Reise nach Kenia: Neugier und ein wenig Angst fliegen mit

Von: Guido Jansen
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Sie landen heute mit einer Delegation des Mädchengymnasiums in Nairobi: (v.l.) Mona Pier, Lea Nünninghoff, Annika Lübberich, Bettinia Groos und Madeline Schroller. Foto: Guido Jansen

Jülich. Theoretisch wissen die 15 junge Frauen aus Jülich, was auf sie zukommt. Schließlich haben die Schülerinnen des Mädchengymnasiums sich lange auf die kommenden zweieinhalb Wochen vorbereitet. Theoretisch. „Ich glaube wir werden alle geschockt sein”, blickt Annika Lübberich (18) auf das Abenteuer, das heute beginnt.

15 Schülerinnen und vier Lehrer des MGJ steigen am Montag in den Flieger in Richtung Kenia. Im Gepäck haben sie acht Solarkocher von der Größe einer Waschmaschine. Diese werden sie in der Nähe der Hauptstadt Nairobi bei Familien aufbauen, um die Not der Menschen zu lindern. In der Schule haben die jungen Damen aus den Jahrgangsstufen 11 und 12 ausführlich besprochen, was sie in Afrika erwartet. „Wir kennen nur den Lebensstandard hier”, deutet Mona Pier (17) an, dass alle Theorie grau ist. Die Mitschülerinnen Lea Nünninghoff und Madeline Schroller (19) pflichten bei. „Wir können uns das gar nicht vorstellen.” Sie haben gelernt, dass die Armut in Kenia groß ist. Aus eigener Erfahrung kennen sie eine solche Not noch nicht.

Mit Urlaub hat der Aufenthalt in Nairobi nicht viel zu tun. Die Gymnasiastinnen werden arbeiten, um die Solarkocher aufzubauen. Und sie verteilen Pakete mit Nahrungsmitteln. „So ein Paket kostet 100 Euro, also etwa so viel wie eine Designerjeans”, erklärt Bettina Groos (53), eine von vier Lehrern, die das Projekt begleiten. „Davon können in Kenia sechs Familien einen Monat lang leben.”

Groos weiß, wovon sie redet. Zum vierten Mal fliegt eine Delegation des MGJ nach Kenia. Zwischen jedem Besuch liegen zwei Jahre. Die Kosten für Flug und Unterbringung zahlen die Schülerinnen selbst. Das Geld für die Solarkocher und Lebensmittel stammt aus einer Sozialprojekt-Kasse der Schule. Um in Kenia helfen zu können, veranstaltet das MGJ so genannte sponsored walks, also Wanderungen, bei denen Paten Geld für jeden Kilometer bezahlen. Außerdem bringen das Schulfest und ein Markt mit Artikeln aus Kenia Geld.

Vor Ort in Kenia erhält die MGJ-Delegation Hilfe vom Ngong Restore Hope Institut. Die Einrichtung hilft den Jülicherinnen dabei, geeignete Familien für die Solarkocher zu finden. „Wir gaben sie an Frauen”, sagt Bettina Groos. Schließlich sei die Armut so groß, dass die Männer meist darauf bedacht seien, kurzfristig Geld und Nahrungsmittel zu besorgen. „Die Frauen verstehen, dass ihnen diese Kocher langfristig helfen”, so die Lehrerin.

Mit den Geschenken aus Jülich können die Menschen das Geld für Brennmaterialien sparen und für Nahrungsmittel zurücklegen. Schließlich ist die Sonne der einzige Brennstoff, den die Solarkocher benötigen. Der ist erstens umsonst und zweitens in Hülle und Fülle vorhanden. Das Partner-Institut begleitet die Jülicher während der gesamten Zeit ihres Aufenthalts. Auch, um mit den Menschen kommunizieren zu können. Beispielsweise, wenn es darum geht, zu vermitteln, dass die hellhäutigen Gäste keine Touristen sind, sondern helfen wollen.

„Wir werden Dinge zu sehen bekommen, die ein normaler Kenia-Urlauber nicht sieht”, weiß die Lehrerin aus Erfahrung zu berichten. Sie redet vor allem von der Armut. Von dieser Armut werden die Schülerinnen etwas mit zurück nach Jülich bringen. Das haben die drei Besuche zuvor gezeigt. „Es setzt dich auf Null zurück, wenn du gesehen hast, wie die Menschen dort leben.”

Damit meint Groos nicht die Mitleid erregende Armut, sondern die Art, wie die Menschen damit umgehen. „Für viele Schülerinnen war es fast beschämend, als sie gesehen haben, wie viel Lebensfreude die Menschen dort trotzdem haben und wenn man das mit unseren unseren Problemen vergleicht.”

Theoretisch wissen die Schülerinnen das alles. Erlebt haben sie solche Gefühle noch nicht. Und deswegen betonen Mona Pier, Madeline Schroller, Lea Nünninghoff und Annika Lübberich, dass sie heute mit einer Mischung aus Angst, Anspannung, Neugier und Vorfreude in den Flieger steigen.
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