Reitender Jupiter ist der „Star” des Archäologie-Tages

Von: ptj
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Einsatz des Profilkamms: Evelyn Rogge, Zeichnerin beim LVR, demonstriert ihre Vorgehensweise bei der zeichnerischen Rekonstruktion.

Höllen. Prunkstück beim 17. Tag der Archäologie in Titz-Höllen ist eine fast drei Meter hohe Jupiter-Giganten-Säule aus dem Jahre 220-230 nach Christus. Dieses Fundstück aus dem Tagebau Inden ist am Samstag, 4. September, zu sehen. Die vier Säulenteile sind fast vollständig erhalten und von einmaliger Qualität.

Ohne Schwierigkeiten erkennt selbst der Laie im Kopf der halbplastisch im Relief gearbeiteten Kunstsäule aus elfenbeinfarbenen Sandstein den reitenden Jupiter, der den Giganten besiegt. Details sind sein lockiges Haar und sein Barthaar, sein Diadem oder der Schweif des Pferdes.

Ferner ist der Arm des Giganten auszumachen, der mehr und mehr in ein Schlangenwesen einmündet. Abgeschlagen wurden allerdings Kopf und Vorderläufe des Pferdes. Auch das aus Kupfer oder Eisen gefertigte Blitzbündel fehlt. Im Mittelteil ist die Fackel tragende Juno mit Krönchen und Schmuckdarstellung zu sehen.

Im Rheinland äußerst selten

Das Motiv des reitenden Jupiters ist nach Bekunden von Dr. Udo Geilenbrügge, Leiter der Außenstelle Höllen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg verbreitet, im Rheinland hingegen äußerst selten. Die herausragende Qualität der Säule ist in der Tatsache begründet, dass sie „gar nicht mal lange, vielleicht nur ein halbes Jahrhundert, vor Ort gestanden hat und zur vollständigen Entsorgung in den Brunnen geworfen wurde. Wirklich ein Glücksfall”!

Gewöhnlich wurden „Spolien” (Bauteile aus römischer Zeit) bei Bauarbeiten wiederverwendet. Zu vermuten ist, dass das Prunkstück im Zuge der Christianisierung im frühen 4. Jahrhundert unter Konstantin zum Stein des Anstoßes wurde, es könnte allerdings auch eindringenden Germanen ein Dorn im Auge gewesen sein.

Als der Bagger im Januar unter der Schneedecke eine römische Gutsanlage freilegte und eine „Kiesstickung”, eine einzelne starke Fundamentierung, zu sehen war, witzelten die Archäologen: „Ach, und da stand die Jupitersäule”! Einen solchen Fund hätte allerdings niemand wirklich erwartet.

Eine zweite römische Villa fiel im März einem Erdrutsch zum Opfer, der Fundort ist also „schon abgearbeitet”. Wegen der Porösität des Sandsteins können die vier Säulenteile nicht aufeinander gesetzt werden, eine zeichnerische Rekonstruktion komplettiert den Gesamteindruck.
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