Winterberg/Jülich - Sandra Kiriasis: Ausnahmesportlerin mit Fanclub in Jülich

Sandra Kiriasis: Ausnahmesportlerin mit Fanclub in Jülich

Von: hfs.
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Sandra Kiriasis
Jubel von Bobfahrerin Sandra Kiriasis: In Altenberg gelang der Winterbergerin der erste Sieg in der laufenden Wintersaison. Am Freitag wurde sie in St. Moritz Europameisterin. Foto: dpa

Winterberg/Jülich. Sandra Kiriasis lebt in Winterberg. Im Damen-Bobsport hat sie alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Im Zweier wurde sie sechsmal Deutsche Meisterin, holte siebenmal den Weltcup, ist zweifache Europa- und Weltmeisterin, errang bei den olympischen Spielen 2006 in Turin die Goldmedaille. Und sie schätzt Jülich, wo sie Freunde und Anhänger hat. Sie verfolgten am Freitag, wie die Ausnahmesportlerin ihren dritten Europameistertitel gewann.

Der 21. Februar 2010 ist im Gedächnis der 34-jährigen Athletin festgemeißelt. Morgens, gegen 6 Uhr, wird Sandra Kiriasis aufstehen, ein leichtes Frühstück einnehmen, sich vom Olympiadorf in Whistler auf den Weg zum Sliding Centre machen. Dort werden die Rodel-, Skeleton- und eben die Bobwettbewerbe ausgetragen. „Die Bahn ist verdammt schnell. Vielleicht sogar zu schnell. Ich durfte schon ein paar Fahrten machen”, sagt die Winterbergerin.

Rückblende: Es ist einer der ganz normalen Samstage in Winterberg. Während sich die Biker im gleißenden Sonnenlicht die Berghänge hinunter stürzen, Wanderer das Panorama genießen, die Ruhebänke rund um das Rodelzentrum von Besuchern belegt sind, macht Sandra Kiriasis Dehnübungen. Eine Stunde lang vor dem Training, das um 10 Uhr beginnt.

Ihr Heimtrainer Bernd Lehmann ist ebenfalls schon da, steht mit den jungen Nachwuchsfahrern des Landesstützpunktes der Skeletonfahrer an der Trainingsbahn. Soeben hat Kiriasis von ihrer Anschieberin Romy Logsch erfahren, dass die verhindert ist und nicht zum Training erscheint. Das gemurmelte „Sch...” geht in den namentlichen Aufrufen der Fahrer unter, die einen exakt 174 Kilogramm schweren Schlitten - entspricht dem Gewicht eines Bobs - auf einer Schienenbahn den Berg hinunter katapultieren.

„Solche Tage mag sie nicht”

Zeitmessungen sind angesagt, Kiriasis muss warten, kann nicht so viele Testfahrten machen wie geplant. „Solche Tage mag sie nicht. Sie mag die Tage planbar, übersichtlich, stressfrei und berechenbar.” Lehmann beobachtet genau die Anspannung seiner Athletin, 1,82 Meter groß, im Sommer 82 Kilogramm schwer. „Ich habe momentan zwei Kilo Übergewicht”, lacht Kiriasis in Richtung einiger Bergwanderer. „Sie ist schon eine tolle Sportlerin”, sagt Hans-Jürgen Breuer aus Jülich.

Mit drei Freunden hat sich der 42-Jährige an diesem Sommertag nach Winterberg aufgemacht. Sie werfen der Bobfahrerin beim Wuchten des Schlittens aufmunternde Worte zu. Gegen Mittag ist das Training beendet. „Zufrieden bin ich nicht. Das ist nicht mein Tag”, sagt die rothaarige Athletin und steigt in ihr Auto. Doch zuvor gibt sie den Jülicher Fans Autogramme. Sie verspricht, wie in den letzten Jahren zu Ostern wieder in die Herzogstadt zu kommen.

„Wir kennen uns seit vielen Jahren”, sagt Breuer. Er freut sich schon jetzt auf ein Wiedersehen. „Und ich wünsche Dir natürlich eine tolle Saison.”

Ausgerechnet auf ihrer Heimatbahn in Winterberg muss sie sich zum Start in die Wintersaison der Kanadierin Helen Upperton geschlagen geben, landet nur auf Platz 2. Zwar fährt Kiriasis mit Anschieberin Logsch im zweiten Durchgang Bestzeit, hat aber im ersten Lauf am Start zuviel Boden eingebüßt. „Die Spur war nicht gut gefegt, da kann man rennen wie der Teufel und verliert trotzdem Zeit. Das war irregulär”, schimpft sie bei Schneetreiben. Um sich dann schon eine Woche später in Altenberg das erste WM-Gold zu holen. Dass dem noch viele folgen werden, davon ist die Fachwelt überzeugt.
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