden. Die verfügen über insgesamt rund 80 Schiedsämter, die jeweils mit rund 160 ehrenamtlich tätigen Schiedspersonen besetzt sind. Damit steht der Bürgerschaft flächendeckend ein äußerst kostengünstiges und gut geschultes Konfliktlösungspotential zur Verfügung, das über fundierte Rechtskenntnisse verfügt. Gewinner sind auch die chronisch überlasteten Gerichte, die durch die ausgleichende Arbeit der Schiedspersonen nachhaltig entlastet werden.

Voraussetzungen der Schiedsamts-Tätigkeit, in die Bewerber per Beschluss des jeweiligen Stadt- oder Gemeinderates gewählt werden, sind ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, ein offenes Ohr für die Probleme anderer Menschen, Lebenserfahrung und die Bereitschaft, etwas Zeit zu opfern. Die Schiedspersonen erledigen Schlichtungsverfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wie Nachbarschaftsstreit, Kinderlärm oder Ehrverletzungen. Dazu kommen noch Strafsachen wie Hausfriedensbruch, leichte Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung oder Beleidigung. Die Erfolgsquote der Schiedspersonen liegt bei fast 60 Prozent, so dass anschließend kein Gericht mehr eingeschaltet werden muss.

Als Gebühr sind bei einem Vergleich, der schriftlich festgehalten wird, 25 Euro fällig, die sich die Streithähne in der Regel teilen. Kommt kein Vergleich zustande, sind nur zehn Euro fällig. Dazu kommen jeweils noch Spesen für Porto, Kopien und ähnliches. Der Gang zur Schiedsperson dürfte sich also auch finanziell lohnen im Vergleich zu den Sätzen, die Gerichte und Rechtsanwälte berechnen.

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