Kreis Düren - Regionaldekan: „Ich rechne schon mit Kirchenaustritten“

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Regionaldekan: „Ich rechne schon mit Kirchenaustritten“

Von: sj
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Kostspieliges Bauvorhaben: Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht auch im Kreis Düren in der Kritik. Foto: dpa

Kreis Düren. „Bevor diese Nachrichten kamen, war es mir wohler in meinem Dienst“, sagt Regionaldekan Hans Doncks aus Heimbach mit Blick auf die Geschehnisse im Bistum Limburg. „Mit Papst Franziskus waren wir auf einem guten Weg in die Zukunft, seine Wahl hat der Kirche gut getan“, findet Doncks. Offen und freundlich, den Menschen zugewandt – so habe Franziskus bereits am ersten Tag gehandelt.

Das Verhalten des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, dessen neuer Bischofssitz statt 2,5 Millionen weit über 30 Millionen Euro gekostet hat, sei „völlig daneben“. Doncks befürchtet einen Imageschaden für die gesamte Kirche.

„Ein gewaltiger Schock“

„Für mich war das ein gewaltiger Schock“, sagt Doncks im Gespräch. „Und ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele Menschen die Frage stellen, ob sie diesem Verein weiter Geld geben sollen“, führt der Seelsorger weiter aus. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Limburger Bischof sich im Amt halten kann.

„In jedem Amt übernimmt man Verantwortung und muss entsprechend handeln“, betont Doncks. Wie es weiter geht, werde wohl in Rom entschieden. Doch der Regionaldekan befürchtet, dass auch in unserer Region Menschen eine Entscheidung treffen: „Ich rechne schon mit Kirchenaustritten“, sagt Doncks. Daher begrüße er es, dass das Bistum Aachen die Zahlen offengelegt hat. „Ich wünsche mir, dass wir uns weiter mit Franziskus auf den Weg begeben“, sagt er. Dafür bete er.

Dirk Hucko, Geschäftsführer des Caritasverbandes Düren-Jülich, ist „bestürzt und besorgt“ darüber, wie „leichtfertig“ der Bischof von Limburg offenbar mit Geld umgehe. Wie beim regulären Haushalt der Bistümer müsse es auch beim Vermögen der Bischöflichen Stühle „effektive und transparente Kontrollgremien“ geben. „Das hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun“, betont Hucko.

Jeder Skandal in den vergangenen Jahren habe Auswirkungen auf die Pfarrgemeinden und die Bereitschaft, Zeit und Geld zu spenden, gehabt. Viele Katholiken seien aus der Kirche ausgetreten, oder hätten sich von einer Mitarbeit zurückgezogen. Gemeinden und die kirchlichen Sozialwerke würden das spüren. „Zum Glück spüren wir davon in der Region derzeit noch nichts“, berichtet Hucko. „Das mag daran liegen, dass wir als Caritas sehr direkt die Menschen für ganz konkrete Projekte um Unterstützung bitten.“ Jeder könne vorbeischauen und sich ansehen, „was mit dem Geld passiert“.

Hucko hofft, dass der Papst eine „gerechte Entscheidung trifft“. Jeder Tag, an dem Tebartz-van Elst Schlagzeilen schreibe, „überdeckt wichtige Themen“, findet Hucko. Er würde viel lieber darüber reden, wie die Gesellschaft mit hilfsbedürftigen Menschen umgeht. Oder darüber, wie Kirche ihrem „wachsenden Glaubwürdigkeitsproblem“ entgegentritt.

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