Rathaus Jülich: Brandschutz in Warteschleife

Von: Volker Uerlings
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Das Neue Rathaus in Jülich „oben ohne“: Die Kabel hängen aus den Decken und Wänden. Die kostspielige Brandschutzsanierung des Denkmals ist noch nicht beendet, weil eine Fachfirma die Brandmelde-Endgeräte einfach nicht geliefert hat. Foto: Uerlings
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Die stählerne Treppe führt zum Hof des Neuen Rathauses und bildet den zweiten Rettungsweg.

Jülich. Schon gleich hinter der Haupteingangstür baumeln sie herum: Kabel. Das setzt sich innen fort. Dies ist sicherlich schon vielen Bürgerinnen und Bürgern bei ihren Amtsgängen im Neuen Rathaus aufgefallen. Der unter Denkmalschutz stehende Verwaltungsbau aus den 50er Jahren wirkt innen wie eine verwaiste Baustelle.

Die hängenden Kabel besitzen eine gewisse Symbolkraft, denn sie sind sozusagen die sichtbaren Warteschleifen der umfangreichen Brandschutzertüchtigung, die in Summe rund 800.000 Euro kosten wird.

Für diesen Betrag gibt es indes nicht den allerneuesten Stand, sondern einen Kompromiss, den die Stadt mit der Aufsichtsbehörde ausgehandelt hat. Alle Maßnahmen gelten zunächst für fünf Jahre – mit einer Verlängerungsoption.

Was aber hat es mit den Kabeln auf sich, die allerorten im Neuen Rathaus zu sehen sind? Auf Anfrage erklärte der Jülicher Beigeordnete Martin Schulz, dass hier noch die Endgeräte der Brandmelde- und Einbruchmeldeanlage fehlen. Die Erklärung: „Die Firma hat uns hängen lassen.“ Es habe zwei Monate gedauert, um „juristisch auseinanderzukommen“ und einen neuen Anbieter zu finden. Abgesehen von dieser Ausnahme hätten die Maßnahmen nämlich gut im Zeitplan gelegen, so Schulz.

Die jetzige Sanierung hat vor allem einen triftigen Grund: Das Neue Rathaus besitzt in bestimmten Bereichen keinen zweiten Rettungsweg. Im Ernstfall hätte das unter anderem für den Bürgermeister und weitere an das große Treppenhaus angrenzende Büros bedeutet, dass der Weg hinaus nur über die Fensterseiten möglich gewesen wäre. Das architektonisch bedeutsame und opulente Treppenhaus wäre bei einem Feuer im Keller oder Erdgeschoss durch den „Kamineffekt“ voller Rauch gewesen. Den alternativen Rettungsweg gibt es jetzt, denn es wurden Türen zwischen den Büros geschaffen, die es ermöglichen, den großen Sitzungssaal zu erreichen, ohne das Foyer zu betreten.

Vom Ratssaal aus führt eine neu angesetzte stählerne Treppe dann ins Freie. Martin Schulz bringt es auf diese kurze Formel: „Wenn es vorne im Flur brennt, können die Mitarbeiter hinten raus.“

Alle Türen zum Foyer und zu den Fluren wurden mit neuen Dichtungen versehen. Verschiedene Pforten wurden komplett erneuert. Ein großer Eingriff war der Einbau einer sogenannten „Spüllüftungsanlage“ im Keller und im dritten Obergeschoss des Nebengebäudes. Diese Anlage bläst im Brandfall Außenluft ein, die über eine neue geschaffene Öffnung im Dach des dritten Obergeschosses entweichen kann und den Rauch praktisch aus dem Gebäude spült.

Die Fluchttreppe im Hof ist über vier Türöffnungen zu erreichen, unter anderem eben vom Ratssaal aus. Bei den Arbeiten hierzu zeigte sich nach Angaben des Architekten, dass es der Jülicher „Untergrund“ in sich hat. Die zweigeschossige Stahltreppe musste auf einer drei Meter tiefen „Brunnengründung“ aufgesetzt werden, weil der Boden dort aufgeschüttet war. Bei den Schachtarbeiten kam die Historie zum Vorschein, denn es wurden „archäologisch relevante Entwässerungskanäle“ gefunden, die vom Landesamt für Bodendenkmalpflege aufgenommen wurden, wie der Jülicher Architekt Mario Albrecht ausführt.

Nun stehen noch Beiputzarbeiten, Abschottungen von Elektroinstallationen und – siehe oben – die Endinstallation der Brandmelde- und Einbruchmeldeanlage an. Bis „voraussichtlich April 2014“ dürften die Maßnahmen, die Anfang 2013 begonnen haben, abgeschlossen sein. Die durchaus großen Eingriffe geschahen im laufenden Betrieb der Stadtverwaltung. „Das war nicht immer nur spaßig“, erklärt Beigeordneter Martin Schulz, denn die Stemm- und Schlitzarbeiten seien mit Lärm und Schmutz verbunden gewesen. Nur einige spezielle Tätigkeiten sind an den Wochenenden ausgeführt worden. „Wer das hier erlebt hat, kann nachempfinden, wie es wohl Schülern und Lehrern im Schulzentrum über einen sehr viel längeren Zeitraum ergangen ist“, blickt Schulz auf eine Jülicher Großbaustelle, die im Sommer 2014 beendet sein wird.

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