Reichspogromnacht: Namentliche Erinnerung an die Opfer

Von: zts
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In der Aldenhovener Gedenkfeier an den Holocaust hatten Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde mit Pfarrer Charles Cervigne das schicksalhafte Geschehen nach der Reichspogromnacht mit bewegenden Szenen vorgestellt. Foto: Zantis

Aldenhoven. Im Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht hatten sich in der Krypta der Martinuskirche Aldenhoven viele Besucher eingefunden. Der evangelische Pfarrer Charles Cervigne rief in seiner Begrüßung zum „aktiven Gedenken“ auf.

„Mit unserer Tradition des Gedenkens, die uns lieb und teuer geworden ist, wollen wir uns besonders deutlich auch mit den Namen an die jüdischen Mitbürger erinnern, deren Schicksal einer systematischen Verfolgung und Ermordung auch hier in Aldenhoven zur grausamen Wirklichkeit wurde.“

„In den 30er Jahren“, so der Rückblick des Pfarrers, „lebten ca. 50 jüdische Menschen in Aldenhoven.“ „Dabei“, so machte er es deutlich, „gab es keinen Unterschied im bürgerlichen Leben.“ „Erst die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stellte sich auch in Aldenhoven und den umliegenden Ortschaften eine Zäsur in der dörflichen Geschichte dar. Die Reichspogromnacht markierte den Übergang von der Diskriminierung jüdischer Mitbürger bis zur systematischen Verfolgung und Ermordung.“

Verdeutlicht wurde dieses schicksalhafte Geschehen mit einem Szenenspiel der Konfirmanden in einer geradezu ergreifenden Darstellung: Es waren einstmals jüdische Mitmenschen aus Aldenhoven, Siersdorf, Niedermerz und Dürboslar, mit deren Namensnennung Pfarrer Cervigne das grausame Schicksal deutlich machte. In besonderer Darstellungsweise hatten dabei die Konfirmanden der Gedenkfeier eine gefühlsbetonte Ausdrucksweise gegeben: Mit dem Namen aufgerufen wurden die einzelnen Delinquenten auf Kommando abgeführt.

In der Gedenkfeier wurde auch an den kürzlich verstorbenen Mitstreiter Günther Schorn erinnert. Pfarrer Cervigne zitierte dessen Botschaft: „Lasst euch nicht eure Freiheit nehmen, seid aufmerksam und wachsam!“ Günther Schorn erhielt postum auch den Aldenhovener Martinuspreis.

Im gemeinsamen Gedenken formierten sich anschließend die Teilnehmer der Gedenkfeier zu einem Lichterzug durch Aldenhoven bis zur Gedenkstele im Römerpark, wo der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer den Kadisch als jüdische Totengebet rezitierte.

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