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Referent tappt selbst in die Demenz-Falle

Von: ptj
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Gelungene Auftaktveranstaltung der Kooperationspartner: Neue Kursangebote der AOK-Gesundheitskasse zum Thema Demenz und ein weiterer Infoabend pro Quartal sind geplant. Foto: Jagodzinska

Jülich. Amüsant begann der Vortragsabend der AOK Rheinland/Hamburg und ihrer Kooperationspartner: Dr. med. Klaus Maria Perrar, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie, Palliativmedizin, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Kreis Düren und Referent zum Thema „Demenz - das schleichende Vergessen”, hatte die Startzeit der Veranstaltung verwechselt und irrte auf der Suche nach der Schlosskapelle durch die Zitadelle.

Geschlagene 20 Minuten zu spät, entschuldigte er sich bei den knapp 200 Gästen mit den Worten: „Jetzt kann ich nachvollziehen, desorientiert zu sein”, was einiges Gelächter auslöste. Doch sein für den Laien leicht verständliches Referat mit einer Prise Humor entschädigte für die Zeit des Wartens.

Was ist eine Demenz? Auf jeden Fall „mehr als eine Gedächtnisstörung”: Urteils- und Denkvermögen gehen verloren, Sprache und Automatismen sind gestört. „Ich kenne kaum echtere Menschen als Demente, aber es ist nicht immer nett, auch denen gegenüber, die helfen wollen”, schilderte Perrar „Impulsdurchbrüche und Vergröberungen des Sozialverhaltens”. So suchen an Demenz Erkrankte die Schuld nicht bei sich selbst. Oft fühlen sich Angehörige überfordert und leiden an Ängsten.

Die Zahlen sind beunruhigend: 1,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, davon 300.000 in NRW und 4000 im Kreis Düren, leiden an Demenz. Zwei Drittel werden im häuslichen Bereich betreut, im fortgeschrittenen Stadium ein Drittel. Jeder dritter Mann und jede zweite Frau erkrankt, das Risiko steigt mit dem Alter. Im Rahmen des demografischen Wandels werden sich die Zahlen bis 2030 verdoppeln, und „in den nächsten 15 Jahren ist nichts Bahnbrechendes in Sicht”.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz? Demenz ist der Oberbegriff für über 100 verschiedene Erkrankungen, die häufigste sei Alzheimer, gefolgt von der gefässbedingten Demenz. „Ein erhebliches Risiko” bestehe für Parkinson-Patienten, an Demenz zu erkranken.

Ist der Facharzt Ansprechpartner? Haus- und Facharzt führen beide diagnostische Untersuchungen und Screening-Tests durch, bei Sonderformen wird der Facharzt konsultiert. So könne „schwere Depression im Alltag aussehen wie Demenz”.

Je spezieller die Krankheit, um so mehr seien Spezialkliniken gefragt. „In punkto Diagnostik ist der Kreis Düren in Standardverfahren sehr gut aufgestellt, für Spezialformen haben an Universitäten angeschlossene Memory-Kliniken mehr Erfahrung”, informierte der Referent in der anschließenden Fragerunde.

„Was passiert”, ist bisher bei Alzheimer-Demenz am besten bekannt: In den Nervenzellen werden Proteine (Eiweiß) zur Zellstabilisierung abgebaut. Dabei zerkleinern scherenartige „Sekretasen” das Eiweiß zum Abtransport. Bei der Alzheimer-Demenz wird das Eiweiß „in größere Stücke zerschnitten als gewöhnlich. Es verklumpt zu einer Platte und legt sich auf die Nervenzelle, die zugrunde geht”, lautete seine einfache Erklärung. Die Nervenzellen kommunizieren über Botenstoffe, bei der Alzheimer-Demenz heißt dieser Acetylcholin. „Acetylcholinesterase”-Hemmer wie „Reminyl” mit dem Wirkstoff „Galantamin” könnten den Verlauf von Alzheimer-Demenz bei vielen Patienten nachhaltig verzögern, wovon natürlich „nicht jeder profitiert”. Es gibt keine wissenschaftlichen Kriterien, aber Perrar setzt das Medikament „bei deutlicher Verschlechterung”ab.

Vitamin E schadet bei Demenz

Nicht bestätigt habe sich die Hoffnung von Medizinern, entzündungshemmende Medikamente oder Östrogene würden den Krankheitsverlauf eindämmen. „Vielleicht bestimmte Fettsenker”, hier sei aber die Datenlage zwiespältig. „Vitamin E schadet bei Demenz”. Auch aktive Impfungen hält Perrar für ungeeignet, entzündliche Reaktion haben einzelne Todesfälle zur Folge gehabt. Bei der passiven Impfung habe man im Tierversuch Einblutungen bei Mäusen beobachtet. Kritisch sieht der Facharzt auch Apothekenwerbungen mit Ginkgo-Produkten.

Gibt es die Krankheit schon lange? „Ja, schon im Altertum deuten Hinweise auf Demenz. Auch die Brüder Grimm beschreiben ihre Symptome.”

Wird die Krankheit vererbt? „Jein. Wenn viele Personen in der Familie erkrankt sind, ist das Risiko aber größer”.

Gibt es Präventivmaßnahmen? „Bewegung über das normale Maß hinaus, vitaminreiche Kost, nicht rauchen, wenig Alkohol und geistiges Training vermindern die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung”, gab er den Besuchern mit auf den Weg.
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