Rückhaltebecken trocknet aus: Vögel können nicht brüten

Von: gep
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Das Feuchtbiotop zwischen Sier
Das Feuchtbiotop zwischen Siersdorf und Bettendorf ist schon im Frühjahr ausgetrochnet. Für Wolfgang Klems ein unhaltbarer Zustand. Foto: gep

Siersdorf. „Bürger in Siersdorf regen sich auf”, berichtet der Dürboslarer Ortsbürgermeister und Jagdpächter Wolfgang Klems. Denn das Feuchtbiotop im Hochwasserrückhaltebecken (HRB) zwischen Siersdorf und Bettendorf ist bereits im Frühjahr ausgetrocknet.

Mit der Folge, dass sieben Stockentenpaare und zwei Paare Kanadagänse, die dort begonnen hätten zu brüten, abgewandert seien, hat Klems beobachtet. Auch die Vögel, die dort lebten, hätten unter Nahrungsmangel zu leiden, wegen Wassermangels seien die Larven der Mücken abgestorben.

Auch zahlreiche Amphibien (Frösche, Molche) hätten die Trockenheit nicht überlebt. Ferner seien die Binsenbestände, die früher mit einer Höhe von bis drei Metern Deckung und Nahrungsgrundlage für viele Tierarten darstellten, enorm zurückgegangen. Außerdem verbusche das etwa 30 Hektar Areal, das an sich „eine Supersache” sei.

Nach Angaben des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER), der das HRB gebaut hat und unterhält, handelt es sich bei dem Feuchtbiotop um eine so genannte Blänke. Damit wird eine Wasserfläche bezeichnet, die keinen Dauereinstau, sondern einen periodisch schwankenden Wasserstand - inklusive der Austrocknung - aufweist.

Die Blänke wurde, so erklärt WVER-Sprecher Marcus Seiler, erst nach der Fertigstellung des HRB angelegt - auf Anregung der Naturschutzverbände und der Unteren Wasserbehörde des Kreises Düren. Die Blänke solle Lebensraum für Limikolen (Watvögel wie Regenpfeifer oder Schnepfen) sein. Daher dürfe der Wasserstand nicht zu hoch sein, damit die Vögel auch waten und etwa nach Würmern suchen könnten.

Bei einer normalen Wasserführung im Schaufenberger Fließ sei die Blänke feucht. Die geringe Niederschlag habe nun dazu geführt, dass das Fließ hauptsächlich durch den Ablauf der Kläranlage Alsdorf-Bettendorf bespannt werde und somit sehr wenig Wasser führe. Dadurch werde die Blänke, die etwas höher liege als das Fließbett, nicht mit Wasser versorgt und sei ausgetrocknet. Das aber sei bei einer Blänke beabsichtigt. Bei reichlich Niederschlag werde die Blänke, so Seiler, auch wieder feucht.

Dagegen fordert Klems, dass mehr Wasser aus dem Ablauf der Kläranlage, das beinahe Trinkwasserqualität habe, in die Blänke geleitet werde. Das sei mit geringem Arbeitsaufwand - „eine Kleinigkeit” zu bewerkstelligen. „Ein Feuchtbiotop in Mitteleuropa ist kein nordafrikanisches Wadi.” Wasservögel müssten eine Chance haben, ihren Nachwuchs großzuziehen.

Das HRB wurde im Winter 2004 in einer vorhandenen tiefen Bodensenkung, eine Folge des Bergbaus, angelegt und kann 77.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. Früher musste das Wasser aus dieser Senke in das Schaufenberger Fließ hochgepumpt werden. Schaffte die - mittlerweile abgerissene - Pumpstation das nicht, bildete sich zeitweise ein See.

Das Gelände wird laut WVER einmal jährlich gemäht, weil sich die Pflanzenwelt ohne große menschliche Beeinflussung frei entwickeln soll. Doch Klems moniert, dass das Wäldchen auf dem Areal mittlerweile die Feldwege überwuchert und Landwirte über Schlagschatten klagen. Die Bäume müssten um eineinhalb Meter zurückgeschnitten werden.

Was Klems ebenfalls missfällt, ist die Sorglosigkeit etlicher Spaziergänger. So würden etwa Hunde frei laufen gelassen, obwohl es hier Zecken gebe - „was mir keiner glaubt”. Auch sei nicht auszuschließen, dass sich Fuchsbandwurm von Eschweiler bis hierhin verbreitet habe - auf dem Gelände seien zwei Fuchsbaue. Also sollte man beim Brombeeren sammeln vorsichtig sein: „Abkochen und Hände waschen”.
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